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Eine Blume in Gelb

Ode an die Craspedia Eine Blume in Gelb

Wenn Gelb die inoffizielle Farbe des Jahres ist, dann ist die Craspedia ohne Frage die Blume des Jahres: leuchtend gelb und kugelrund, natürlich und gleichzeitig außerordentlich schmückend.

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Kugelweise Gelb: Craspedia verzückt Romantiker und Innenarchitekten gleichermaßen.

Quelle: iStockphoto

Hannover. Die Pantonefarbe des Jahres mag so grellgrün leuchten wie ein Granny-Smith-Apfel. Die wahre Farbe des Jahres 2017 aber ist Gelb. Man sehe sich nur die Bilder der Oscar-Nacht an: “La La Land“ mag zwar nicht der beste Film geworden sein, das gelbe Sommerkleid, das Emma Stone in einer der Schlüsselszenen trug, aber war preisverdächtig und wird zurzeit auffallend häufig kopiert.

Bei so viel Gelb ist es kein Wunder, dass auch der Blumenmarkt mitzieht. Hat sich mal jemand die zahllosen Einrichtungsblogs angesehen, bei denen man sich stets fragt, ob es außerhalb des Bildes auch so wahnsinnig ordentlich ist, wie auf dem gewählten Ausschnitt? Richtig, neben fast jedem sorgfältig arrangierten Bücherstapel steht eine Vase – und darin blüht fast schon nebensächlich eine Craspedia. Die Blume besteht aus einem schnittlauchähnlichen, aschgrünem, sehr stabilen Halm. Ihre Blüte ist fast ebenso schlicht: sonnengelb und kugelrund, ein hell leuchtender Knopf eigentlich nur.

Schmückt ohne zu erdrücken

Noch dazu sieht Craspedia beinahe so heimisch, so beiläufig an der nächsten Ecke gewachsen aus wie ein etwas zu groß geratenes Gänseblümchen, dem die Blütenblätter ausgezupft worden sind (“er liebt mich, er liebt mich nicht, er ...“). Dabei importieren wir Craspedia so eifrig – erst aus ihrer Heimat Australien und Neuseeland, heute vorwiegend aus Afrika –, dass sie in den frühlingshaften und frühsommerlichen Schnittblumensträußen hiesiger Floristen zwischen Tulpen, Wicken und Margeriten sozusagen eine zweite Heimat gefunden hat.

Wann der Siegeszug der auch als “Trommelstock“ oder “Gelbe Pom Pom“ bezeichneten Schnittblume begann, lässt sich nicht so recht sagen. Irgendwann, fast wie ein Unkraut, war sie da. Jetzt zieren Crespedia-Blüten Brautkränze, die zurzeit wieder aus echten Blumen geflochten werden. Und sie dekorieren die Fotoaufnahmen, mit denen die Modelabels der Stunde ihre Kleidung bewerben. Die Pflanze schließlich vermag, was viele Designer gern auch ihren Entwürfen zukommen lassen würden: Sie ist lässig, romantisch, unaufgeregt – und bei genauem Hinsehen in ihrer Form doch so perfekt, dass sie ihr Umfeld zweifelsohne schmückt, ohne es optisch zu erdrücken.

Selbst verwelkt noch schön

Innenarchitekten lieben die Blume, weil sie so symmetrisch, so seriell ist. Selbstverständlich ist die Craspedia ein Produkt der Natur, und doch gleicht eine ihrer Blüten der anderen wie ein Grashalm dem anderen. Zudem ist die Blüte von einer Form, die klassischer nicht sein könnte: Sie bildet eine Kugel – ihre Gestalt also zitiert zahlreiche Objekte, die im zurzeit so angesagten Mid-Century-Design immer wieder auftaucht: Da gibt es kugelförmige Pendellampen, Kugelvasen und Tische mit kreisrunder Platte. Wie passend.

Ein Vorteil an der Craspedia ist sicherlich auch, dass sie beinahe unverwüstlich ist. Selbst in verwelktem oder getrocknetem Zustand sieht sie noch frisch aus. Das Geheimnis ewiger Jugend fasziniert die Welt der Mode seit jeher. Diese kleine Blume scheint es entschlüsselt zu haben.

Von Dany Schrader

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