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Hameln-Pyrmont Rare Vehikel und Schwarze Kunst
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10:50 10.02.2011
Altes Prunkstück im Druckereimuseum: Die 200 Jahre alte Kniehebelpresse. Quelle: Bernd Althammer

Anschließend geht es dann oft an den Weserrenaissancefassaden der Altstadt vorbei hinunter zum Flussufer, wo bald wieder die „weiße Flotte“ weser-auf- und -abwärts unterwegs ist.

Aber Hameln hat noch mehr zu bieten. Nur wenige Fußminuten vom Bahnhof entfernt liegt der Hefehof. Vor mehr als 120 Jahren als Zuckerfabrik errichtet, übernahmen 1908 fünf Bäckermeister das Areal, um sich mit ihrer „Deutschen Hefe- und Spritwerke AG“ gegen ein Preissyndikat der Hefeproduzenten zu wehren. Erst wurde Hefe hergestellt; dann Korn gebrannt. Weil die weitläufigen Flächen nicht komplett benötigt wurden, siedelten sich auch andere Firmen an. In den siebziger Jahren kam das Aus. Das Areal wandelte sich zu einem Sammelsurium aus Gastronomie, Kultur, Dienstleistung und Handel. Es bot Platz für zwei Erinnerungsstätten einstiger Hamelner Industrie.

Denn abgesehen von der Hefe: In der Weserstadt wurde Automobilgeschichte geschrieben. Mehr noch: Fast jedes heutige Auto beinhaltet eine hiesige Erfindung. Vor dem Ersten Weltkrieg produzierten die Norddeutschen Autowerke die Modelle „Colibri“ und „Sperber“, 1919 entstand daraus die Firma Selve, die bis 1929 auch Rennsportwagen baute. Die Hamelner Wertarbeit wurde geschätzt. Ihre Fahrzeuge rollten überall in Europa.

Heute sind diese Oldtimer Raritäten. Ein Verein kümmert sich, um die lokale Automobilgeschichte zu bewahren. Fünf von inzwischen neun beschafften Fahrzeugen sind im kleinen Oldtimermuseum mitten im Hefehof zu sehen – fast genau da, wo sie einst produziert worden sind. Mitten zwischen den perfekt restaurierten Vehikeln steht ein erbärmliches Überbleibsel aus der Pionierzeit des Automobils, dessen Wiederherstellung nicht mehr lohnt. Zu sehen sind auch Konstruktionszeichnungen, Werbung der Zeit und wissenswerte Details.

Das „Museum der Hamelner Automobilgeschichte“ ist ebenso freitags von 15 bis 18 Uhr und sonnabends von 11 bis 16 Uhr – für Gruppen nach Voranmeldung unter Telefon (0 51 51) 5 78 50 auch zu anderen Zeiten – geöffnet wie das direkt benachbarte Druckereimuseum, das unter Telefon (0 51 51) 6 27 27 weitere Terminwünsche erfüllt. Dort kann man die ganze Entwicklung der Schwarzen Kunst erleben – von der Erfindung der beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg über den Maschinensatz bis zur elektronischen Textverarbeitung.

200 Jahre alt ist eine Kniehebelpresse, die erste Eisenkonstruktion, nachdem bis dahin nur mithilfe eines hölzernen Systems die Druckfarbe aufs Papier gebracht wurde. Und natürlich finden sich in der musealen Druckerei, in der es intensiv nach Farbe und Schmiermitteln riecht, neuzeitliche Apparate, die im Hand- oder Maschinenbetrieb in Windeseile Papier ausspucken. Besucher dürfen eine gedruckte Erinnerung mitnehmen; mit Gruppen wird auch praktisch gearbeitet – am Setztisch wie an den Pressen. „Anfassen“, sagt Druckereifachmann Jürgen Seeger, „ist ausdrücklich erlaubt.“ Da gibt es dann schon mal schwarze Finger.

Bernd Althammer

Öffentliche Verkehrsmittel

Mit S-Bahn 5 bis Hameln und zu Fuß durch Tunnelstraße und Hastenbecker Weg in nur fünf Minuten zum Hefehof.

Mit dem Auto

Über die B 217. Parkplätze sind direkt am Gebäudekomplex vorhanden.

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