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Zarte Aussichten

Die Farben des Jahres Zarte Aussichten

Das wird ein blasses, geradezu weichgespültes Jahr. Kreischige Farben und knallige Neontöne haben 2016 (endgültig) ausgedient. Glaubt man den Experten der amerikanischen Farbfirma Pantone, regieren ab sofort Zartrosa und Hellblau unsere Welt.

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"Serenity" und "Rose Quartz": Die Farbexperten von Pantone sehen für 2016 zwei Pastelltöne ganz vorn.

Quelle: Pantone

Der Kontrast zum erdigen, schweren Weinrot mit dem Namen Marsala, das 2015 das Maß aller (Farb-)Dinge war, könnte größer kaum sein: Die neuen zarten Pastelltöne sind wahre Seelenstreichler. Der luftige Blauton Serenity kühlt das Gemüt, das sanfte Rose Quartz wärmt das Herz – in einer Welt voller Terror, Tragödien und tagtäglicher Turbulenzen sei das die logische farbliche Konsequenz, erklären die Couleurspezialisten.

"Während immer mehr Konsumenten nach Achtsamkeit und Entspannung als Gegenpol zum Stress des modernen Lebens suchen, rücken Farben in den Vordergrund, die psychologisch Ruhe und Sicherheit vermitteln", heißt es in ihrer Begründung.

Hoffnungsfroh oder hoffnungslos naiv?

Blaues Wunder trifft auf rosige Zeiten – auf den ersten Blick stimmt die Farbwelt des just angebrochenen Jahres hoffnungsfroh. Dann wieder wirkt sie wie die naive Flucht aus der Realität. "Serenity hat tröstende, beruhigende Effekte und verleiht das Gefühl einer Atempause, selbst in unruhigen Zeiten", sagt Pantone-Chefdesignerin Leatrice Eiseman. Das blasse Blau stehe für die Weite des Himmels, die Schwerelosigkeit im Weltraum, aber auch für Abgeklärtheit, Gelassenheit und heitere Gemütsruhe im Allgemeinen.

Rose Quartz wiederum erinnere an einen friedlichen Sonnenuntergang, an knospende Blumen oder errötende Wangen. "Das blasse Rosa ist ein überzeugender, aber leiser Farbton, der Mitgefühl übermittelt und ein Gefühl von Entspanntheit und Haltung", sagt Eiseman. Vor allem aber zusammen wird ein Schuh daraus: Balance heißt das Zauberwort, das den Mix aus beiden Tönen dirigiert. Der Farbverlauf, in dem Zartrosa und Babyblau ineinander übergehen, setze ein Statement in Sachen ­Geschlechtergleichheit, argumentieren die Trendexperten.

Geschlechtergrenzen verschwimmen

Das Verschwimmen von Geschlechtergrenzen ist dabei nur eines der Dinge, die sich bereits in der Mode widerspiegeln. Auch die Zurückgenommenheit, des beinahe Insichgekehrtseins der Farbtöne, lässt sich zusehends beobachten. Nach dem Motto: Angesagt ist, was in jeder Lebenslage harmonisiert, was sowohl Freiheit als auch Geborgenheit symbolisiert, greifen die Designer immer häufiger zu zarten, klaren Kolorierungen.

Willkürlich bestimmt haben Eiseman und ihr Team die Trendfarben am Ende also nicht. Ihre Prophezeiung ist ein kompliziertes Destillat aus Stimmungen, Lebenseinstellungen und Laufstegbeobachtungen. "Wir versuchen, den Zeitgeist zu treffen", erklärt Eiseman. Vielleicht ist es auch umgekehrt – und der Zeitgeist folgt den Trends? Die Empfehlung des weltberühmten Farbinstituts gilt schließlich als stilbildend in der gesamten Designindustrie.

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