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Rund um die Welt Madeira feiert 600 Jahre Entdeckung
Reisereporter Rund um die Welt Madeira feiert 600 Jahre Entdeckung
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04:58 10.07.2018
Botanischer Garten: Madeira ist ein Pflanzenparadies und trägt nicht umsonst den Beinamen Blumeninsel. Foto: Madeira Promotion Bureau
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Funchal

Was verbinden die meisten Menschen mit einer Trauminsel? Wahrscheinlich schneeweiße Sandstrände, türkisblaues Wasser, Kokosnusspalmen und tropische Wärme.

Doch es war ein Eiland, das weder als Strandparadies noch für Badewannentemperaturen bekannt ist, das 2017 zum dritten Mal in Folge bei den renommierten World Travel Awards als "bestes Inselreiseziel der Welt" ausgezeichnet wurde:

Madeira.

Die Vulkaninsel vor der Küste Westafrikas feiert ab diesem Jahr das 600. Jubiläum ihrer Entdeckung. Zwar wurde Madeira schon im 6. Jahrhundert vor Christus von den Phöniziern entdeckt. Doch 1418 landete der Portugiese Joao Goncalves Zarco nach einem Sturm auf Madeiras Nachbarinsel und nannte sie aus Dankbarkeit Porto Santo, Heiliger Hafen. Ein Jahr später nahm der Seefahrer dann auch die Hauptinsel Madeira für Portugal in Besitz.

So lockt Madeira in diesem Jahr und 2019 mit zahlreichen Events, Ausstellungen und Volksfesten. Der berühmteste Sohn der Insel ist Cristiano Ronaldo. "Madeira kann jedem etwas bieten. Die Insel hat so viele wunderschöne Orte", erklärt der Fußballprofi. "Das ganze Jahr herrscht ein angenehm mildes Klima, die Qualität der Hotels und Dienstleistungen ist enorm hoch, die Infrastruktur ausgezeichnet. Madeira ist zudem ein sehr sicheres Reiseziel." Nach Madeira kommen Wanderer, Taucher, Badegäste, Gourmets und Kulturbegeisterte.

Ronaldo ist quasi der König von Madeira. Und mit Sicherheit die beste und zudem noch globale Werbung für seine Heimatinsel. Das wird schon direkt bei der Ankunft klar: "Wir sind soeben auf dem Internationalen Flughafen Madeira - Cristiano Ronaldo gelandet", sagt die Flugbegleiterin. Im vergangenen Jahr weihte der fünfmalige Weltfußballer den Flughafen in Funchal höchstpersönlich auf seinen eigenen Namen um. Bevor Urlauber zum Hotel aufbrechen, muss noch schnell das obligatorische Foto mit der weltberühmten Ronaldo-Büste am Flughafenausgang gemacht werden. Leider geriet sie derart daneben, dass der entstellte Bronzekopf viel Spott hervorrief.

Die wenigsten fliegen nach Madeira, um die Insel auf den Spuren Ronaldos kennenzulernen. "Doch viele Urlauber wurden erst auf Madeira aufmerksam, weil sie hörten, dass Ronaldo von hier stammt", sagt Nuno Viveiros vom

CR7-Museum. Ronaldos Namenskürzel und seine Rückennummer sind ein Touristen-Magnet. "Wir sind mittlerweile das am meisten besuchte Museum auf der Insel", sagt Viveiros, der auch Ronalds Cousin ist. Bereits 250.000 Besucher haben sich dessen Pokal- und Trophäensammlung angeschaut. Fans können auch signierte Trikots und Fan-Post aus aller Welt bestaunen. Die Fußballschuhe des Profis sind in beleuchteten Vitrinen ausgestellt wie wertvolle Kunstwerke.

Gleich neben dem Museum befindet sich Ronaldos neues "Pestana CR7 Hotel". Das Vier-Sterne-Haus gehört zu den modernsten und angesagtesten der Insel. Stylisch, toller Infinity-Pool. Die Rooftop-Bar bietet einen herrlichen Blick auf den Kreuzfahrthafen. Man muss es aber mögen, unter Ronaldo-Gemälden zu schlafen.

