Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 16 ° Regenschauer

Navigation:
Ein echter Klopfer

Vogelkunde mit Uwe Janssen Ein echter Klopfer

Achtung, Hackerangriff: Keiner klopft ausdauernder und nachhaltiger als der Specht, dieses buntgefiederte Wunderwerk der Natur. Inzwischen wurde sogar ein Versicherungsfall nach ihm benannt.

Voriger Artikel
Meine Geschäftsidee
Nächster Artikel
Born to be Wald

Er klopft und klopft und klopft: Der Specht hat genau eine Superkraft – und er schreckt nicht davor zurück, sie auch an frisch verputzten Fassaden zu benutzen.

Quelle: Tareq Uddin Ahmed / CC BY 2.0

Frage des Tages: Warum wird dem Specht nie schlecht? Antwort: Weil er dem Menschen überlegen ist. Zumindest in seiner Spezialdisziplin. Klopfen. Natürlich klopft auch der Mensch gelegentlich, aber nur einmal, vielleicht zweimal, bevor er reinkommt. Der Specht klopft 20-mal. In der Sekunde. Mit dem Schnabel. Und alles ohne Kopfschmerzen.

Weil das Gehirn fest in der Birne sitzt und nicht herumschaukelt wie beim Menschen. Der allerdings auch nicht mit dem Kopf klopft, von ein paar weißrussischen Gewichthebern vor dem Wettkampf einmal abgesehen. Das mit dem festen Spechthirn ist toll, hat aber auch Nachteile.

Beklopft wird, was hohl klingt

Denn der Specht ist nicht nur ein hübscher Hacker, sondern auch flugfaul, schlecht zu Fuß, stur und ein bisschen doof. Bester Beweis: Er kann einen Baum nicht zweifelsfrei von einer Wand unterscheiden, was man weißrussischen Gewichthebern auch nach einer langen Karriere immer noch zutrauen würde.

Die Kriterien hölzern, rund, oben grün mögen für den Menschen bei der Bestimmung von Bäumen eine Rolle spielen, für den Specht nicht. Für den Specht ist etwas ein Baum und somit klopfwürdig, wenn es irgendwie hohl klingt. Eine Putzfassade mit einer Wärmedämmung drunter erfüllt diese Bedingungen, der Specht deutet die Kombination als Rinde und Stamm und nagelt in der Hoffnung auf schmackhafte Insekten los.

Ritterschlag Spechtschaden

Das Einsehen von Irrtümern ist des Spechtes Sache nicht, deshalb hackt er und hackt er. Kopfschmerzen kriegt er ja nicht. Nur Hunger. Mit dieser Strategie hat der Specht es mittlerweile in das Regulierungsprogramm von Gebäudeversicherern geschafft, der sogenannte Spechtschaden ist ein Ritterschlag für den harthirnigen Meißelkönig. Damit kann er in Tierkreisen richtig auf den Putz hauen.

Was kann der Hausbesitzer tun? Er kann sich einen Uhu an seine Wand malen, empfiehlt beispielsweise das Bauordnungsreferat der Stadt München. Oder zwei oder drei Uhus. Es könnte allerdings sein, dass ein Spechtloch das kleinere Übel ist, je nach künstlerischen Fähigkeiten des Hausbesitzers. Könnte aber auch sein, dass sich der Specht einfach totlacht. Oder totlocht.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kolumnen