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Genuss & Leben Ein alter Hut
Sonntag Genuss & Leben
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11:25 13.03.2018
Mit dem Turban ins Büro? US-Designer Marc Jacobs hält das für ebenso denkbar wie kleidsam. Quelle: ZUMA Wire
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Berlin

Die britische “Vogue“ hat mit ihrem Dezember-Cover schon mal das modische It-Piece für 2018 platziert: Model und Frauenaktivistin Adwoa Aboah posierte mit einem seidenen Turban – und versetzte damit die modeaffine Netzwelt in Verzückung. Bereits bei den Schauen für die Frühjahrs- und Sommersaison sorgte der Turban auf den Laufstegen und in der Front-Row für Aufsehen. Neben Gucci und Kenzo schickte etwa Marc Jacobs seine Models mit der extravaganten Kopfbedeckung über den Catwalk.

Als Vorbild für den glamourösen Look nannte er Kate Moss’ Auftritt bei der Gala des Kostüminstituts des Metropolitan Museum of Arts, einem der wichtigsten New Yorker Fashion-Events. Besagter Auftritt in goldener Robe mit farblich passendem Turban war jedoch schon 2009. Ein alter Hut, also. Zumal der Turban, abseits seiner extensiven religiösen Tradition im arabischen Raum und in Asien, lange vor Kate Moss modische Akzente setzte.

Von Napoleons Hof nach Hollywood

Eine frühe Verfechterin ihrer Zeit war Joséphine de Beauharnais, Gemahlin von Napoleon Bonaparte. Sie perfektionierte den unkomplizierten Empire-Look und die damit einhergehende Abkehr von ausladenden Prunkkleidern und überdimensionierten Perücken und Hüten. Die Kaiserin trug ihr Haar kurz, gern unter einem Turban.

Dieser war insbesondere nach Napoleons Ägypten-Feldzug in den Jahren 1798 bis 1801 en vogue in Europa. Mal wieder. Denn Jahrhunderte zuvor hatten die Kreuzzügler den Turban nach Europa gebracht. Lange wirkte er inspirierend für Putzmacher: Viele historische Kopfbedeckungen sowohl für Frauen als auch Männer, wie etwa das Barett, gehen auf den Turban zurück. Gemälde alter Meister wie Vermeers “Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“ (1665) zeugen davon.

Die Zwanziger-, Vierziger- und Fünfzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts markierten die letzten großen Turban-Wellen. Hollywoods Filmdiven von Joan Crawford bis Grace Kelly trugen ihn ebenso wie die Feministin Simone de Beauvoir oder auch die Trümmerfrauen im frühen Nachkriegsdeutschland. In den USA machte die Kunstfigur “Rosie the Riveter“ den Kopfputz populär. Ihr Konterfei mit dem verknoteten Tuch auf dem Haar und der erhobenen Faust prangte in den Vierzigerjahren auf Plakaten und Magazincovern unter der Sprechblase “We can do it“. Damit sollten Frauen für die Rüstungsindustrie angeworben werden.

Exotik trifft Alltag

Wie keine zweite Kopfbedeckung vereint der Turban Glamour und Bodenständigkeit, Exotik und Alltag, Schönheit und praktischen Nutzen – immerhin lässt sich mit dem Seiden-, Baumwoll- oder Kaschmirgewinde eine schlecht sitzende Frisur verstecken. Nie mehr Bad-Hair-Day dank Turban.

Doch was ist mit dem Rest? Gucci präsentiert seine pinkfarbenen Versionen mit blumigen Maxikleidern, bei Kenzo tragen die Models weite Sommerkleider zu den afrikanisch inspirierten Turban-Interpretationen und bei Marc Jacobs dominieren Gewänder mit floralen Mustern.

Wer es weniger extravagant mag, kann seinen Turban aus einem viereckigen Tuch winden und zur Jeans tragen: Diagonal zu einem Dreieck falten, die breite Seite zwei Mal umschlagen, das Tuch mit den Spitzen nach vorn über den Kopf legen, die Enden verknoten, den Rest am Hinterkopf zusammenbinden. Ansonsten lassen sich die Haare auch unter einer Bakerboy-Mütze gut verstecken. Ist ebenfalls in, macht sich allerdings nicht so gut zum Abendkleid. Im Zweifel muss dann eben doch der Friseur ran.

Von Kerstin Hergt

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