Startseite HAZ
Volltextsuche über das Angebot:

Die Geschichte der Wasserträger

Trinkflaschen für unterwegs Die Geschichte der Wasserträger

Passionierte Trinkflaschen-Träger trifft man längst nicht mehr nur auf Outdoor-Trips oder der Laufstrecke, sondern auch in der Stadt. Anstelle von Kaffeebechern schleppen Menschen nun ihr Wasser mit sich herum. Nicht, weil sie Angst hätten, zu verdursten – sondern, weil es gut aussieht.

Voriger Artikel
Ein Hauch von Schwanensee
Nächster Artikel
Die Rückkehr des Knochens

Salonfähig: Sogar Trinkflaschen müssen jetzt schön sein. Ihren Outdoor-Charme haben viele Modelle trotzdem behalten – selbst wenn sie rosafarben sind, wie das Modell von bkr.

Quelle: Hersteller

Hannover. Es ist noch gar nicht so lange her, da waren Trinkflaschen vor allem etwas für Hartgesottene: reizlose Feldflaschen für Survival-Typen, die mutterseelenallein in Outdoorklamotten durch die Wildnis stromerten. Diese Zeiten sind freilich längst vorbei. Die Trinkflasche hat sich herausgeputzt und die Großstadt erobert. Genutzt wird sie auch abseits der Joggingrunde, mit High Heels oder Budapestern an den Füßen – in einem Umfeld also, in dem Wasserknappheit kein ernstes Problem darstellen sollte.

Womöglich jedoch geht es den urbanen Flaschennutzern gar nicht so sehr um einen ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt, sondern vor allem darum, ein modisches Statement zu setzen. Darauf deutet nicht nur die allzu absichtsvolle Nonchalance hin, mit der so manche formschöne und nicht ganz preiswerte Flasche spazieren getragen wird: Nämlich so, als handele es sich bei ihr um das neueste Hermès-Täschchen.

In trendbewussten Kalifornien, genauer in den Promi-Vierteln von Los Angeles, gehören Wasserbehälter schon lange zu den Must-haves. Schuld daran ist womöglich Julia Roberts. Bereits im Jahr 2008 warnte die US-Schauspielerin in der Talkshow von Oprah Winfrey vor chemischen Verbindungen wie Bisphenol A (BPA), die sich aus Plastikflaschen lösen und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können. Flugs stiegen die Trendsetter an Venice Beach und Rodeo Drive auf die in gedämpften Metallictönen gehaltenen Aluminiumflaschen der Marke Sigg um – und Millionen taten es ihnen gleich. Der PR-Effekt war so gewaltig, dass die USA binnen weniger Monate der wichtigste Markt für das Schweizer Unternehmen wurden. Doch auf den Höhenflug folgte der Absturz: 2009 wurde bekannt, dass die Innenbeschichtung der Flaschen ebenso minimale Spuren von Bisphenol A enthält. Obwohl Sigg zu dieser Zeit nach eigenen Angaben bereits auf BPA-freien Lack umgestiegen war, brach das US-Geschäft schlagartig ein – und das Unternehmen schrammte knapp an einer Insolvenz vorbei. Heute ist Sigg in chinesischer Hand und produziert längst auch Flaschen aus BPA-freiem Kunststoff und dem Klassiker schlechthin: Glas.

Diesem wohl zeitlosesten und nach derzeitigen Erkenntnissen unbedenklichsten aller Flaschenmaterialien vertrauen inzwischen auch so stilbewusste Prominente wie die Schauspielerinnen Natalie Portman, Kirsten Dunst und Naomi Watts. Freilich wird man in ihren Händen nicht die schnöde Normbrunnenflasche finden, in die hierzulande Mineralwasser abgefüllt wird. Vielmehr schwören die Berühmtheiten auf die Glasflakons der US-Marke bkr, die sich aus Gründen der Bruchsicherheit in einer monochromen Silikonumhüllung verbergen. In zahllosen Nuancen, von pastellfarben bis knallig, sind die Flaschen erhältlich, beste Voraussetzungen also, für jedes Outfit die passende Farbe zu finden.

Tal Winter und Kate Cutler, zwei Rechtsanwältinnen aus San Francisco, haben die heiß begehrten Wasserflakons ersonnen – und den passenden Slogan gleich dazu. Er klingt wie ein Mantra für Wellnessjünger: Acht Stunden Schlaf, acht Stunden Arbeit, acht Stunden Spaß, acht Gläser Wasser.

Acht Gläser Wasser sind allerdings nur dann gesundheitsfördernd, wenn sie aus einem sauberen Gefäß ausgeschenkt werden. Doch Trinkflaschenhygiene ist ein weithin vernachlässigtes Thema, wie Forscher der University of Calgary bei einer Untersuchung benutzter Flaschen herausfanden. Rund zwei Drittel aller Proben waren über die zulässigen Grenzwerte hinaus mit Keimen belastet. Selbst das Norovirus wurde gefunden.

„Trinkflaschen sollten unbedingt direkt nach jeder Benutzung gründlich ausgewaschen werden“, rät Detlef Wölfle vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BFR) und empfiehlt dafür den Einsatz von heißem Wasser, etwas Spülmittel und einer Flaschenbürste, um auch schwer zugängliche Stellen im Flascheninneren erreichen zu können. Um Bakterien und Schimmelpilzen vorzubeugen, sei es wichtig, die Flasche kopfüber trocknen zu lassen, ehe der Deckel wieder aufgeschraubt wird. Zudem empfiehlt der BFR-Experte beim Flaschenkauf auf Hinweise zu achten, die das Produkt als BPA-frei ausweisen: „Bei diesen Produkten ist ein gesundheitliches Risiko durch einen Übergang von Substanzen aus der Flasche ins Getränk nicht zu erwarten.“

Wer ganz sicher gehen will, macht es so, wie neuerdings die Trendsetter aus Kalifornien: Er greift gleich zur Glasflasche. Es muss ja nicht unbedingt eines der angesagten Modelle sein. Denn Wasser bleibt Wasser – egal wie hipp die Flasche ist.

Von Daniel Behrendt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Debatte wurde beendet
Die Debatte zu diesem Artikel ist beendet. Auf HAZ.de können Sie die Themen des Tages diskutieren – hier finden Sie die aktuellen und vergangenen Themen im Überblick.
Mehr aus Genuss & Leben