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Die neue Kaffeevielfalt

Jenseits von Latte Macchiato Die neue Kaffeevielfalt

Sie heißen Flat White, Americano oder Espresso Macchiato – und sie haben für viele das Kaffeetrinken revolutioniert. Doch was ist überhaupt das Neue an ihnen? Und wo liegen die Unterschiede? Ein wenig Kaffeesatzleserei in den Coffeebars der Welt.

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Vom Espresso Macchiato bis zur Rückkehr des Filterkaffees: Der Kult um den Kaffee nimmt kein Ende. Ein kleines Lexikon der Zubereitungsvarianten.

Quelle: Giuliano Griffante / CC BY-NC 2.0

Espresso Macchiato

Der heimliche Favorit für alle, die mit den Kaffeetrends der vergangenen Jahre längst durch sind. Für einen Espresso Macchiato wird ein normaler Espresso schlichtweg mit einem Schuss Milch und etwas Milchschaum versehen. Fertig! Böse Zungen behaupten, der kleine Koffeinkick sein nur etwas für all jene, denen ein normaler Espresso zu stark ist – und damit nichts für echte Kerle. Der Kenner aber weiß: In Wahrheit ist der Espresso Macchiato hohe Kunst.

Espresso Macchiato

Geschmackvoller Koffeinkick: Ein perfekter Espresso Macchiato ist große Kaffeekunst.

Quelle: Wil Taylor / CC BY-NC ND 2.0

Flat White

Seinen Ursprung hat der Flat White (flacher Weißer) in Australien – nun ist er auch in Europa angekommen. Derzeit schickt er sich an, in hippen Kaffeebars zwischen London und Berlin Klassiker wie Cappuccino oder Caffè Latte zu verdrängen. Der größte Unterschied: Der Flat White ist kräftiger und cremiger. Er wird zubereitet aus einem doppelten Espresso, aufgegossen mit feinporig aufgeschäumter Milch. Ein Wachmacher mit viel Geschmack.

Cappuccino

Den Deutschen wurde er in Eiscafés lange Zeit als Kaffee mit Sahne verkauft – doch inzwischen weiß man auch hierzulande längst, wie ein richtiger italienischer Cappuccino entsteht: ein Espresso, aufgefüllt mit aufgeschäumter Milch. Viele schwören aber auch auf heiße Milch, gekrönt mit einer Haube aus festem Schaum. Das soll an die Mütze der Kapuzinermönche erinnern, nach denen das Getränk benannt wurde. Kakao gehört eigentlich nicht daraufgestreut – allein die Vermischung der Crema mit der Milch soll die bräunliche Farbe ergeben.

Latte Macchiato

Das Getränk des modernen Großstädters: Während in Italien der Latte Macchiato nur zum Frühstück getrunken wird, ist er im Rest der Welt zum Inbegriff aufstrebender Yuppies und moderner Eltern geworden. Eigentlich handelt es sich dabei schlicht um heiße Milch mit Milchschaum, in die ein Espresso gegossen wird. Viele aber legen Wert auf die korrekte Schichtung: Der Espresso soll sich zwischen Milch und Milchschaum schieben. In Italien schüttelt man den Kopf über so viel Hingabe.

Bulletproof Coffee

Man muss schon einiges vertragen, um sich diesem Trend anschließen zu können: Für einen Bulletproof Coffee wird eine Tasse Filterkaffee mit je einem Löffel Butter und Kokosfett vermischt. Entstanden ist das Ganze in den USA, und es schmeckt in etwa, wie es sich anhört. Doch Fans schwören auf diese neue Form der Fettaufnahme. Sie soll satt machen für den Tag und so trotz der vermeintlich unnützen Kalorien- und Fettaufnahme beim Abnehmen helfen.

Cold Brew

Der Hit des vergangenen Jahres ist kalter Kaffee. Beim Cold Brew reicht es allerdings nicht, Omas Filterkaffee abkühlen zu lassen, das Ganze ist hohe Kunst. Es werden 200 Gramm Kaffee mit einem Liter Wasser übergossen (bei Raumtemperatur), um anschließend gut abgedeckt zwölf Stunden zu ziehen. Anschließend wird die Mischung filtriert und so zu einem Konzentrat, das man mit Eiswürfel und Wasser verdünnt kalt serviert. Der Geschmack ist dadurch deutlich intensiver, außerdem fehlt die Säure eines Filterkaffees.

Cold Brew Coffee

Perfekt für den Sommer: Kalt zubereiteter Kaffee, vornehm "Cold Brew" genannt, war der große Trend des vergangenen Jahres.

