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Das Erfolgstrio

Gewinnertypen unter sich Das Erfolgstrio

Man soll nur in Schlachten ziehen, die man gewinnen kann: Eine echte Herausforderung in Zeiten, in denen der maßlose Wettbewerb das Maß aller Dinge ist.

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Es ist nicht leicht, ein Siegertyp zu sein.

Quelle: John Haslam / flickr / CC BY 2.0

Echte Gewinnertypen besitzen einen Oscar, einen Grammy, einen Pulitzer-Preis oder wenigstens einen "Recall"-Zettel von Dieter Bohlen. Mein größter persönlicher Erfolg ist der erste Platz beim Lokführer-Reaktionstest der Deutschen Bundesbahn auf einer Hausfrauenmesse 1984 (Applaus bitte!). Preis: ein Lutscher. Ich war elf. Man musste irgendwelche bunten Lichter drücken. Das konnte ich. Ich bin quasi ein begabter Reaktionär. Ansonsten ist das Kompetitive nicht so meins.

Brustbeutel statt "Business Punk"

Wenn ich im "Business Punk" vom "schnellen, harten Leben, das hinter dem Business tobt" lese, habe ich immer das unbestimmte Gefühl, duschen zu müssen. Mein zweitgrößter Welterfolg ist der zweite Platz beim Schülergedichtwettbewerb der DAK – mit einem Opus, das mit folgenden Eröffnungszeilen Eingang in den Olymp der Lyrik begehrte: "Es tritt aus seines Hauses Tür / Herr Johann Wilhelm Berg herfür." Das ist die Fortsetzung des Brustbeutels mit den Mitteln der Poesie. Bei der Preisverleihung trug ich einen Elchpullover. Das ist die Fortsetzung des Brustbeutels mit den Mitteln des Elchpullovers.

In meinem sozialen Umfeld sind Welterfolge insgesamt dünn gesät. Eine liebe Kollegin hat bei einer "Schwere Jungs und leichte Mädchen"-Geburtstagsmottoparty unter Polizisten den ersten Platz als Amy Winehouse belegt. Ein weiterer siegte beim Tui-Kinder-Boccia-Turnier 1982 am Goldstrand in Bulgarien (immerhin: Goldstrand). Nennen Sie uns ruhig ein Erfolgstrio. Im US-College-System hätten wir keine zwei Tage überlebt. Kaum hätte der Football-Captain "Buh!" gerufen, lägen wir in Embryonalstellung unterm Bett.

Schlagabtausch um Mitternacht

Dabei ist Wettbewerb in Maßen natürlich etwas Gutes – genau wie Veganismus, Twitter und Verwandtenbesuch. Das Problem ist nur, dass "Wettbewerb" und "in Maßen" einander ausschließen. Wettbewerb kennt kein Maß, sonst wäre er keiner. Man kann nicht mit gebremstem Schaum siegen wollen. Wenn Muhammad Ali mit halber Kraft geboxt hätte, wäre er Schildermaler in Louisville (Kentucky) geworden. Der Trick ist, nur in Schlachten zu ziehen, die man gewinnen kann. Falls da draußen also jemand behauptet, im Lokführer-Reaktionstest schneller zu sein als ich: Wir treffen uns um Mitternacht hinter der Kapelle. Der Sieger bekommt einen Lutscher. Schönes Wochenende!

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