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Ganz ungebunden

Freiraum für Schnittblumen Ganz ungebunden

Machen wir uns nichts vor: Der Sommer ist gelaufen. Die schönsten Blumen blühen jetzt in der Vase – und zwar ohne Begleitung. Ab sofort lieben Schnittblumen das lockere, wilde Leben und teilen ihren Standort nur ungern mit Konkurrenz.

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Bereit fürs Solo: Die Japanrose gehört zu den Schnittblumen, die ohne großes Beiwerk am schönsten wirken.

Quelle: pflanzenfreunde.de

Hannover. Auf Friedhofsgestecke hat sie längst keine Lust mehr: die Spraynelke. Weg vom spießigen Image vergangener Zeiten feiert die Blume zurzeit ein modernes Comeback. Es gibt sie hochgewachsen, verzweigt mit vielen kleinen Blüten und in spannenden neuen Farbschattierungen. Noch dazu ist die Spraynelke sehr robust und lange haltbar.

Der Abschied vom leicht angestaubten Image der Nelke ist keine Ausnahme in diesem Herbst. Floristen und ihre Kunden entdecken zurzeit viele Klassiker wieder neu und arrangieren sie in unkomplizierten, fast schlichten Gestecken, die auf den ersten Blick vielleicht weniger kunstvoll, dafür aber umso natürlicher wirken. Schnittblumen kommen neuerdings nicht mehr nur fest gebunden, sondern oft auch ganz ungezwungen und lässig in die Vase.

So ist es auch mit der Gladiole: Die Blume mit den knalligen Blüten und ihrem hohen schlanken Wuchs erlebt zurzeit ebenfalls eine Renaissance. Je nach Sorte gibt es sie auch als zweifarbige Züchtung: etwa in mondänem Rot mit Violett oder in kräftigem Pink mit Orange. Wer es gemäßigter bevorzugt, bekommt Schmetterlingsgladiolen auch in frischem Weiß mit zartgelben Akzenten. Sie wirkten am schönsten als üppiger Strauß in Gesellschaft weiterer Gladiolen.

Die Gladiole erlebt eine Renaissance

Die Gladiole erlebt eine Renaissance.

Quelle: Pixabay

Die Japanrose (Lisianthus), eine sehr zarte und liebliche Wüstenblume aus Nordamerika, dagegen wirkt auch in einem Arrangement aus einzelnen, wenigen Blumen ausgesprochen edel. Ihre Blütenblätter sind so dünn wie Seidenpapier. Gräser wie Garten-Ruten-Hirse unterstreichen ihre filigrane Schönheit.

Tatsächlich sind Gräser ohnehin nicht länger schmückender Statist, sondern spielen auch mal die Hauptrolle auf Tischen und Kommoden. “Das ist ein Trend, der sich vom sogenannten Green Living ableitet“, sagt Klaus Wagener, ehemaliger Floristikweltmeister und Geschäftsführer des Blumenfachverlags Bloom’s in Ratingen. Die Sehnsucht der Menschen nach der Natur hat sich längst auch auf die Inneneinrichtung ausgewirkt. Dort herrschen frisches, knackiges Grün und eben zahlreiche Pflanzen vor. “Neben Blumen bekommen daher auch Blätter und Gräser eine Bedeutung“, sagt Wagener. “Besonders angesagt sind Blätter von Monstera, Aspidistra und Philodendron.“ Der Münchner Florist Markus Kastauer etwa setzt auf Eukalyptus als stilbildendes Grün in den verschiedensten Sorten, üppig arrangiert in einem schlichten Kupfertopf. Das Arrangement erfüllt den Raum zugleich mit einem frischen Duft.

Der große Exot unter den zurzeit gefragten Schnittblumen ist die Anigozanthos, die Kängurublume. Sie stammt aus Australien, ihre Blüten ähneln den Vorderpfoten ihres Namensgebers in Form und Behaarung. Und obwohl das für eine Blume nicht gerade attraktiv klingt, hat die Anigozanthos eine fast surreale und eigenwillige Schönheit. Sie blüht in Rot, Gelb, Orange und Rosa. Sie steht für Individualität und Einzigartigkeit, passt aber auch wunderbar zu Nelken.

Ausgefallene Blütenform

Ausgefallene Blütenform: die Kängurublume.

Quelle: pflanzenfreunde.de

Und wie werden die neuen Trendblumen am besten in Szene gesetzt? “Sträuße binde ich am liebsten ganz locker auf“, sagt Kastauer. “Das hat eine leichte, eher wilde Wirkung.“ Was bei jungen, trendbewussten Kunden dagegen gar nicht mehr gefragt sei, sind klassische dicht gebundene Blumensträuße, etwa Mischungen aus Rosen, Gerbera und Schleierkraut, ummantelt von Blattgrün.

Sind die Blumen als Dekoration für das eigene Zuhause gedacht, hängt viel vom Stil der Einrichtung ab. Kastauer empfiehlt für klar eingerichtete Räume mit Designermöbeln Gladiolen, Eukalyptus oder eine Kugel aus Gerbera. Wer den Landhausstil bevorzugt, liegt bei romantischen Wiesenblumen voll im Trend und kann ruhig üppiger anordnen.

Wer dagegen experimentieren möchte, greift am besten zu einem Potpourri einzelner Blumen, die dann in kleineren Vasen im Zimmer verteilt werden. Wichtig ist, dass die einzelnen Arten in ihrer Besonderheit erhalten bleiben. Denn ganz egal, ob Lisianthus, Nelke oder Gladiole – jede von ihnen will gesehen werden und die schönste Blume am Platze sein.

Von Andrea Mayer-Halm

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