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Einen an der Waffe

Konsumkritik von Imre Grimm Einen an der Waffe

Auch wenn hierzulande noch keine amerikanischen Verhältnisse in Bezug auf Bürgerbewaffnung herrschen, kann friedliebenden Menschen ob des anscheinenden Ansturms auf Gaspistolen und Pfefferspray schon mal mulmig werden. Manchmal reicht dafür aber auch schon ein Besuch im Spielwarenladen.

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Es wird aufgerüstet: Die Welt da draußen ist böse, findet die Selbstverteidigungslobby – und macht auch vor dem Spielwarenbusiness nicht halt.

Quelle: Will Richards / CC BY-NC 2.0

Guten Tag, mein Name ist Grimm. Ich ernähre mich überwiegend von den Pommes zwischen meinen Autositzen und leide an chronischem Pazifismus. Das ist nicht schlimm, kann im Alltag aber lästig werden. Ich hasse es, wenn irgendwo irgendwas zu platzen droht. Luftballons. Patronen. Termine. (Hat da jemand "Bäuche" gesagt?)

Das Virus des Pazifismus infizierte mich möglicherweise während meiner Wattebäuschchenphase als Waldorfschüler. Ich nenne es meine "maue Periode". Man kann mit Waldorfschülern keinen Krieg gewinnen, aber wunderbar in Frieden leben.

Waffen für den Fasching

Jedenfalls war ich kürzlich aufgerufen, meinen Sohn zu bewaffnen. Es ist nicht so, dass er in den Krieg zieht. Ich glaube, so weit sind selbst Bundeswehrsoldaten noch nicht, dass sie sich lieber direkt von ihren Eltern bewaffnen lassen, statt auf Ursula von der Leyens zusammengelötete Panzer und auf wurmstichige Gewehre zu vertrauen, aus denen im Ernstfall eine "Peng!"-Flagge poppt. Mein Sohn ist vier Jahre alt. Er zieht in den Fasching.

Er geht als Polizist. Das ist zu begrüßen. Er sorgt auch zu Hause gern für die Einhaltung von Gesetzen, vor allem, wenn seine kleine Schwester Lego-Autos klaut. Ein Polizist aber braucht eine Waffe. So habe ich mir gegen innere Widerstände einen Überblick über das Angebot auf dem Markt für legale Kinderbewaffnung verschafft.

Handgranaten mit Altersbeschränkung

Der Fachhandel hält diverse Schrecklichkeiten bereit – bis hin zum Raketenwerfer (!) für Kinder mit "abfeuerbarem Geschosskopf" für "cooles Actionfeeling". Unter einer Handgranate für 3 Euro fand sich freundlicherweise ein Warnhinweis: "Achtung: Nicht für Kinder unter 36 Monaten geeignet".

Man liest gerade allerorten, dass sich das Land mit Gaspistolen und Pfefferspray bewaffnet. Aber was sind das für Menschen, die Kleinkinder mit Handgranaten an das Thema Weichzielvernichtung heranführen? Die haben doch einen an der Waffe.

Ich kaufte dann die klitzekleinste Pistole, derer ich habhaft werden konnte. Es geht schließlich um die Glaubwürdigkeit. Und ich hoffe inständig, dass das Kind im kommenden Jahr nicht als Navy Seal gehen will. Ansonsten handele ich es herunter. Auf Blumenhändler. Oder Waldorfschüler. Schönes Wochenende!

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