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Der Wurst Case

Einkaufsberatung mit Imre Grimm Der Wurst Case

Ein Umzug aufs Land kann sich ausgesprochen positiv auswirken, besonders für Familien mit Kindern. Zum einen ist dort üblicherweise mehr Platz, zum anderen lässt sich durch die üppigeren Dreingaben beim Einkaufen jede Menge Geld sparen.

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Gratismahlzeit: Die Dicke von kostenlosen Wurstscheiben für Kinder wächst proportional mit dem Abstand zum Stadtzentrum.

Quelle: iStock

Die Politik hat das Füllhorn ihrer Güte über uns ausgeschüttet. Es gibt zwei Euro mehr Kindergeld im Monat. Und jetzt der Hammer: pro Kind! Ich weiß: Für viele Menschen sind zwei Euro heutzutage doppelt so viel Geld wie ein Euro.

Aber ich habe das mal hochgerechnet: Für unseren Haushalt bedeutet die milde Gabe vier Euro mehr im Monat. Das ist fast ein Megabyte Datenvolumen bei der Telekom! Ich habe als Haushaltsvorstand unverzüglich entschieden, die Kinder nicht in unbotmäßigem Luxus schwelgen zu lassen, sondern sie weiterhin so zu ernähren wie bisher auch: durch kostenlose Dreingaben beim Einkaufen.

Horn statt Hörnchen

Wir wohnen jetzt auf dem Land. Was wir nicht wussten: Mit zunehmendem Abstand zur Stadtmitte wächst die durchschnittliche Dicke der Scheibe Wurst, die es beim Schlachter auf die Faust gibt. Im Zentrum säbeln dürre Veganerinnen mit einem fabrikneuen Skalpell ein durchsichtiges Vier-Gramm-Mortadellablättchen herunter.

Hier in der Vorstadt brechen Vierjährige unter der Last kostenloser Fleischware zusammen, während die robuste Thekenfachkraft brüllt: "Hömma Jung! Du bist ja so dünn, dich müssense ja beim Staubsaugen anschnallen!"

Dann geht’s zum Bäcker. Die Hörnchen dort heißen Horn, und zwar völlig zu Recht. Ein Horn und du bist vier Tage satt. Abschließend hält die Apotheke genügend kostenlosen Traubenzucker bereit, damit die Kinder bis zum späten Abend um die Lampe kreisen. Dort können sie den sieben Luftballons aus dem Schuhgeschäft Gesellschaft leisten, während sie die 200 Gummibärchen vom Augenarzt verdauen.

Wirtschaft zum Anfassen

Ich fasse zusammen: Ein Zug durch die Gemeinde, und die Kinder sind für diese Woche satt. Nur dass es in der Sparkasse Bonbons gab und kein kostenloses Geld – das hat meinen Sohn (4) enttäuscht. Er hat beschlossen, die Bonbons zu verkaufen.

Im Geiste gratulierte ich ihm dazu, das Prinzip der Weltwirtschaft verstanden zu haben: Dinge teuer zu verkaufen, die dich selbst nichts gekostet haben. Ich kaufte ihm die Bonbons für zwei Euro ab. Die hatte ich kürzlich selbst günstig erstanden. So fügt sich alles. Schönes Wochenende!

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