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Football ist unser Leben

Sportschau mit Imre Grimm Football ist unser Leben

Der Super Bowl ist eins der größten Sportspektakel überhaupt – mit der Betonung auf Spektakel. Und da es zur Zeit nun mal keine ernstzunehmenden Alternativen für den sportlichen Fernsehabend gibt, kann man der Sause ja mal eine Chance geben. Und sei es nur, um sich zu wundern.

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Viel Werbung, viel Spektakel und ein bißchen Sport: Imre Grimm hat versucht, sich vom Super Bowl-Fieber anstecken zu lassen.

Quelle: Thomas Hawk / CC BY NC 2.0

Ich habe neulich Super Bowl geguckt. Warum, weiß ich nicht mehr genau. American Football ist, was früher Pokern war, dann Darts und neulich Handball: eine Lebensabschnittssportart für semiinteressierte Männerrunden, die auf die Fußball-EM warten. Was soll’s – so sind wir für ein paar Stunden von der Straße.

Die Football-Regeln sind verwirrend. Es genügt aber, wenn man sich merkt: Egal, was passiert – es ist DER!!! ABSOLUTE!!! WAHNSINN!!! Das liegt daran, dass nicht viel passiert. Jedenfalls nicht auf dem Feld. Es wird viel herumgestanden.

Patrioten und Pyrotechnik

Das meiste beim Football passiert außerhalb des Feldes. Düsenjets mit farbigem Auspuff. Brathähnchenfarbene Tänzerinnen. Weinende Patrioten. Viel Pyrotechnik. Im Grunde ist es wie bei einer römischen Orgie, nur ohne Weintrauben. Ich glaube, wenn Donald Trump US-Präsident wird, sieht jede Baumarkteröffnung aus wie der Super Bowl.

Lady Gaga trat auch auf, in einem roten Hosenanzug mit Betonfrisur. Sie sah aus wie die "Halloween Edition" von Ursula von der Leyen, sang sehr schön laut die amerikanische Hymne und kannte sogar den Text.

Dann traten eine Blondine in Unterwäsche, ein offensiv grinsender Holzfällertyp und ein kleiner Südländer mit Dreitagebart auf. Im ersten Moment dachte ich, Sophia Wollersheim, Jürgen Milski und Menderes aus dem Dschungelcamp hätten gut verhandelt. Es waren dann aber doch Beyoncé, Chris Martin von Coldplay und Bruno Mars.

Elf Minuten Sport

Ein paar Männer haben dann zwischen den Werbepausen auch kurz Football gespielt. Ich habe gelesen, dass von 60 Minuten Spielzeit etwa elf wirklich gespielt werden. Der Rest besteht aus dekorativem Herumstehen, kühn Gucken und Warten, dass die Mädchen Interesse entwickeln. Im Prinzip ist es, als wenn ein Teenager sein Zimmer aufräumt. Bloß dass die Mädchen im Fall von Footballern aus Gründen, die zu verstehen ich aufgegeben habe, ziemlich schnell Interesse entwickeln.

Damit die anderen Jungs nicht traurig sind, haben die Amerikaner die Cheerleaderinnen erfunden. So ist für jeden gesorgt. Am Ende bin ich leider eingeschlafen. Noch 111 Tage bis zur Fußball-EM. Schönes Wochenende!

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