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Kolumnen Im Hühnerstall Motorrad?
Sonntag Kolumnen
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19:55 22.01.2016
Von Uwe Janssen
Fahrstunden auf echten Straßen? Davon nehmen Anfänger in Japans Großstädten lieber Abstand. Stattdessen wird auf Dächern gübt. Oder, wenn man Kaiser ist, im Garten. Quelle: Dockleaf / CC BY-NC 2.0
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Führerschein – ist ja nicht jedermanns Sache, selbst wenn er Auto fährt. Fragen Sie mal den Dortmunder Starkicker Marco Reus. Der hat zwar viel Geld und fährt auf der Playstation wie ein junger Gott, was ihn allerdings nicht vom Ablegen einer offiziellen Fahrprüfung in einem echten Auto entbindet.

In anderen Ländern wird die Sache mit der Lizenz zum Lenken noch strenger gehandhabt. In Japan beispielsweise muss man alle drei bis fünf Jahre seine Verkehrstauglichkeit nachweisen, dazu gehören auch Sehtests, Papierkram und ein paar Videos mit abschreckenden Unfallbildern. Und da der Japaner ein strenger Verfechter der allgemeinen Verkehrssicherheit ist, macht er auch vor dem kaiserlichen Palast nicht halt.

Ampel zum Mitnehmen

Kaiser Akihito, mittlerweile 82 Jahre alt, muss auch zeigen, dass er es am Steuer noch draufhat. Ein paar Annehmlichkeiten werden ihm dann aber doch gegönnt, schließlich ist er ja Kaiser. Wenn Staatspräsidenten, wie gerade in Mauretanien geschehen, Fußballspiele wegen anhaltender Langeweile abbrechen und sofortiges Elfmeterschießen befehlen können, dann kann der japanische Kaiser auch seine persönliche Fahrprüfung bekommen. Hat er nun. In seinem Garten. Die Prüfer brachten alles mit. Auch eine Ampel.

Das klingt nach "Unsere Oma fährt im Hühnerstall Motorrad", klingt auch komfortabel, hängt aber entscheidend von der Größe und Gestaltung des Gartens ab. Viele Menschen, gerade im Stapelstaat Japan, haben gar keinen Garten. Und wenn, ist er zu klein für eine Fahrprüfung oder sogar für eine Ampel.

Rechts-vor-links am Blumenbeet

Wenn der Garten groß genug ist, würde man schon beim Rückwärtseinparken alles kaputtfahren, Blumenbeet, Wildkräuter, Nutzgarten. Ganz egal, wie der Sehtest vorher war. Wenn der Nachbar dann für eine Rechts-vor-links-Simulation mit seinem SUV dazustößt, kann man hinterher mit seinem frisch verlängerten Führerschein gleich zum Baumarkt fahren, eine schöne Motorfräse kaufen und noch mal bei null anfangen. Oder tiefer.

Kaiser Akihito hat mehr Platz. Wenn überhaupt noch, fährt er in seinem Palastgarten herum. Kleine Ausflüge, zu den Tennisplätzen. In seinem Honda Integra, nicht zu verwechseln mit den weltweit in Regierungskreisen bevorzugten Honda Intriga.

Die Mobilampel haben die Fahrprüfer übrigens wieder mitgenommen.

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