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Maniok statt Süßkartoffel

Stattliche Knolle aus Afrika Maniok statt Süßkartoffel

Diese Feldfrucht hat man sich als „afrikanische Kartoffel“ eingeprägt. Ganz falsch ist das nicht, auch wenn die Knollen, die ein ganzes Stück Afrika ernähren, mit dem Kautschukbaum näher verwandt sind.

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Heiße Schulter

Viel Knolle vor der Hütte: Maniokernte in einem Dorf in Uganda.

Quelle: dpa

Abudja. Maniok. Eine vage Vorstellung, worum es sich dabei handelt, hat wohl fast jeder. Vermutlich aus der sechsten Klasse, aus dem Welt-und-Umweltkunde-Unterricht (WUK). Maniok: Diese Feldfrucht hat man sich als eine Art „afrikanische Kartoffel“ eingeprägt. Ganz falsch ist das nicht, immerhin ist Nigeria mit einer Jahresmenge von knapp 55 Millionen Tonnen mit deutlichem Abstand größter Maniokproduzent. Allerdings ist Maniok keine Verwandte der Kartoffel, obwohl bei ihm ebenfalls die Knollen verzehrt werden. Die freilich erinnern ihrer Form nach eher an Rüben und können weitaus stattlichere Ausmaße als unsere Erdäpfel erreichen – bis zu ein Meter Länge und ein Gewicht von zehn Kilogramm sind möglich. Der Maniok zählt zur großen Familie der Wolfsmilchgewächse und ist damit kulinarisch ungeeigneten Pflanzen wie dem Weihnachtsstern, dem Christusdorn und dem Kautschukbaum botanisch näher als der Kartoffel. Da Maniok sehr tolerant gegenüber Hitze und Trockenheit ist, gedeiht er selbst in unwirtlicheren Gebieten relativ gut, was seine weite Verbreitung in vielen Ländern Afrikas erklärt.

Roh sollte Maniok, der immer häufiger auch in hiesigen Welt- und Bioläden geführt wird, keineswegs verzehrt werden, denn er enthält einen besonders hohen Anteil an Linamarin, dem sogenannten Blausäureglykosid. Erst beim Kochen, Backen oder Fermentieren wird die giftige Substanz eliminiert.

Fruchtiger als die Kartoffel

Der Geschmack gekochten Manioks kommt dem einer Kartoffel nahe, ist allerdings ein wenig fruchtiger. Eine Karriere als sogenanntes Powerfood – eines Nahrungsmittels also, das besonders gesundheitsfördernd ist – dürfte die Knolle hierzulande allerdings nicht antreten. Eher als etwas pfiffigere Sättigungsbeilage, als Alternative zu Nudel, Reis, Kartoffel oder auch der auf Streetfood-Festivals inzwischen allzu überstrapazierten Süßkartoffel, mit der er es der Maniok in puncto Süße durchaus aufnehmen kann. Die Knolle Afrikas ist mit einem Kohlenhydratanteil von rund 30 Prozent ein noch besser Sattmacher als die Kartoffel (etwa 15 Prozent), aber definitiv nicht für Low-Carb-Jünger. Vitamine (vor allem Vitamin C) und Mineralstoffe (vor allem Kalium) hat Maniok auch zu bieten – ohne allerdings damit zu protzen.

In der Küche taugt Maniok vor allem für Bodenständiges oder als vielseitiger Assistent: Maniokmehl ersetzt beim Backen Getreidemehl, Maniokstärke (Tapioka) taugt als Soßenbinder und gestifteter, in heißem Öl frittierter Maniok ergibt famose Pommes.

Wer es hingegen ein wenig feiner mag, kredenzt seinen Gästen anspruchsvollere Kreationen wie etwa Garnelen in Kokossoße auf Maniokpüree. Das ist im Grunde auch nur eine Spielart des bewährten Kartoffelstampfs mit edlem Topping – schindet bei erprobten Foodies aber weit mehr Eindruck.

Von Daniel Behrendt/RND

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