Quelle: Abi Porter / CC BY 2.0

Caffè Americano

Er ist der heimliche Star vieler Kaffeefans, denn er bringt den Geschmack voll zur Geltung: Für einen Caffè Americano wird ein doppelter Espresso mit heißem Wasser aufgegossen – fertig! Entstanden ist er als Alternative für all jene, denen Espresso in Italien zu stark war. Angeblich beklagten sich überwiegend Amerikaner darüber, was auch den Namen erklärt. Vor allem in Ländern, in denen Filterkaffee nie eine große Zeit hatte, nahm Caffè Americano schnell dessen Stellung ein – etwa in Italien, Großbritannien und Australien (wo er Long Black genannt wird).

Filterkaffee

Melitta Bentz erfand 1908 die Filtertüte, seitdem entwickelte sich das praktische Utensil rasant zum Pflichtbestandteil deutscher Küchen. Generationen haben ihren Kaffee mit der Filtermaschine zubereitet – bis Kapseln, Pads und Vollautomaten das ganze als altbacken dastehen ließen. Aber: Altbacken heißt auch retro, und retro ist immer en vogue. Dort, wo es draußen nur Kännchen gab, war er eh nie wirklich abgemeldet. Nun aber schenken selbst Starbucks und Co. wieder den Aufgebrühten aus der Tüte aus.

Von Michael Pohl

Interview mit Saša Šestić, amtierender World Barista Champion
Saša Šestić

Saša Šestić mit seiner Trophäe als World Barista Champion, den besten Kaffeezubereiter der Welt.

Quelle: onacoffee.com.au

Sie leben in Australien, einem Land, in dem in Hotelzimmern stets Wasserkocher und löslicher Kaffee stehen. Haben Sie den jemals angerührt?
Nein, ich nutze niemals Instant Coffee in Hotelzimmern. Genau genommen bringe ich immer mein mobiles Kaffeekit mit und mache mir den Kaffee selbst.

Wie macht man denn den perfekten Kaffee? Geht das überhaupt mit einer Presskanne oder einer Filtermaschine oder benötigt man dafür eine richtige Espressomaschine?
Zu Hause mag ich eigentlich gar keine Espressomaschine benutzen. Ich bevorzuge einen Filter, den Hario V60, aber in jüngster Zeit liebe ich auch meine Presskanne von Espro. Sie ist sehr einfach zu bedienen und außerdem eine gute Möglichkeit, wirklich köstlichen Kaffee zuzubereiten. Zumindest, solange man die richtige Bohne wählt, kann man auch so zu Hause die perfekte Tasse Kaffee genießen.

Was für Kaffee sollte man denn idealerweise nutzen? Bohnen, gemahlenen Kaffee, Kapseln?
Ich empfehle immer Bohnen, die nicht älter als 30 bis 35 Tage sind und erst dann gemahlen werden, wenn man sie wirklich zum Aufbrühen braucht. Ich persönlich habe bislang keinen akzeptablen Kapselkaffee getrunken – aber es soll ja immer ein erstes Mal geben.

In den Kaffeebars rund um die Welt gibt es immer neue Varianten von Kaffeegetränken, Flat White, Latte Macchiato und vieles mehr. Aber was für Sorten braucht man denn wirklich, wenn man guten Kaffee trinken möchte?
Aus meiner Sicht gibt es herzlich wenig Unterschiede zwischen einem Flat White und einem Latte und auch einem traditionellen Cappuccino. Ich glaube, wir müssten unsere Menüs mal ein bisschen vereinfachen. Stattdessen sollten wir mehr Geschmack bieten, der die Konsumenten mehr begeistert und sie auch lehrt, was wirklich guter Kaffee überhaupt ist – eher als sich immer neue Namen zu überlegen wie Cappuccino, Flat White oder Latte. Ich finde, all diese Kaffeevarianten sollten „Weißer Kaffee“ genannt werden. Wir sollten sie vielmehr aufregender machen, indem wir fruchtigere, milchbasierte Sorten servieren, auch schokoladige. Also mehr auf den Geschmack achten als auf die Namen. Es ist auch großartig, dass wir immer mehr schwarzen Kaffee anbieten. So können die Leute den echten Charakter einer Bohne schmecken. Egal, ob Filterkaffee oder Espresso, heiß oder kalt, das ist es, wo die Zukunft der Kaffeespezialitäten liegt, und das ist es, worin wir mehr Zeit und Energie investieren sollten.

Also sind die Kaffeebohnen das Wichtigste? Aus welchen Gegenden kommen denn die besten Bohnen?
Schwere Frage! Es gibt eine Menge großartiger Kaffees aus aller Welt. Die Saison ist dabei sehr von Bedeutung. Länder, die immer herausstechen bei der Qualität von Kaffee sind beispielsweise Kolumbien, Honduras, Panama, El Salvador, Äthiopien – aber die Liste ist noch lang ...

Interview von Michael Pohl

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