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Die Wand bleibt im Ungefähren

Farbtrends für die Wohnung Die Wand bleibt im Ungefähren

Es gab Zeiten, in denen war eine Fototapete mit einer Gebirgskette absolut angesagt. Jetzt bevorzugen wir deutlich leisere Töne an der Wand: Die Interior-Trends der kommenden Monate reichen von Greige bis Pfirsich.

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Quelle: gpt

Hannover. Schon der Klang der ersten Trendfarbe beschreibt ein Stück weit ihr Wesen: Greige. Eine Inbetween-Farbe aus Grau und Beige. Freundlicher als reines Grau, aber weniger freundlich als Beige. Im besten Fall eine sehr edle, elegante und hochwertige Farbe, die es in vielen Schattierungen gibt, die aber auf jeden Fall im hellen Farbspektrum bleibt. Für Raumpsychologin Susanna Leiser aus München ist das Interessante an Greige, dass es durch seine weichen Farbverbindungen jedem Raum deutlich mehr Grundwärme verleiht, als etwa reines Weiß, das eher Distanz schafft. Greige macht die Wände weich, ohne dabei eine gewisse Neutralität aufzugeben.

Wer zu Greige greift, setzt mehr auf Vernunft als auf Leidenschaft, zieht die Zurückhaltung der expressiven Selbstdarstellung vor. „Diese Farbe verrät nach außen hin ganz wenig über den Menschen, der sie für seine Wohnung wählt“, erklärt Professor Axel Venn, Farbexperte aus Berlin die Anziehungskraft von Greige. „Wir Deutschen sind reserviert.“, so Venn weiter: „Wir wollen nicht zu viel von uns Preis geben und uns nicht angreifbar machen. Vor 10 Jahren war alles noch bunter. Aber jetzt überwiegt die Reduktion. Die Bankenkrise hat uns die Heiterkeit genommen.“

Greige – edel, zurückhaltend und außerdem eine sehr praktische Wandfarbe, an der man sich auch fünf bis zehn Jahre später nicht satt gesehen hat. „Und wahrlich perfekt, um Wohnaccessoires gekonnt in Szene zu setzen“, weiß Axel Buehter. Er ist Professor für Design und Kunst an der Universität Wuppertal und außerdem im Vorstand des Deutschen Farbenzentrums. „Auf einer greigen Wand kann ein großes, farbiges Bild regelrecht glänzen. Blumen werden vor greigen Wänden toll in Szene gesetzt. Vasen in angesagten Naturtönen wie dem Primerose Yellow von Pantone verleihen dem Raum Frische.“ Die experimentelle Spielwiese befindet sich also eher vor der Wand als direkt darauf. Sprich: die Grundfarbe hat Bestand, während die akzentuierenden Wohnaccessoires nach Lust und Laune gewechselt werden können.

Der zweite wichtige Trend werden laut Farbexperte Axel Venn Pfirsichtöne und Hauttöne sein. Hierbei handelt es sich um sehr menschliche Farben, die weitausmehr von unserer Persönlichkeit offen legen und damit einen sanften Kontrast zum ersten Trend Greige liefern. „Das sind richtige Sympathietöne! Farben des Errötens. Farben, die eine sanfte pastellige Frühlingshaftigkeit haben. Die uns auch stimulieren“, erklärt Venn. Sie entsprechen einer Sehnsucht nach Wechsel. Dem Wechsel wieder hin zu mehr Spaß und Freude – etwa durch ein Wohnzimmer in einem gebrochenen Rose, das ins Gelbe hineingeht und dadurch eine Balance aus Wärme und Entspannung erzeugt. Ähnlich beschreibt es auch Axel Buether von der Uni Wuppertal: „Man sucht in der Farbe eine gewisse Form der Unbeschwertheit, der Freiheit.“

Die neuen pastelligen Trendtöne tun uns niemals weh wie ein knalliges Rot oder Grün. Sie sind das absolute Gegenteil von schrill, stattdessen besänftigend, Sympathie herausfordernd, sehr angenehm. Farbexperte Axel Venn bezeichnet sie als Töne der Achtsamkeit, die ein philanthropes Bewusstsein darstellen, sehr menschenfreundlich sind und einladend. Sie sind regelrechte Sympathietransfers. Der Berliner Farbexperte ist davon überzeugt, dass der Trend im Interior definitiv hin zu den Zuwendungsfarben geht. Es sind keine lauten Farben, es sind sanfte Töne. „Der Anlass dafür ist, dass wir wieder mehr an menschlicher Nähe brauchen, an Zuwendung. Das ist gefragt.“

Und sympathisch sind die neuen Trendfarben Pfirsich, Rosé und Co. in der Tat auf verschiedenen Ebenen: Sie sind für Besucher absolut einladend und wirken sich anregend auf Stimmung und Gespräche im Raum aus. Und zusätzlich sehen die Farben nicht nur gewinnend an der Wand aus, sondern lassen auch die Menschen gut aussehen, die vor ihnen stehen. Denn sie sind wahre Hautschmeichler. Bei hellem Tageslicht wirken sie vital und freundlich, am Abend in gedämpftem Licht oder bei Kerzenschein erzeugen sie eine verzaubernde Atmosphäre – in der nicht nur die Wohnaccessoires sondern auch die Menschen schöner aussehen.

Und wie lassen sich die trendigen Pastelltöne am besten kombinieren? Die perfekten Interior-Komplizen finden sich in Off-White oder eisigen Sorbet-Tönen. Dadurch werden sehr subtile und feine Abstufungen geschaffen. In Kombination mit kühlen Farbnuancen wird die Lieblichkeit durchbrochen. Pfirsich, Rosé oder Hauttöne sind perfekt für große Flächen – an der Wand, als Sofa, als Kommode. Sie frischen jeden Raum auf und schaffen selbst an verregneten Tagen eine Stimmung von Frühlingserwachen.

Von Andrea Mayer-Halm

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