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Genuss & Leben Ein Hauch von Schwanensee
Sonntag Genuss & Leben
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00:30 18.02.2017
Ganz schön lässig: Die balletthafte Kollektion von Valentino. Quelle: dpa
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Hannover.

Fitnessstudios verweisen gern auf Natalie Portman. Seit sich die Schauspielerin für den Tanzthriller „Black Swan“ in Rekordzeit zur Ballerina hat ausbilden lassen, boomen Kurse wie „Ballet Beautiful“ und „Barre Workout“. Frei nach dem Motto, dass in jeder Frau eine Schwanenprinzessin wie Odette steckt, wird damit geworben, zwischen Büroalltag und Nachwuchspflege Haltung, Figur, Muskulatur und seelisches Wohlbefinden ohne Schweiß und mit viel Ästhetik im Handumdrehen zu perfektionieren.

Doch Vergleiche mit dem Ausnahmetalent Natalie Portman, die das Training für ihre Rolle im Übrigen als Tortur empfand, verbieten sich. Ballett ist Leistungssport. Die Welt der Mode, zuständig für den schönen Schein, bedient jedoch lieber romantische Klischees – und huldigt in diesem Jahr einmal mehr dem klassischen Ballerina-Look, wie er allenfalls noch beim auf Tradition getrimmten Moskauer Bolschoi-Ballett oder in Tanzstunden für Vorschulelevinnen gepflegt wird: Da gibt es Tüllröckchen, Leggings und Tops in Glanzoptik, möglichst alles in Pastellfarben. Marc Cain kommt im Herbst, H&M schon im Frühjahr, mit Rüschenröcken und -blusen in Apricot bis Pink raus. Valentinos in der Wintersaison gehypte Tutu-Kleidchen sind in zahlreichen Geschäften bereits ausverkauft, doch dafür setzt die junge Berliner Marke „Edited the Label“ für die kommende Saison auf den „Urban Ballerina Trend“ mit Schleifen, Volants, Spitze, Verschnürungen, Wickeloptik, zarten Farben und soften Stoffen – mädchenhaft verspielt und so süß wie die Zuckerfee in Tschaikowskys „Nussknacker“.

Das ist so ganz anders als der Look, für den Misty Copeland steht: Die erste dunkelhäutige Ballerina des American Ballet Theatre ist der Prototyp einer neuen Generation von Solistinnen auf der echten Ballettbühne – nicht zart und zerbrechlich, sondern muskulös, nicht feenhaft, sondern feminin. Misty Copelands Kindheit in prekären Verhältnissen war alles andere als rosarot. Auf ihrer Homepage zeigt sie sich bevorzugt in sportiven schwarzen oder roten Bodysuits.

Den athletischen Look schätzen offenbar auch ihre Kolleginnen Olivia Boisson und Mimi Staker vom New York City Ballet, die jüngst für eine Puma-Kampagne posierten. Der Sportartikelriese setzt mit seiner Anfang Februar auf den Markt gebrachten „Swan Pack“- Collection trotz der Anspielung auf „Schwanensee“ im Titel einen eleganten Gegenpol zu dem von verklärter Ballettromantik geprägten Laufstegmodetrend: Die Leggings und Bodysuits mit stilisierten Federprints fallen eher unter Trainingskleidung. Das extravagante Kapuzencape, die anschmiegsame Bomberjacke sowie die ultraleichten Sneakers taugen jedoch auch für einen stylischen Freizeit-Look.

Das britische Label Oasis hat sich für seine unlängst gelaunchte erste Sportkollektion ebenfalls Tänzer zum Vorbild genommen und sich mit den renommierten Londoner
Pineapple Dance Studios zusammengetan. Herausgekommen ist dabei eine Work-out-Garderobe mit Rosen- und Ananas-Prints, die trotz der verspielten Muster funktional daherkommt. Das 1979 von dem ehemaligen Model Debbie Moore gegründete Pineapple, in dem wöchentlich an die 200 Tanzkurse stattfinden, vertreibt auch erfolgreich eine eigene Linie für Tanzkleidung: Bauchfreie Tops, und Leggings mit Leoparden- oder Schlangenhaut-Prints bestimmen das Angebot.

Tüllröckchen gibt es nicht. Wer trotzdem als Asphalt-Ballerina eins tragen will, sollte den Look mit kleinen stilistischen Attributen an das Unperfekte brechen: Löwenmähne statt Dutt wie einst Sarah Jessica Parker in „Sex and the City“, schulterfreie Korsage wie Marilyn Monroe in Milton Greenes „Ballerina Sitting“ oder Lederjacke wie Madonna und Cindy Lauper in den Achtzigern. So besteht zumindest keine Verwechslungsgefahr mit der Zuckerfee.

Von Kerstin Hergt

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