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Antanzen? Anwürfeln!

Lernen von den Achtzigern mit Uwe Janssen Antanzen? Anwürfeln!

Die Achtziger tragen dank Ballonseide, Brettfrisuren und BAP eine Art ewiges Trashetikett, das sie nicht mehr loswerden. Doch es war nicht alles schlecht!

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Nerd-Liebling damals wie heute: Der Zauberwürfel des Herrn Rubik taugte in den Achtzigern sogar zum Beeindrucken von Frauen.

Quelle: dpa-Zentralbild

Hannover. Die Achtzigerjahre sind unterschätzt. Das hat mit Don Johnson zu tun, mit Halbarmstrickpullovern, mit “Last Christmas“ und Neondiscos, in denen Frauen aufpassen mussten, dass ihre Brettfrisuren zwischen den heißen Röhren keine Funken schlugen. Das hat den Achtzigerjahren eine Art ewiges Trashetikett verpasst, das sie nicht mehr loswerden. Kleine Ernsthaftigkeiten bleiben da leicht auf der Strecke.

Zum Beispiel, dass eigentlich die teilzeitstudierende Wollsockenfraktion an deutschen Hochschulen und BAP den Kalten Krieg in Grund und Boden gesungen haben, der sich genau über ihrem Kopf in einen heißen zu verwandeln drohte.

Jeansjacke trifft Ballonseide

Dass die Maueröffnung auch in diese Gruselachtziger fällt und an der Grenze bei Helmstedt Jeansjacke und Ballonseide vereinte, aus der dann später Michael Ballack hervorging, steht so auch in keinem Geschichtsbuch. Und dass im Westen genauso viele Menschen “Am Fenster“ gehört haben wie in der DDR Barclay James Harvest. Und dass der Zauberwürfel von Herrn Rubik eigentlich der Vorläufer des Smartphones war, jedenfalls was die Laternenmastunfälle gedankenversunkener Menschen betrifft.

Jeder, der in den Achtzigern Ohren hatte, kann sich an das Quietschgeräusch des Plastikwürfels erinnern. Das rief die Checker auf den Plan. Was beim Smartphone Apps und Gadgets sind, waren beim Zauberwürfel die Möglichkeiten, ihn leiser und schneller zu machen. Das ging mit Butter, Öl, giftigen Schmierstoffen sowie Frei-ab-18-Substanzen – für Einsteiger, die jeden Mist glaubten.

Mit Logik rumgekriegt

Interessant war das Schnellermachen ausschließlich für Menschen, die den Würfel lösen konnten und denen nur wichtig war, in welcher Zeit. Wer zu doof zum Lösen war, konnte weiter mit dem ungeölten Quietschkasten arbeiten. Womit niemand wirklich zu beeindrucken war.

Es bleibt eine der großen Mysterien dieser Dekade, warum junge Männer mit der Fertigstellung eines leichtgängigen bunten Spielzeugs Frauen aufgerissen haben. Nicht angetanzt. Angewürfelt. Und dann mit Logik rumgekriegt. Das hatte in den Discos der Siebzigerjahre mit Kreuzworträtseln nie geklappt. Man war wohl einfach nicht hartnäckig genug. Nächste Singleparty – einfach mal Sudoku einstecken.

Von Uwe Janssen

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