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Kolumnen Die interne Zeitverschiebung
Sonntag Kolumnen
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10:26 18.12.2015
Von Uwe Janssen
Bei akutem Vorweihnachtsjetlag helfen Trinkkuren an der frischen Luft. Quelle: Leipzig leben / Adelina Horn CC BY 2.0
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Okay. Also los. Projekt Weihnachten. Teil 1: Die Pre-Show. Basteln, dekorieren, Geschenke kaufen. Es gibt Menschen, die für Basteln und Dekorieren komplett ungeeignet sind und sich deshalb aufs Kaufen konzentrieren. Zieht man noch diese Kauflustigen ab, bleiben statistisch nur Männer übrig.

Intensive Lumumbakuren

Was viele nicht wissen: Diese oft als faul und desinteressiert vorverurteilte Gruppe leidet unter dem sogenannten Vorweihnachtsjetlag als Folge einer internen Jahresendzeitverschiebungsstörung. Der Betroffene behandelt sie mit intensiven Lumumbakuren zur inneren Anwendung an der frischen Luft – und muss sämtliche Kosten selbst tragen, da die Krankenkassen die Therapie bislang nicht anerkennen. Sie nennen es „Saufen“.  

Woran erkennt man einen Weihnachtsjetlagger? Der Leidende verhält sich in den ersten drei Dezemberwochen wie immer. Während seine Umgebung langsam in Hektik verfällt, ganze Spielzeugabteilungen in den Wahnsinn treibt, an Grabbeltischen handgreiflich wird und wegen preisreduzierter Lichterketten durch die halbe Stadt fährt, guckt der Zeitverschobene „Alarm für Cobra 11“ oder aus dem Fenster, wenn die Deko es zulässt. Für ihn fängt die akute Vorweihnachtszeit etwa am 23. Dezember an. Sofern der 23. Dezember kein Sonntag ist.

Konstruktive Hektik

Dann ist er wach. Dann zeigt er, was konstruktive Hektik ist. Dann komprimiert er den Geschenkekauf von vier Wochen auf vier Stunden. Dann hat er acht Arme, ist multitaskingfähig, kann gleichzeitig in der Haushaltsabteilung den heruntergesetzten elektrischen Pfefferstreuer einpacken lassen und auf dem Handy die chinesische Bonsai-Ulme per Expressversand mit garantiertem Lieferdatum bestellen. Auf dem Heimweg noch einen Sockenladen leer kaufen, um taktisch klug Lücken zu stopfen. Für kulinarische Dreingaben halten Tankstellen ein Notreservoir bereit.

Der Rest wird, bei Jetlaggern äußerst beliebt, mit den sogenannten personalisierten Geschenken erledigt. Gutscheine. Selbst erdacht, selbst gestaltet, selbst geschrieben. Das sind die wahren Überraschungen! Der Beschenkte ahnt nichts. Manchmal noch nicht einmal der Verkäufer. Kreative Köpfe sind das. Man trifft sie am Lumumba-Stand.

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