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Des Mannes teurer Hintern

Stilberatung mit Uwe Janssen Des Mannes teurer Hintern

Das typische Männerportemonnaie ist weniger modisches Accessoire als aus allen Nähten platzendes Sammelbecken für allerlei Unnützes. Woran liegt das nur? Was findet man darin? Und was sagt es über die Träger aus?

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Ein Paradebeispiel für das deutsche Durchschnitts-Männerportemonnaie: Dick, verbeult, abgerockt und seinem Träger oft nicht ganz unähnlich.

Woran erkennt man den deutschen Mann? Außer an seinem Fußballverein, seiner Lieblingsbiermarke, seinem ungezwungenen Verhältnis zu weißen Tennissocken in braunen Schnallensandalen und der Neigung, Zahnbürsten mehr zur Reinigung der Sitzpolsterritzen seines Fahrzeugs zu nutzen als zur Pflege seiner Zähne? Woran also? Genau, am Portemonnaie in der Gesäßtasche.

Auch das hat etwas mit Neigung zu tun, einer seitlichen, je nachdem, ob er Links- oder Rechtsträger ist. Denn ein echtes Männerportemonnaie ist keine schlanke, elegante Geldbörse, die der Besitzer mit schlanken Fingern geschmeidig aus der Manteltasche zieht. Das deutsche Männerportemonnaie ist dick, verbeult und abgerockt, manchmal genau wie sein Träger, und es weitet die Gesäßtasche so, dass auch 1,5 Liter Fanta reinpassen, mit und ohne Flasche.

Geld ist auch drin

Eine Hose ohne Gesäßtaschen ist für den deutschen Mann keine Hose. Vorne geht nicht, da ist schon das Smartphone drin. Und links Smartphone, rechts Geldbörse sieht aus wie ein Elefant mit Mumps.

Das exorbitante Ausmaß des Portemonnaies hängt vor allem damit zusammen, dass der Mann ihm eine All-in-one-Funktion zugedacht hat. Geld ist auch drin, vor allem Rückgeldmünzen mit einer unübersehbaren Wert-Volumen-Schere, anders gesagt: Fetter Arsch für 99 Cent. Einmal im Monat, wenn die Tasche zu platzen droht, kauft der deutsche Mann sich ein Snickers mit Ein- und Zwei-Cent-Münzen.

Zettel über Zettel

Ansonsten finden sich in einem Fach der Geldbörse die zehn unentbehrlichsten Plastikkarten inklusive Payback, Packstation, Kantine, Dauerkarte Unterrang und Ikea-Family-Card, falls man mal spontan ein Bett kaufen muss. Dazu Führerschein, Perso, optional Blutspendeausweis, polizeiliches Führungszeugnis, fremde und eigene Visitenkarten.

Dazu Zettel. Irgendwelche Zettel. Kassenzettel, Kartenzahlungsbelege oder nicht mehr identifizierbare, die man sich irgendwann aus irgendeinem Grund irgendwo eingesteckt hat, weil man dachte ... Vielleicht sollte man einfach nicht so viel denken. Dann ist der Hintern auch schlanker. Wenigstens rechts oder links. 

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