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Von Luft und Liebe

Rund ums Rad mit Uwe Janssen Von Luft und Liebe

Wenn sich die ersten Sonnenstrahlen zeigen, dürfen sich auch domestizierte Fahrräder wieder im Freien tummeln. Eine wunderbare Gelegenheit, die verschiedenen Arten in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten.

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Obacht: Im Frühling besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, frisch aus dem Winterschlaf erwachten Fahrrädern zu begegnen.

Quelle: iStockphoto

Hannover. Seit es domestiziert wurde, zählt das Fahrrad zu den beliebtesten Haustieren. Fast in jedem Haushalt ist eines zu finden, in vielen sind es sogar mehrere. In China rangiert das Fahrrad noch vor dem Hund. Nachteil: Es schmeckt nicht. Oder nur mit ganz viel roter Soße.

Zwar ernähren sich Fahrräder grundsätzlich von Luft und Liebe, trotzdem werden viele in der futterarmen Winterzeit im Haus gehalten – wenn auch nicht in der Wohnung, da Fahrräder als nicht stubenrein gelten. Nun kommt allmählich die Zeit, da es wieder nach draußen geht und Herrchen und Frauchen den Frühling für die ersten längeren Ausritte benutzen.

Da gilt es für die Hinzugekommenen, sich zwischen den winterharten Fahrradführern möglichst unauffällig einzureihen, sich das Winterweichei nicht anmerken zu lassen und einfach so zu tun, als ob man auch bei Minustemperaturen und Schnee­regen täglich mit dem Fahrrad draußen gewesen ist.

Von Wildrädern und Hausrädern

In den vergangenen Jahren ist es gelungen, einige Fahrräder wieder auszuwildern. Der Unterschied zwischen Wildrad und Hausrad ist dabei leicht zu erkennen: Die Wildräder sind athletisch und schlank und sehen immer aus wie frisch durch den Schlamm gezogen. Sie sind spärlich gezäumt und gesattelt, nicht selten wählen ihre Besitzer, meistens Männer mit farblich abgestimmtem Outdooroutfit, eine Sattelposition, die das Steißbein als höchsten Punkt definiert, während der Kopf sich Richtung Geläuf neigt. Wildräder lieben das Gelände, sie sind sprungfähig und erschütterungsresistent.

Hausräder sind dagegen eher auf Äußerlichkeiten bedacht. Sie treten an Wochenenden und Feiertagen gern in Rudeln auf, meistens gepflegt und gemessenen Trittes. Hohes Tempo ist ihnen fremd, dafür eignen sie sich als Lastenträger für Körbe und Taschen, ihre Flanken sind geschützt, damit die ausladende Kleidung ihrer Reiter nicht zwischen die Hinterläufe gerät.

Neuerdings kommen viele Hausräder bereits mit Herzschrittmacher zur Welt. Sie kommen dadurch leichter in Tritt und können mit niedrigem Kraftaufwand längere Distanzen überwinden, was auch das Herz ihrer Reiter schont. Falls Sie einem Wildrad oder einem Hausrad mit Schrittmacher begegnen – streicheln ist okay, aber bitte nicht füttern.

Von Uwe Janssen

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