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Genuss & Leben Der Speck von morgen
Sonntag Genuss & Leben
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03:43 16.01.2016
Von Stephan Fuhrer
Gesund und vielseitiger als gedacht: Algen mausern sich zum neuen Wunderlebensmittel. Quelle: Amber Karnes CC BY NC-ND 2.0
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In der Geschichte der Menschheit hat der Zufall schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Isaac Newton erkannte die Schwerkraft, als er unter einem Apfelbaum lag und eine Frucht herunterfiel. Das Penizillin wurde entdeckt, weil Alexander Fleming vergessen hatte, ein Laborglas mit Erregern zu schließen.

Und der Meeresbiologe Chris Langdon warf die Rotalgen, die er eigentlich als Futter für eine bedrohte Meeresschneckenart gezüchtet hatte, einfach mal so in die Pfanne. Ergebnis: Das gebrutzelte Meeresgemüse schmeckte nach Frühstücksspeck. Schwein gehabt!

Es muss nicht immer Sushi sein

Sicher, die Entdeckung des US-Forschers klingt erst mal nicht nach großer Weltveränderung, aber wer weiß: Vielleicht beginnt mit ihr eine Ernährungsrevolution. Schließlich werden Lebensmittel weltweit immer knapper. Warum sollte man nicht auf etwas setzen, das auf engstem Raum rasend schnell wächst?

In Asien gelten Algen lange schon als Delikatesse. Auch in Europa kommen viele Menschen langsam auf den Geschmack. Und wenn das schleimige Gewächs dann auch noch das Zeug zum Speckersatz hat, dürfte das auch so manchen ethisch geleiteten Fleischverweigerer freuen.

Dabei muss es gar nicht immer Sushi sein, der japanische Klassiker, bei dem die Zutaten gerne mit einem Nori-Blatt, einer Rotalgenart zusammengehalten werden. An Deutschlands Küsten werden beispielsweise Braunalgen immer beliebter, die sich in kochendem Wasser leuchtend grün verfärben. Die Konsistenz ist danach fein und zart, was die Köche auf Sylt oder Rügen freut: endlich mal wieder was Neues. Und es wächst auch noch direkt vor der Restauranttür.

Als Zusatz längst alltäglich

Die Wasserpflanzen werden meist Salaten beigefügt oder zum Fischteller gereicht. Doch der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ob als Algenroulade mit Hackfleischfüllung oder zu Spaghetti – das salzige Grünzeug, das auch im normalen Handel erhältlich ist, überrascht. Dabei sind Algen in unserer Nahrung längst alltäglich. Das daraus gewonnene Carrageen bindet und verdickt Joghurts, Eiscremes oder Marmeladen. Auf Lebensmittelverpackungen finden wir es mit der Kennzeichnung E 407.   

Wenn es nach dem Willen einiger Ernährungswissenschaftler geht, sollten Algen häufiger auf dem Teller landen. Das Meeresgemüse gilt als besonders kalorienarm. Dazu enthalten die Pflanzen jede Menge Mineralien, Vitamine und Spurenelemente. Allerdings kann der Jodgehalt Menschen zu schaffen machen, die an Schilddrüsenüberfunktion leiden.

Schwächen in der Konsistenz

Doch auch dafür gibt es eine Lösung. In Zuchtbetrieben wie einer Sylter Algenfarm oder der Anlage von Forscher Langdon im US-Bundesstaat Oregon kann der Jodgehalt der Pflanzen verringert werden. Weitere Probleme aber bleiben. Bei Geschmackstests der Speckalge "Dulse" zeigten sich zwar viele Probanden überrascht von dem offensichtlichen Bacon-Aroma, doch missfiel den meisten auch die etwas labbrige Konsistenz.

Doch mit der Zeit werden experimentierfreudige Köche sicher einen Weg finden, das leckere Meeresgemüse auch noch ordentlich knusprig zu machen wie sein Pendant aus der Schweineschwarte. Und vielleicht wird dabei ja auch der Zufall wieder ein bisschen mithelfen.

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