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Brot für die Ewigkeit

Lernen von den Preppern Brot für die Ewigkeit

Man muss nicht gleich zum Prepper werden, um ein paar Tage ohne Strom oder geöffnete Supermärkte zu überstehen. Doch angesichts des verstärkten weltpolitischen Säbelrasselns liegen haltbare Lebensmittel und Überlebensgadgets plötzlich wieder voll im Trend.

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Immer gut gefüllt: Der Kühlschrank eines Preppers.

Quelle: dpa

Hannover. Die Hobbits Frodo, Samweis und ihre Gefährten hatten schon einen Teil ihres Weges zum Schicksalsberg hinter sich, als sie in der Heimat der Elbenkönigin Galadriel Rast machten. Diese gab den Hobbits nicht nur weise Ratschläge mit auf den Weg, sondern auch Lembas, eine Art Zwieback, den man heute als hochkalorisch bezeichnen würde. Schon wenige Bissen füllen den Magen eines erwachsenen Mannes viele Stunden lang.

So gesehen hat J.R.R. Tolkien mit seiner Romantrilogie “Der Herr der Ringe“ nicht nur ein ganzes Universum fabelhafter Wesen und Geschichten erschaffen. Mit Lembas hat der britische Schriftsteller und Philologe auch die Idee für das geliefert, was heute in Bioläden, Reformhäusern und in Sportfachgeschäften gemeinhin als Energieriegel verkauft wird. Anders als das Elbenbrot sind diese Riegel nicht immer kekshaft und dünn. Dafür haben die mit vielen Proteinen, Mineralien und Vitaminen ausgestatteten Produkte die Fähigkeit, dem Körper auf die Schnelle das zuzuführen, was er vermeintlich schnell braucht: Kraft und Nährstoffe.

Vorbereiten auf den Weltuntergang

In der westlich-modernen Welt sind die Entbehrungen der Nachkriegszeit fast schon Geschichte. Deshalb gibt es nicht mehr viele abenteuerliche Missionen, bei denen ein solches Produkt wirklich von Bedeutung wäre. Wer aber einmal am Ende eines Langstreckenfluges auf das karge Frühstück der Economy Class angewiesen war, freut sich, wenn er in den Tiefen seines Handgepäcks einen zermatschten Energieriegel findet.

Der Hinweis darüber, dass es auch ernsthaft sinnvoll sein kann, für den Notfall vorzusorgen, entfachte vor einem Jahr eine fast hysterische Debatte: Damals änderte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe die Angaben zum Vorrat, den jeder Haushalt für den Notfall vorhalten sollte – und warf damit die Frage auf, ob dieser denn möglicherweise unmittelbar bevorstünde.

Die Prepper, Menschen, die mit dem baldigen Weltuntergang rechnen, erlangten damals eine kurze Berühmtheit: Ihre selbst geschaffenen Bunker sind vollgestopft mit Gadgets, die im Fall der Fälle das Schlimmste verhindern sollen. Das sind Kurbelradios, Strahlenschutzanzüge, Wasseraufbereiter – und eben jene hochkalorischen Riegel, die es früher nur in Läden für Militärbedarf gab, ganz hinten im Regal zwischen alten Bundeswehrparkas und Flaggen aller Art. Heute gehören Produkte wie sie übrigens zum Bestand eines jeden großen Onlineversandhauses. Mindesthaltbarkeitsdatum August 2059.

Überleben mit Haferflocken

In einem Jahr, in dem politische Großmächte wieder einmal mit nuklearen Waffen protzen und zumindest mit Worten zündeln, werden Notvorräte vielleicht aber auch in deutschen Haushalten angelegt, die normalerweise eigentlich nicht mit dem Schlimmsten rechnen. In den Schränken liegt dann möglicherweise kein Zwieback mehr, sondern eher Pumpernickel.

Denn dass man auch mit einfachen Zutaten und weniger stark verarbeiteten Lebensmitteln einige Zeit überleben kann, haben vor wenigen Wochen die beiden Seglerinnen Jennifer Appel und Tasha Fuiava bewiesen, deren Boot auf der Fahrt von Hawaii nach Tahiti von Stürmen getroffen und stark beschädigt wurde. Sie aßen monatelang fast nur Haferflocken, Nudeln und Reis. Dazu tranken sie aufbereitetes Meerwasser. Für verwöhnte Gaumen ist das alles dann vielleicht nicht unbedingt eine Freude. Aber darauf kommt es im Notall schließlich wirklich nicht an.

Von Dany Schrader

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