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Schottenbrause mit Stahlträgeraroma

Jenseits von Whisky Schottenbrause mit Stahlträgeraroma

Die Schotten sind nicht nur stolz auf ihren Whisky und ihr Bier, sondern auch auf ein jenseits der Landesgrenzen kaum bekanntes, sehr spezielles Gebräu: Irn-Bru.

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Schottische Stahlträger-Brause: Irn-Bru.

Quelle: A.G. Barr

Es gibt wenige Völker, denen so viele Klischees anhaften wie den Schotten. Sie gelten als geizige, widerspenstige und hartgesottene Inselbewohner, die immerzu karierte Röcke tragen, Baumstämme durch die Highlands werfen, in schräg klingende Dudelsäcke tröten und Unmengen an Whisky und Bier in sich hineinschütten.

Zumindest Letzteres soll an dieser Stelle einmal geradegerückt werden. Denn es gibt noch ein weiteres, außerhalb der Landesgrenzen weitgehend unbekanntes Getränk, das die Nordbriten verehren: Irn-Bru – einen abscheulichen Softdrink mit nationaler Symbolkraft.

Muffig bis metallisch

Ein Selbstversuch gehört bei jeder Schottland-Reise dazu. Ein Schluck von der orange leuchtenden Flüssigkeit dürfte für Touristen zu einem ähnlich außergewöhnlichen Geschmackserlebnis werden wie das Verkosten eines schottischen Haggis, eines mit Innereien gefüllten Schafsmagens. Bei der optisch ansprechenderen Brause erfassen Zunge und Gaumen nur langsam die erwartbaren Zitrus- und Orangenaromen. Deutlich vordergründiger entfacht der koffeinhaltige Softdrink aber einen zunächst muffigen, im Abgang schließlich metallischen Geschmack.

Kein Wunder also, dass der Glasgower Hersteller A. G. Barr sein inzwischen mehr als hundert Jahre altes Produkt lange Zeit mit dem Slogan "Made in Scotland from Girders" bewarb. Aus Stahlträgern soll es hergestellt sein. Wie lecker.

Trotz allem: Die Schotten lieben ihre Nationalbrause. So sehr, dass das Getränk im Land lange Zeit höhere Umsätze als die Produkte des Weltmarktführers Coca-Cola erzielte. Mit einem ähnlich starken Konkurrenten hat es der amerikanische Brausekonzern in keinem anderen europäischen Staat zu tun. Der Hersteller inszeniert diesen Machtkampf und nimmt in seinen provokativen Werbespots immer wieder gerne den Branchenriesen in David-gegen-Goliath-Manier aufs Korn. Den Schotten gefällt’s.

Brauchtum, Fußball, Revolte

Woher diese Zuneigung kommt? Vielleicht hat es damit zu tun, dass Irn-Bru nachgesagt wird, das allerbeste Anti-Kater-Mittel zu sein. Denn somit steht die Brause in besonderer Symbiose zu Schottlands alkoholischen Nationalgetränken. Ganz sicher ist es aber auch das widerspenstige Image, das den Inselbewohnern so sympathisch sein dürfte.

Stolz tragen daher auch die Kicker des Drittligavereins FC Queen’s Park seit vielen Jahren das Brause-Emblem auf ihrer Brust. Brauchtum, Fußball und ein bisschen Revolte – das scheint in Schottland zu reichen. Wer braucht da noch Geschmack?

In Finnland auf dem Index

Das Ausland vielleicht, denn da klappte es mit dem Erfolg der Schottenbrause bislang noch nicht. Einzig in Russland steigt die Popularität allmählich an, in einigen europäischen Ländern wie Irland, Belgien, Polen oder Spanien ist die Limo immerhin erhältlich. In anderen wie Norwegen und Finnland steht Irn-Bru indes auf dem Index, weil es staatlich nicht erlaubte Zusatzstoffe enthält.

Der mengenmäßig größte Zusatz – da steht es der Coca-Cola-Konkurrenz in nichts nach – ist übrigens Zucker. Nicht zuletzt deshalb wird dem Hersteller angekreidet, dass er am miserablen Zustand schottischer Zähne mitverantwortlich sei. Die Zahngesundheit im Land gilt seit Langem als die schlechteste in Europa.

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