Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Genuss & Leben Esst mehr Austern!
Sonntag Genuss & Leben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:26 23.12.2015
Von Daniel Behrendt
Luxushappen mit harter Schale: Die Auster konkurriert mit der heimischen Miesmuschel um einen Stammplatz im Nordseeschlick. Quelle: Shutterstock
Anzeige

Austern schlürfen für den Artenschutz? Was ungewöhnlich klingt, erweist sich mit Blick auf das Wattenmeer keineswegs als abwegig. Dort ringt die heimische Miesmuschel seit Jahren mit einem exotischen Eindringling um ihren Stammplatz im Nordseeschlick: der Pazifischen Felsenauster.

Man darf sich dieses Aufeinandertreffen getrost nach dem Vorbild "David gegen Goliath" ausmalen: Hier die elegante, mit schwarzbraun schillernder Schale versehene Miesmuschel, dort die moppelige Auster, die in ihrem groben, kalkig-schrundigen Panzer geradezu wie das Überbleibsel eines lang erloschenen Erdzeitalters anmutet – was angesichts der bereits rund 250 Millionen Jahre währenden Existenz der Auster kein falscher Eindruck ist.

Kampf der Weichtiere

Welches der beiden hart umhüllten Weichtiere den darwinistischen Daseinskampf für sich entscheiden wird, ist längst nicht ausgemacht. Für die aus den wohltemperierten Gewässern vor Japan stammende Felsenauster spricht eine stetige Erwärmung der Nordsee. Um immerhin 1,5 Grad lag die durchschnittliche Wassertemperatur 2014 über dem langjährigen Mittel. Was für Badegäste kaum der Rede wert ist – aber für die Auster das eintscheidene Tickchen Wärme mehr, um sich massenhaft fortzupflanzen (nebenbei: Austern sind wie alle Muscheln Hermaphroditen).

Die Miesmuschel wiederum kann auf den ungebrochenen Luxushunger vieler Inselurlauber bauen, besonders jener auf Sylt. Denn gleich, ob man Austern nun für eine kulinarischen Offenbarung oder einfach nur für undefinierbaren Glibber hält: Als Statussymbol machen sie – zumal von einem Gläschen Schampus begleitet – natürlich viel mehr her als "Miesmuscheln satt". Entsprechend haben die Sylter die Migrantin aus Fernost längst erfolgreich in die Inselgesellschaft integriert – und verkaufen sie unter der Bezeichnung "Sylter Royal" als eine der ihren.

Je frischer, desto besser

Wer zu knauserig ist, die Schalentiere in einem der überteuerten Terassenlokale in List, Kampen oder Westerland zu ordern, kann alternativ vor den dänischen Nachbarinseln Rømø, Mandø und Fanø zwecks Selbsternte zu geführten "Austernsafaris" aufbrechen. Das Programm beinhaltet neben einer Warenkunde und Rezepttipps praktischerweise auch einen Crashkurs im gefahrlosen Knacken der widerspenstigen Meerestiere.

Gegner der Auster verschmähen den delikaten Happen oft mit Verweis auf angebliche Geruchsbelästigung, schleimige Konsistenz oder fischigen Geschmack. Wer so spricht, hatte es offenbar nicht mit erntefrischer Ware zu tun, denn die ist von durchaus fester Konsistenz und riecht und schmeckt auf angenehm zurückhaltende Art nach Meer: leicht salzig und ein wenig nach Algen.

Meerwasser, Zitrone, Pfeffer

Klassisch genossen werden Austern mitsamt des in der Schale befindlichen Meerwassers, abgeschmeckt mit ein wenig Zitronensaft und einer Spur Pfeffer oder, wie es viele Franzosen tun, mit einer Vinaigrette aus fein gewürfelten roten Schalotten, Pfeffer und Rotweinessig.

Die US-Amerikaner, die es bekanntlich "spicy" lieben, killen den dezenten Geschmack der Luxusmuscheln schon mal beherzt mit einem Spritzer Tabasco oder Meerrettich. Doch gleich in welcher Darreichungsform – ausnahmsweise gilt für Feinschmecker und Tierschützer dasselbe: Esst mehr Austern, die Miesmuschel wird es euch danken!

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Genuss & Leben Festtagsmenü vom Spitzenkoch - Drei Gänge für ein Halleluja

Traditionell, regional, saisonal: Auch zu Weihnachten bleibt der Hamburger Spitzenkoch Thomas Sampl seiner Linie treu. Für das Fest der Feste setzt er auf alte Gemüsesorten und winterliche Gewürze, die er neu komponiert. Heraus kommt eine Trilogie mit Kürbis, Kaninchen und Kardamom.

Sophie Hilgenstock 18.12.2015
Genuss & Leben Superfood Kokosnuss - So weiß wie Schnee

Die Kokosnuss ist das neue Lieblingslebensmittel von Fitnessjüngern und Gesundheitshipstern. Vom Öl bis zum Zucker: Die Palmfrucht erlebt einen nie gekannten Boom in deutschen Küchen.

Dany Schrader 18.12.2015
Genuss & Leben Geschenkeklassiker mal anders - Socken, Schlips und Schokolade

Geschenkeklassiker müssen nicht zwangsläufig dröge sein: Mit Witz und Esprit interpretiert werden sie für Beschenkte zu echten Glücklichmachern.

18.12.2015
Anzeige