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Grauenhaftes Schwarz-Weiß

Werbeversprechen mit Uwe Janssen Grauenhaftes Schwarz-Weiß

Was einst die Weißheit von Wäsche war, ist heute der Schwarzwert von Fernsehern – beides wird zumindest laut der Werbung immer großartiger, beides lässt den Anwender an seiner Sehkraft zweifeln.

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Mit der Weisheit am Ende: Wie weiß ist so weiß, dass es nicht mehr weißer geht?

Quelle: iStockphoto

Hannover. Werbung ist schlau. Sie hat Männern glaubhaft vermittelt, dass ein Rasierapparat immer besser wird, je mehr Klingen er hat, je mehr Bayernspieler sich mit ihm rasieren und je mehr Euro er kostet.

Die Werbung pries vor Jahrzehnten schon die Waschkraft eines Waschpulvers mit den Worten “Weißer geht’s nicht!“. Was bei Buntwäsche schon mal kein Kriterium oder zumindest kein gewünschtes Ergebnis ist. Aber es wurde immer wieder und “jetzt noch weißer“, was im Umkehrschluss heißt, dass es zuvor unweißer war – bis hin in ein mittleres Grau, rein logisch betrachtet.

So weiß wie immer

Doch das sagt in der schlauen Werbung niemand. Als die Weiterweißung vor Jahren dann sprachlich gedeckelt wurde, weil es ja nicht mehr weißer ging, mussten neue Weißheiten her: superweiß, megaweiß, turboweiß, ultraweiß.

Die Werbung weißt immer weiter, bis in einen Bereich hinein, den das menschliche Auge nicht mehr erkennen kann, aber das menschliche Portemonnaie trotzdem erreicht. Längst müsste man sich von ultraweißen Businesshemden geblendet fühlen, längst dürfte man sie nicht mehr aus der Waschmaschine ziehen, ohne eine Sonnenfinsternisbrille aufzusetzen. Aber es geht. Trotz mega und turbo. So weiß wie immer.

Schwärzer geht’s nicht

Das Ultraweiß bei Fernsehapparaten heißt Ultraschwarz und Ultrascharf. Im Werbesprech: 4K. Ultra-HD. OLED. QLED. Klingt scharf. Soll es auch sein. Der Werbung nach zu urteilen, ist es besser, als aus dem Fenster zu gucken. Was auch damit zusammenhängt, dass vor dem Fenster selten Jedi-Ritter, Hobbits und aus Citroën-Teilen recycelte Roboter herumlaufen.

Pixelmäßig ist Ultra-Oled-4K-HD wie Ultra-4K-Waschweiß: Es kann Dinge zeigen, die unser Auge gar nicht sehen könnte, auch wenn es wollte. Außerdem können die Apparate ein Schwarz zeigen, schwärzer geht’s nicht. Noch nie war Schwarz so wichtig beim Fernsehgucken. Der Schwarzwert wird zur Währung. In der Werbung. Wie der Film war? Keine Ahnung, aber der Schwarzwert – mega!

Was hat Generationen von TV-Guckern nur vor dem Fernsehapparat gehalten, so grau wie das Schwarz all die Jahre war? Als man im grauen Unterhemd mit einem Graubrot auf dem Tisch die Grauwaldklinik guckte. Grauenhaft? Weiß nicht.

Von Uwe Janssen

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