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Shopping mit Scharapowa

Konsumtipps mit Imre Grimm Shopping mit Scharapowa

Verbrauchen Verbraucher besonders gerne das, was Prominente verbrauchen? Und wenn ja, was bedeutet das für Product Placement, Wurstwerbung und Aufputschmittel?

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Born to be Wald

Was die It-Girls und -Boys dieser Welt anfassen, wird zu Gold: Das gilt auch für die Konsumvorlieben russischer Tennisdiven.

Quelle: Amanda Hirsch / CC BY 2.0

In Ernährungsfragen schaltet sich der menschliche Verstand schneller ab als ein belgisches Atomkraftwerk. Die CDU forderte jüngst die Schweinefleischpflicht. Die Grünen wollten den Veggie-Day. Im Bullshit-Fernduell "Braten gegen Tomaten" steht es damit Unentschieden. Für mich ein gerechtes Ergebnis.

Ich selbst gehöre eher dem Club Mett an. Ich bin Steakholder. Sie wissen, was ich meine. Lieber mit Thorsten Legat "Grünkohl mit Kasalla und Bregenwurst" als mit Renate Künast "Dinkel war's, der Mond schien helle". Ich finde: Besser Schweinefleischpflicht als zum Beispiel Crystal-Meth-Pflicht.

Meldonium nur auf Warteliste

Viele essen in letzter Zeit ja auch dieses Meldonium. Seit Maria Scharapowa positiv auf Meldonium gestestet wurde, ist die globale Nachfrage nach dem Herzmedikament explodiert. Was das It-Girl des russischen Tennis anfasst, wird zu Gold.

"Wir nennen es Scharaponat", sagte der glückliche Betreiber einer russischen Pharmawebsite. Dort gibt's das Zeug nur noch auf Warteliste. Man kann bloß froh sein, dass Volker Becks Einfluss auf die globale Konsumkultur eher gering ist. Und dass Kim Kardashian bisher nicht beim Heroinspritzen erwischt wurde.

Ich habe nie verstanden, warum Verbraucher bervorzugt das verbrauchen, was Prominente verbrauchen. Schon 1890 soffen die Leute mehr, wenn Bismarcks Gesicht auf der Schnapsflasche pappte. Mein persönliches Konsumverhalten beeinflusst es nicht nachhaltig, wenn ein deutscher Quizmoderator gern Geflügelwurst isst.

Wurst und Bewusstsein

Ich investiere auch ohne Lukas Podolski nicht in Solarstrom. Ich glaube prinzipiell nicht an die Expertise von Lukas Podolski in Sachen Solarstrom (oder irgendeines anderen Themas als Fußball). Ich finde, Podolski passt viel besser zu Geflügelwurst als zu Solarstrom. Ich würde vielleicht Geflügelwurst essen, wenn Willie Nelson öffentlich Geflügelwurst äße. Was er aber nicht tun wird, solange Geflügelwurst keine bewusstseinserweiternde Wirkung hat. Außerdem passt Willie Nelson besser zu Meldonium.

Der Tag wird kommen, an dem Prominente einfach wechselseitig für sich selbst werben: Lukas Podolski wirbt für Kim Kardashian, Maria Scharapowa für Bismarck und Willie Nelson für Renate Künast. Dann gibt’s für alle Geflügelwurst mit Meldonium, und wir spielen Tennis, bis Thorsten Legat uns ins Bett schickt. Schönes Wochenende!

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HAZ-Redakteur/in Imre Grimm