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Das große Prickeln

Hochsaison für Champagner Das große Prickeln

Champagner ist ein besonderes Getränk für besondere Tage. Doch was unterscheidet den französischen Schaumwein von gewöhnlichem Sekt? Sein Geschmack? Sein Mythos? Sein Preis? Natürlich ein bisschen von allem.

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Zarte Aussichten

Hat zu Weihnachten und Silvester Hochsaison: Der Champagner.

Quelle: Jim K. Town / CC BY 2.0

Diese Nachricht kommt zur richtigen Zeit: Champagner, in Maßen genossen, kann altersbedingter Demenz vorbeugen. Das fanden englische Forscher kürzlich heraus. Schön, so etwas unmittelbar vor den Feiertagen zu lesen. Schließlich werden bei den anstehenden Weihnachts- und Neujahrsfestlichkeiten weltweit wieder unzählige Korken knallen.

Und weil es eben besondere Tage sind, darf es gerne das Prickelgetränk aus Frankreichs herausragender Schaumweinregion sein. Die Produkte der Champagne stehen für Hochgenuss und Luxus – warum eigentlich?

Gewiss spielt die Weinregion die wichtigste Rolle. Rund 15 800 Winzer bauen hier, im Nordosten Frankreichs, nach strengen Vorschriften die drei Champagnertrauben Chardonnay, Pinot Noir und Meunier an. Der Großteil davon, knapp 90 Prozent, wird von den 300 kleineren und größeren Champagnerhäusern vermarktet. Insgesamt verkaufen sie jährlich rund 340 Millionen Flaschen des edlen Getränks, 12,6 Millionen davon nach Deutschland.

Champagner / Symbolbild

Einer der bekanntesten Namen im Champagner-Universum: Moët & Chandon.

Quelle: Bonum Vinum / CC BY ND 2.0

Das Zusammenspiel zwischen Erzeugern und Vermarktern klappt reibungslos. Und so profitieren – anders als in Frankreichs anderen großen Anbaugebieten – auch die Winzer in weniger privilegierten Lagen und erzielen für ihre Produkte entsprechend hohe Preise. Champagner gibt es in Deutschland ab 13 Euro zu kaufen. Bei Erzeugnissen ohne Jahrgang reicht die Preisspanne bis zu 90 Euro. Einzelne Exklusivprodukte kosten erheblich mehr.

Die Fäden zieht ein berufsübergreifender Dachverband, das Comité Champagne. Es sorgt für die Gleichberechtigung von Winzern und Häusern und kümmert sich um den Schutz der Ursprungsbezeichnung. Letzteres ist ein weltweites Problem, schließlich gibt es nicht wenige Hersteller und Produzenten unterschiedlichster Produkte, die sich mit dem prestigeträchtigen Begriff schmücken wollen.

"Der Champagner unter den Mineralwässern", "der kleine Bruder des Champagners": "Da gibt es täglich neue Fälle", sagt Christian Josephi, der im Bureau du Champagne von Stuttgart aus die Interessen der Weinregion in Deutschland und Österreich vertritt. Die Niederlassung ist eine von 14 weltweit. Das Kontrollsystem sei "lückenlos", versichert Josephi.

Große Weine und strenge Regeln

Der Schutz der Marke und die strengen Reglementierungen sind gewiss gewichtige Gründe für den Erfolg des Champagners. Doch klinge dies eben alles auch recht "unsexy", gesteht Josephi. Ganz im Gegensatz zum Produkt: Das Getränk selbst besitzt jede Menge Charme: "Im Grunde spielen all diese Faktoren eine Rolle, wenn es um die Frage geht, was den Ruf des Champagners begründet."

Die Grundlage sind aber in erster Linie große Weine – gereift auf mineralhaltigen Kreideböden, handgepflückt, mit höchster Sorgfalt verlesen, sanft gepresst und behutsam gekeltert. Dazu die Inszenierung bei der Verkostung: das Öffnen, das Eingießen, der Perlentanz, das Prickeln. "Ich trinke nur bei zwei Gelegenheiten Champagner", sagte einst Coco Chanel. "Wenn ich verliebt bin – und wenn ich es nicht bin."

In Deutschland sieht das anders aus. Im Gegensatz zu Frankreich, wo der Champagner bei einem Essen mit guten Freunden und der Familie durchaus auch alltags genossen wird, knallen die Korken hierzulande vor allem zum Jahresausklang. 30 bis 40 Prozent der jährlichen Gesamtmenge an Champagner werden in den letzten Wochen des Jahres verkauft.

Edle Menübegleitung

Und so bleibt der noble Franzose hierzulande die exklusive Alternative zum Sekt. Rund 420 Millionen Flaschen Schaumwein werden jährlich in Deutschland geleert. Nur 3 Prozent davon stammen aus der Champagne.  

Im Restaurant des Zwei-Sterne-Kochs Thomas Martin im Hamburger Luxushotel Louis C. Jacob wird nicht an den edlen Schaumweinen gespart. Abend für Abend werden standesgemäß die Champagnerkühler an viele Tische geschoben. Die Champagnerkarte des Hauses umfasst immerhin 75 verschiedene Positionen. Sommelière Fabiola Kerzel und ihr Kollege Torsten Junker müssen dennoch hin und wieder Überzeugungsarbeit leisten. Denn der edle Schaumwein wird in dem gediegenen Haus auch als Menübegleitung angeboten.

Geschmack und Komplexität

Sein Begehrlichkeiten weckendes Luxusimage sei das eine, sagt Kerzel. "Aber der Champagner überzeugt vor allem durch seinen Geschmack und seine Komplexität." Deshalb passe er zu den verschiedensten Gerichten. Selbst zu dunklem Fleisch: "Zu Wild- oder Lammfleisch empfehle ich zum Beispiel einen Roséchampagner", sagt die 29-Jährige.

Was sie sich beim Thema Champagner generell wünsche, sei mehr Offenheit. Für gute Weine werde doch auch das ganze Jahr über viel Geld ausgegeben. "Warum also sollte man sich nicht hin und wieder Champagner gönnen?", meint Kerzel.

Champagnerflaschen lagern im Keller von Taittinger in Reims.

Champagnerflaschen lagern im Keller von Taittinger in Reims.

Quelle: dpa

Der festliche Charakter jedenfalls kommt nicht von ungefähr. Bereits seit dem 9. Jahrhundert wurden in der Champagne-Stadt Reims Frankreichs Könige gekrönt – Anlässe, bei denen ein angemessener Tropfen nicht fehlen durfte. Geprickelt hat der Wein damals allerdings noch nicht. Die Weichen für den heutigen Champagner wurden erst im 17. Jahrhundert gestellt.

Da der Wein den Transport in Fässern nicht gut überstand, wurde er von den Winzern vor Ort direkt in Flaschen gefüllt. Unbeabsichtigt gärte er weiter – ein Glücksfall, den sich die Winzer später in Gestalt der minutiös ausgefeilten Méthode champenoise, der Flaschengärung, zunutze machten. Denn bloße Zufallstreffer, die passen ganz und gar nicht zu den Perfektionisten aus der Champagne.

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