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Kolumnen Verhandeln unter Druck
Sonntag Kolumnen
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20:00 08.09.2017
Was tun, wenn’s drängt? Die Benutzung quasiöffentlicher Toiletten erfordert entweder Schauspielkunst oder Verhandlungsgeschick. Quelle: RND
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Hannover

Manches im Leben hält man fest, manches lässt man laufen. Harndrang begleitet uns das ganze Leben, jeder kennt das. Kein Problem im häuslichen Umfeld, ein irgendwie lösbares Problem in Wald und Flur, und zwar unabhängig vom Baumbestand, obwohl manche Männer auf die Notwendigkeit beharren.

Komplexer wird die Sachlage in bewohnten Gebieten ohne privaten Sanitärzugang. Immer wieder stößt man auf quasiöffentliche Toiletten in gastronomischen Betrieben. Es handelt sich im eigentlichen Sinn um Kneipen oder Restaurants mit Toilettenbenutzung für Gäste. Im verengten Sinne des Harngedrängten kehrt sich die Bedeutung um, für ihn ist es eine Toilette mit Restaurantbenutzung.

Keine Fragen beantworten!

Einfach so die Toilette zu benutzen und wieder zu gehen ist dreist. Ab einer gewissen Größe des Etablissements kann man sich wie ein Gast verhalten, obwohl man keiner ist. Man sollte sich vorher die Winterjacke ausziehen und ein Kauen oder ein Verzehrgeräusch imitieren, wenn man auf dem Weg zum Erlösungsraum Kellnern begegnet. Auf keinen Fall Fragen beantworten! Merke: Je selbstverständlicher man aussieht, desto besser. Die Frage ist, ob die jeweils aktuelle Situation so viel Schauspielkönnen ermöglicht.

Wer den ehrlichen Weg gehen will, meldet sein Begehr offiziell am Tresen oder beim Kellner an. Man kann dabei ein schmerzverzerrtes Gesicht machen oder gleich mit geschlossenen Beinen und in leichter Körperkrümmung zur Theke hüpfen und auf Mitleid der Bediensteten hoffen. Man kann versuchen, den Druck zu beschreiben, sollte sich aber nicht zu lange damit aufhalten. Auch hier gilt: Keine Fragen beantworten!

Vorteil Festpreis

Wer das alles nicht hinkriegt, bietet einfach Bezahlung an. Man sollte sich dabei nicht auf progressive Zahlungsmodelle einlassen, sondern einen Festpreis vereinbaren. Möglicherweise versucht die Thekenkraft, die Drucksituation bei den Verhandlungen zu nutzen und schraubt den Festpreis vom ersten Angebot 10 Cent auf 12 Euro hoch.

Jetzt heißt es abwägen: Runterhandeln? Dauert zu lange! Nächste Kneipe suchen? Dauert noch länger! Ein Getränk nehmen? Man mag gar nicht daran denken! Wucherpreis zahlen? Genau. In den meisten Fällen ist die Gegenleistung jeden Cent wert.

Von Uwe Janssen

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