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Dicke Hose

Comeback der Baggy-Pants Dicke Hose

Auf eng folgt weit: Wenn es nach den Designern von Levis geht, haben die allgegenwärtigen Skinny- und Röhrenjeans bald endgültig ausgedient.

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Viel zu viel Hose für viel zu wenig Bein: Baggy-Pants sind wieder da.

Quelle: Hersteller

Hannover. Mode schlägt nicht nur manchmal hohe Wellen, sie bewegt sich auch gern in ebendiesen. Oft folgt – und das nicht besonders überraschend – auf einen Trend scheinbar das genaue Gegenteil. Das geht dann in etwa so: Retro zieht Futurismus nach sich, nach körperbetonten Silhouetten wiederum schicken die Designer weite und lässige Schnitte über die Laufstege. Es war also absehbar, dass die Röhrenjeans nicht bis in alle Ewigkeit Bestand haben würde, selbst wenn der Schnitt ähnlich klassisch ist wie die geraden Hosenbeine der beinahe immerwährenden Levi’s 501.

Nun eignen sich eng anliegende Jeans nicht für jeden. Für so manchen ist es also eine gute Nachricht, dass die weite Jeans zurückkehrt. Nachdem die Athleisure-Bewegung Jogginghosen und andere Sportbekleidung auch für den Alltag gesellschaftsfähig gemacht hatte, kehrten jüngst bereits die Schlaghosen zurück. Etwa zeitgleich schaffte es die Culotte – eine weite Hochwasserhose – in den Mainstream. Und siehe da: Angetrieben von dem noch jungen Selbstverständnis, dass Mode elegant und bequem zugleich sein kann, ist Weit das neue Eng geworden.

Trend aus US-Gefängnissen

Wie so oft folgt die Männermode den Trends der Frauenmode: Zwar dürfte die Ankündigung des US-Jeansherstellers Levi’s, im Frühjahr 2018 wieder Baggy-Pants auf den Markt zu bringen, noch niemanden in Unruhe versetzen. Der Name der Hose allerdings weckt schnell Erinnerungen an die ultracoolen Rapper aus den Neunzigerjahren, die in viel zu weiten, fast schon über die Hüften heruntergerutschten Jeans durch die Straßen zogen und mächtig einen auf “dicke Hose“ machten. Modisch ist der Schnitt sicherlich eine gute Ergänzung zu aktuellen Wiederentdeckungen wie blondiertes Männerhaar, Bomberjacken und Plateau-Turnschuhen.

Ursprünglich haben die weiten Hosen aber eigentlich die Anhänger der Solidaritätsbewegung für US-amerikanische Gefängnisinsassen getragen. Den Häftlingen wurden damals aus Sicherheitsgründen die Gürtel abgenommen. Ihre zu großen Hosen rutschten folglich bei jeder Bewegung. Das sah zwar nicht schön aus, wirkte aber offenbar so lässig und rebellisch, dass eine ganze Generation von Jugendlichen eine Zeit lang viel zu viel Hose für zu wenig Bein trug.

Entwarnung für Ordnungshüter

An den Baggy-Style von einst erinnern zurzeit auch wieder einige Anzughosen, die zum Teil sehr weit geschnitten sind. In einer kruden Mischung aus edel und Streetstyle trägt sie beispielsweise der R’-n’-B-Star Frank Ocean – und zwar ganz im Stil der Neunziger – zu Skaterschuhen. Der Kontrast funktioniert.

Doch bevor jetzt Ordnungshüter schon ihre Maßbänder zücken, um festlegen zu können, wie viele Zentimeter tief die “Baggys“ künftig unter dem Hintern hängen dürfen, kann Entwarnung gegeben werden. Das neue Modell Silver Tab soll lediglich wieder mehr Platz an den Beinen lassen, getragen wird es aber trotzdem ganz regulär auf der Hüfte, mit engen Schnürschuhen oder sogar zu Stiefeln. Sogar ein Gürtel ist erlaubt, man kann ihn ja unter einem möglichst weiten T-Shirt verstecken, das lässig über den Hosenbund baumelt.

Damit sind die Baggy-Pants aus dem Jahr 2018 vielleicht nicht einmal eine modische Neuauflage, sondern vielmehr ein augenzwinkerndes Zitat aus einer modisch-bewegten Zeit, an die wir uns alle noch gut erinnern können. Wer mag, kann ja trotzdem ein bisschen Gangsta-Rap dazu hören, der alten Zeiten wegen.

Von Jan Heemann

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