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Dim Sum auf Polnisch

Lieblingsfastfood: Piroggen Dim Sum auf Polnisch

Teigtaschen im Trend: Im Winter greift der kosmopolitische Streetfood-Fan zu herzhaften polnischen Piroggen. Die machen satt und glücklich – nur aufs Kalorienzählen sollte man vorübergehend verzichten.

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Deftig & delikat: Die polnische Pirogge ist der neue Stern am Streetfood-Himmel.

Quelle: Singer Café / CC BY 2.0

"In Polen gibt es im Grunde nur eine Soße, und die nennt sich Fett." Karol Kasierski darf so etwas sagen, denn der 34-Jährige ist nicht nur selbst gebürtiger Pole, sondern er hat vor Kurzem das "Tak Tak", den ersten polnischen Piroggen-Imbiss in Berlin eröffnet und kennt sich deshalb aus mit schwerer Kost.

Piroggen, das sind im Grunde nichts anderes als schlichte weiße Teigbrocken. Es gibt kaum ein Land auf der Welt, das sie nicht kennt. Sie heißen nur überall anders. In Italien kennt man sie als Ravioli, in Indien kommen sie als Samosa auf den Tisch. Der Chinese schwört auf Wan Tans und Dim Sums und dünstet sie im Bambuskorb. Dazu gibt es Sojasoße.

Mit Chili, Honig und Wodka-Shots

Polen dagegen mögen ihre Piroggen am liebsten mit Wodka und obendrauf eben mit Fett. Wenn vorhanden, dann verwenden sie Bratenfett. Die Idee für sein kleines Schnellrestaurant kam Kasierski auf einer Reise nach Warschau. Dort entdeckte er, dass es mittlerweile ganze Ketten gibt, die den herzhaften Klassiker für unterwegs verkaufen.

Nach Dim Sum und Co. sind polnische Piroggen derzeit die vielleicht angesagteste Fast-Food-Alternative zu Döner und Currywurst. Möglicherweise auch, weil sie noch nicht so bekannt sind. Auch wenn die Inhaber von "Pan Kowalski" derzeit beharrlich daran arbeiten, das zu ändern. Mit ihrem kleinen Streetfood-Truck reisen sie durch die Republik und verkaufen Piroggen gefüllt mit Gänseleber, Chili und Honig. Oder mit Tofu, Erbsen und Minze. Dazu gibt es Wodka-Shots. Na zdrowie – wohl bekomm’s.

Bei Kasierski dagegen ist auch der Klassiker mit Kraut und Quark im Angebot – "ansonsten würden meine polnischen Gäste sich regelmäßig beschweren", sagt er. Selbst serviert er allerdings lieber Bioqualität und die vegetarische Variante mit Hüttenkäse. Statt Wodka gab es für die 1500 Gäste zur Eröffnung Prosecco, und eigentlich ist das "Tak Tak" auch kein Imbiss, sondern ein Deli – das klingt nämlich nicht nur kosmopolitischer, sondern leitet sich von Delikatessen ab.

Trend und Tradition

Zu diesen gehören neben Piroggen vor allem Suppen. Die Mehlsuppe zum Beispiel, die es in Polen praktisch an jeder Ecke gibt und die fester Bestandteil eines jeden Festmahls ist. Im "Tak Tak" gibt es die Zurek sogar vegan, noch so ein Trend. Ebenfalls vegan – und dazu auch noch glutenfrei – ist die Barszcz Czerwony, die polnische Rote-Beete-Suppe. Die trinkt der Pole am liebsten kalt zu seinen Piroggen.

Das ist allerdings eine Ausnahme, denn ansonsten sind die Polen bekanntlich große Fleischesser. "Wenn du in Polen vegetarisch bestellst, bekommst du was mit Hühnchen", scherzt Kasierski. Polen gilt schließlich nicht ohne Grund als das Land mit dem höchsten Fleischkonsum weltweit. Piroggen werden deshalb gern auch mit Mett gefüllt. Die polnische Deftigkeit macht satt und zufrieden, vor allem im Winter. Sie gilt allerdings auch als herzinfarktgefährdend.

Kasierski sieht das nicht so eng. Trotzdem könne man ja nicht ständig mediterran essen, meint er. Und seit die Deutschen Polen als Reiseland entdeckt hätten, sei folgerichtig auch die polnische Küche im Aufwind – man dürfe eben nur keine Kalorien zählen.

Von Nora Lysk

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