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Eine kulinarische Tauschbörse

Food Swap liegt im Trend Eine kulinarische Tauschbörse

Der Tausch von Essen ist eine der ältesten Erfindungen der Welt, doch in New York wird aus ihr jetzt ein neuer Trend. Beim Food Swap bringen Hobbyköche Selbstgemachtes mit, Rezepte werden ausgetauscht, Speisen verkostet. Swantje Havermann hat die Idee der Essensbörse nach Deutschland geholt

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Kosten, kennen lernen, feilschen: die Food-Swap-Expertinnen Swantje Havermann (links) und Yelda Yilmaz.

Quelle: privat

Von der Dattel-Harissa-Crème schwärmt Swantje Havermann heute noch. Punkte sammelte auch der selbstgemachte Lemon Curd. Nur der gepfefferte Rapsschnaps hatte es schwer: "Der war speziell", sagt sie diplomatisch – und will damit eigentlich bedeuten, dass das Getränk nicht so gut angekommen ist. Swantje Havermann kennt sich aus mit kuriosen Leckereien. Seit anderthalb Jahren organisiert die 27-Jährige im Hamburger "Salon Wechsel Dich" Deutschlands ersten Food Swap.

Abends, wenn der reguläre Betrieb des Cafés beendet ist, verwandelt es sich immer wieder in eine kulinarische Tauschbörse. Fremde Menschen kommen, tragen Körbe, balancieren Kuchenbleche, reihen Gläser, Flaschen und Tütchen vor sich auf. Cranberry-Chutney steht neben Toffifee-Aufstrich, Wassermelonen-Limonade neben eingelegtem Kürbis. Nichts passt zusammen, aber alles hat eines gemein: Es ist hausgemacht.

Food Swap bedeutet Essenstausch. Es ist eine der ältesten Erfindungen der Welt und jetzt wieder der neueste Schrei: Seit vor fünf Jahren im New Yorker Stadtteil Brooklyn das erste Mal Essen getauscht wurde, erobern die Food Swaps die Welt. In Kanada, Großbritannien, Frankreich und nun auch in Deutschland treffen sich Anhänger von Hausgemachtem, um ihre Kreationen zu tauschen.

Geschacher unter Genießern

Die einfachen Regeln der Essenstauschbörsen stammen aus den USA: Havermann und Mitorganisatorin Yelda Yilmaz laden über Facebook ein, ungefähr 25 Swapper sagen zu, zahlen 5 Euro Teilnahmegebühr, und schon geht das Geschacher unter Genießern los. Jeder hat sein selbst gemachtes Erzeugnis in fünffacher Ausführung inklusive Kostprobe dabei. Denn nicht der Preis, sondern der Geschmack ist entscheidend. Der Swapper macht seine Runde, löffelt hier, knuspert dort. Man kommt ins Gespräch, sucht Inspiration, gibt Tipps. Und macht Angebote: ein Glas Rotweinzwiebeln für eine Feigenmarmelade? Drei Muffins für eine Dose Harrissa-Crème?

Am Ende ist idealerweise alles weg und jeder hat Beute gemacht. Dabei geht es laut Havermann  nicht nur um den Tausch von Lebensmitteln. Rezepte, Telefonnummern – wer will, nimmt von einem Food Swap eine Menge mit nach Hause. "Wir wollen Gleichgesinnte zusammenbringen und unseren kulinarischen Horizont erweitern“, sagt die Ergotherapeutin. Yilmaz ist Fotografin. Die Freundinnen eint, dass sie nebenbei gerne backen, einkochen, kreieren.

Food Swaps gibt es nicht nur in Hamburg. Auch Kiel, München, Köln und Berlin sind bereits auf den Trend aufgesprungen. „Die Bewegung wird immer größer“, sagt Havermann. Gerade haben sie und Yilmaz zum zwölften Swap eingeladen. Die Dattel-Harissa-Crème war dieses Mal leider nicht dabei.

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Von Redakteur Sophie Hilgenstock