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Genuss & Leben Kresse mit Karamell
Sonntag Genuss & Leben
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20:00 26.05.2017
Gesundes Kraut mit leichter Schärfe: Brunnenkresse wurde früher auch “Penicillin des Waldbachs“ genannt. Quelle: Fotolia
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Hannover

Das kleine Örtchen New Alresford in der britischen Grafschaft Hampshire hat vor einer Woche wieder groß gefeiert. Seit ein paar Jahren schon kommen viele der 6000 Bewohner und Besucher aus der Region einmal im Frühjahr zum “Brunnenkresse-Festival“ zusammen. Es klingt ein wenig wie aus einem “Monty Python“-Sketch: Neben Streetfoodwagen und Musik gab es auch einen Rezeptwettbewerb und ein Kressewettessen. Da muss man erst mal drauf kommen.

Allerdings ist Brunnenkresse – nicht zu verwechseln mit der kleinblättrigen, leicht auf Watte zu ziehenden Gartenkresse – nicht nur an der Südküste Englands zur neuen Lieblingszutat von Hobby- und Spitzenköchen avanciert. Nachdem zunächst alte Gemüsesorten wiederentdeckt worden sind, gibt es nun eine Hinwendung zu traditionellen Kräutern und Salaten, die lange in Vergessenheit geraten waren. Brunnenkresse beispielsweise schmeckt nicht nur, sondern ist auch ein seit dem Mittelalter bekanntes Heilkraut und wurde früher “Penicillin des Waldbachs“ genannt.

Die Senföle, die der Kresse ihre angenehme Schärfe geben, wirken antibiotisch, zudem enthält die Pflanze die Vitamine A, D und C sowie Kalium, Eisen und sogar Jod. Jod kommt hierzulande in der Natur nur äußerst selten vor. Eine Paste, die aus zwei Handvoll gehackter Brunnenkresse und 100 Milliliter Olivenöl zusammengemörsert wird, soll den Stoffwechsel anregen und angeblich Gichtbeschwerden lindern.

In Deutschland noch kaum bekannt

Es ist daher verwunderlich, dass Brunnenkresse hierzulande noch nicht in die Liste der “Superfoods“ aufgenommen worden ist. In Großbritannien ist sie jedes Jahr ab Mitte Mai in Supermärkten erhältlich. In Deutschland gibt es bisher nur wenige Bioläden, die die Pflanze im Angebot haben.

Wer nicht darauf warten will, bis der hiesige Handel auf die Kresse aufmerksam geworden ist, kann versuchen, sie im eigenen Garten anzubauen. Allerdings braucht sie häufig frisches Wasser. Daher raten Gartenexperten, Brunnenkresse in einen großen Tontopf zu pflanzen, in den nur bis zur Hälfte Erde gefüllt wurde. Danach sollte der Topf regelmäßig mit Wasser aufgefüllt werden.

Wer sein Glück in der freien Natur versuchen will, kann an langsam fließenden Wasserläufen oder Quellen fündig werden. Brunnenkresse, die an Bächen entlang von Straßen oder Viehweiden wächst, sollte dabei allerdings gemieden werden. Ein Merkmal des Krauts sind fleischige, gefiederte Blätter, die sich wie ein Teppich auf der Wasseroberfläche ausbreiten können.

Von Suppe bis Pesto

Am besten sollte die Kresse in einer Tüte mit Wasser nach Hause transportiert werden – wegen des Aromas. Dort sollten Blätter und Stängel noch einmal mit Leitungswasser gereinigt werden. Und dann? Sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. In New Alresford gab es in diesem Jahr mit Brunnenkresse aromatisiertes Bier, Pesto aus schwarzer Trüffel und Kresse sowie Karamellbonbons mit rotem Pfeffer und grünen Kresseblättchen.

Hierzulande steht Brunnenkresse meist als Salatdekoration auf den Speisekarten oder als frühlingshafte Suppe: Dazu werden die Blätter und Stiele in Salzwasser blanchiert, püriert und mit etwas Weißwein in Geflügel- oder Kräuterbrühe eingerührt.

Schöner Nebeneffekt: Rucola landet seltener auf den Tellern. Denn wer ihn je als Rauke im Garten hatte, weiß, dass die angebliche Spezialität aus Italien in Wahrheit ein Unkraut ist.

Von Christiane Eickmann

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