Doch Madeira ist viel mehr als ein Ronaldo-Themenpark. Vor allem ist die Insel ein Natur- und Wanderparadies. Madeiras jahrhundertealte Lorbeerwälder gehören seit 1999 zum Unesco-Weltkulturerbe. Schon Kaiserin Sisi verschlug es 1860 wegen des angenehm milden Klimas zur Lungenkur nach Madeira. Sie war entzückt von der farbenprächtigen Natur mit etwa 760 verschiedenen Pflanzen- und Blumenarten.

An diesem Tag ist kaum etwas von der Vegetation zu sehen. Es regnet, dichter Nebel. Der Wanderweg von Queimadas durch den Naturpark zum Caldeirao Verde, dem "grünen Kessel" im Herzen der Insel, ist dennoch leicht zu finden. Man braucht nur den Levadas folgen, schmalen Wegen, die an alten Bewässerungskanälen entlanglaufen. "Die ersten dieser Kanäle wurden bereits Ende des 15. Jahrhunderts von den Portugiesen angelegt, um Trinkwasser aus dem Inselinneren zur Küste zu leiten", erklärt Wanderführer Samuel Freitas.

Heute bilden die Levadas ein Wandernetz, das mehr als 2000 Kilometer kreuz und quer über die Insel verläuft. Vorbei an moosigen Felswänden, riesigen Farnen und bis zu 100 Meter hohen Wasserfällen. Sie ziehen sich durch Lorbeerwälder, deren Äste mit dicken, pelzigen Flechten überwuchert sind. Knorrige Baumriesen, Wälder wie aus dem Märchenbuch. Es riecht nach morschem Holz und wildem Oregano.

Ganz im Westen führen Wanderwege auf der Halbinsel Ponta de Sao Lourenco durch bizarre Vulkanlandschaften. Hier befindet sich in Canical ein interessantes Walmuseum. Früher lebte die Insel vom Walfang. Heute ist sie ein weltweiter Hotspot für touristische Wal- und Delfinbeobachtungstouren.

Auch Madeiras Küche ist eine Entdeckung. "Wenige kommen mit hohen gastronomischen Erwartungen", räumt Mario Jardim Fernandes ein, der Urlaubern Köstlichkeiten auf seiner Finca Faja dos Padres auftischt. "Doch die meisten geben hinterher das Essen als einen der Gründe an, nach Madeira zurückkommen zu wollen", sagt er.

Die Finca mit Restaurant und Ferienwohnungen war bis vor kurzem nur per Boot erreichbar. 300 Meter hohe Steilklippen isolierten die Langzunge, bis 2016 ein Gondel-Lift installiert wurde. Das Restaurant ist inselweit für seinen frischen Fisch und die Napfmuscheln bekannt.

Das Mikroklima nutzten schon Franziskanermönche im 15. Jahrhundert, um hier die ersten Weinreben anzubauen. Damit gilt Faja dos Padres heute als Wiege des berühmten süßen Madeira-Weins. Über dessen Geschichte kann man sich in der quirligen Hauptstadt Funchal auch gut in der einstigen Weinkellerei der Familie Blandy informieren, heute Probierstube und Museum. Sowieso ist Funchal einen Besuch wert: Die Kleinstadt lockt mit schönen Gärten, alten Kirchen und Klöstern, dem Bauernmarkt Mercado dos Lavradores, interessanten Museen, den berühmten Korbschlittenfahrten - und natürlich dem Ronaldo-Museum.

Ronaldo kann sich gut vorstellen, nach seiner Fußballkarriere wieder in Funchal und auf Madeira zu leben. Er habe aber noch nicht darüber nachgedacht. "Wer weiß, was die Zukunft bringt", erklärt er. Doch eines steht für ihn fest: Seine Heimat ist einer der schönsten Flecken der Welt.

dpa

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