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American Wildschwein

Im Saustall mit Uwe Janssen American Wildschwein

Im Gegensatz zum geheimnisumwehten Wolf ist das Wildschwein hierzulande weit verbreitet, sorgt jedoch nur selten für Schlagzeilen. Das ist eigentlich eine Sauerei.

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Ungebunden und frei, aber trotzdem mit Imageproblem: Das Wildschwein wird oft missverstanden.

Quelle: Fotolia

Hannover. In der Kleinstadt Heide in Schleswig-Holstein haben zwei Wildschweine neulich für Aufregung gesorgt. Sie rannten in die Stadt und stürmten unter anderem ein Optikergeschäft und eine Sparkassenfiliale. Wildschweine beim Optiker? Warum nicht? Bevor man im Wald ständig gegen den Baum rennt, lieber mal nachrüsten. Vielleicht sogar Gleitsicht, das kann auch bei der Nahrungssuche nicht schaden.

Aber das muss am Ende der Optiker entscheiden – und sich auch nicht zu schade sein, dem seltenen Kunden modisch eine Auswahl anzubieten. Schließlich steht das “Wild“ im Schwein aus Schweinesicht nicht für unkultiviert, sondern für ungebunden und frei. Aber das Schwein ist nun mal ein Schwein, das ist ein Imagepro-blem, nicht nur in der Optikerbranche.

Windjacken und Autostädte

Aus Sicht des Tiers verhält sich der Mensch zum Schwein wie eine Sau. Entweder isst er es auf, oder er rennt weg. Dabei haben die Wildschweine in Heide einfach rumgegrunzt und ein paar Leute erschreckt. Das machen Jugendliche jedes Wochenende, ohne dass das jedes Mal in der Zeitung steht.

Oder nehmen wir den Wolf zum Vergleich. Sorgt nach seinem Comeback ständig irgendwo für Ärger, aber wird als scheuer, edler Ritter verehrt, der ja irgendwie auch nichts dafür kann. Sogar Windjacken und Autostädte werden nach ihm benannt, es werden Märchen erzählt und Kultfilme gedreht, in denen sich der Wolf als geheimnisvoller, nachtaktiver Verwandlungskünstler zeigt.

Frauen in Führungspositionen

Wäre John Landis auf die Idee gekommen, “American Wildschwein“ zu drehen? Oder die Brüder Grimm auf “Rotkäppchen und der geile Keiler“? Niemals! Dabei hat das Wildschwein einen coolen englischen Namen: “Boar“! Boar, ey! Warum tragen wir keine Regenjacken von “Jack Boarskin“? Outboar-Fashion? Für Schweinewetter?

Ganz zu schweigen von der feinen Nase, dem ausgeprägten Familiensinn und der frühen Einführung von Frauen in Führungspositionen, da ist das Wildschwein ganz vorn dabei im Wald. Aber der Wolf hat die Lobby und die Schlagzeilen. Aber beim Optiker war er noch nicht. Nimm das, Isegrim!

Von Uwe Janssen

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