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Die "Area 51" des Wohnens

Gerümpel-Zimmer Die "Area 51" des Wohnens

Zu schade zum Wegschmeißen, aber unbrauchbar für die Wohnung – Abhilfe schafft das Gerümpel-Zimmer, dort türmt sich der Unrat in so mancher Wohnung bis unter die Decke.

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Außen hui, innen pfui: Das Rumpelzimmer bleibt den meisten Gästen vorenthalten.

Quelle: dpa

In der Psychoanalyse spricht man von "Verdrängung", wenn Menschen bedrohliche Tabus, schmerzhafte Erinnerungen und alte Traumata von der bewussten Wahrnehmung ausschließen. Beim Wohnen spricht man von "Bügelzimmer", wenn Menschen bedrohliche Wäscheberge, schmerzhafte Modesünden und alte Crosstrainer von der bewussten Wahrnehmung ausschließen. Jede Wohnung verfügt über dieses eine geheime Zimmer, das niemand sehen darf.

Das Mehrzweck-Wohntool. Das Arbeits-/Gäste-/Bügel-/Anzieh-/Näh-/Daddel-/Sachenerstmalreinschmeiß-Zimmer. Das Zimmer, in dem entkräftete Ivar-Regale unter der Last der Artefakte eines Lebens fast zusammenbrechen. Das Zimmer, das uns erpressbar macht. Das offiziell gar nicht existiert ("Alesia? Ich kenne kein Alesia."). Mag der Rest der Behausung auch aussehen wie aus den feuchten Träumen einer Burda-Lifestyle-Redakteurin – irgendwo führt immer eine Tür in die Chaosgrotte.

Wohnungen sind Spiegel der Seele

Ins Möbel-Nirwana. Zu den Klapp-Postkarten aus Tante Magdas Cuxhaven-Urlaub. Zu der schimmelgrünen Pferdedecke aus Opas Armeebeständen. Zu den Aktenordnern, die Lebenstüchtigkeit simulieren (drei normale mit der Aufschrift "Auto", "Telefon" und "Versicherungen" und fünf breitärschige Monster mit der Aufschrift "SONSTIGES").

Wohnungen sind exakte Spiegel der Seele ihrer Bewohner. Nach außen ist alles pastellfarben und riecht nach Lavendelsäckchen – aber irgendwo gibt es dieses vollgerümpelte Schmerzkästlein. Auf Grundrissen taucht diese biografische Resterampe mirakulöserweise niemals auf. Es ist wie mit geheimen US-Militärbasen, die in offiziellen Straßenkarten fehlen. Die "Area 51" des Wohnens.

Da fährst du nichts ahnend über Land, und plötzlich Stacheldraht überall. Partygäste, die auf der Suche nach dem Klo das verbotene Zimmer erwischten, sind in vielen Fällen nie wieder lebend gesehen worden. Sie sitzen heute von der Außenwelt vergessen in die alte Pferdedecke gehüllt auf dem Crosstrainer und blättern in einer Stabmixer-Bedienungsanleitung von 1986. Immerhin: Auf Autopsien und andere Körperexperimente wird in den meisten Haushalten verzichtet. Schönes Wochenende!

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