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Kolumnen Wind der Savanne
Sonntag Kolumnen
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20:00 19.05.2017
Quelle: Fotolia
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Hannover

Getränke in Redewendungen? Da denken wir an Bier und seine personalisierende Funktion (mein Bier, dein Bier). Wir denken an Wein und alte Schläuche, wir denken an kalten Kaffee als Synonym für das Unzeitgemäße. Der Tee steht für die Ruhe, das Abwarten. Vielleicht auch für die vermutete Reaktionsschnelligkeit der Landbevölkerung, der man das Teetrinken zuschreibt.

Für viele ist Tee animiertes Wasser. Das manifestiert sich vor allem in modernen Gastronomiebetrieben, in denen die Schere zwischen Kaffee und Tee mittlerweile meilenweit auseinanderklafft. Kaffee ist nicht mehr nur Kaffee. Er ist eine Wissenschaft. In 400 Sorten. Aus Automaten, für die man sich auch wegen der Größe das Wort “Dampfmaschine“ hätte aufsparen sollen. Viele von diesen Macchiato-Vögeln kennen Aufbrühen nur aus den Geschichten der Großeltern. Wenn man ihnen eine Filtertüte in die Hand gibt, halten sie diese für ein Ökokondom oder setzen sie auf den Kopf.

Tee, das analoge Getränk

Im Gegensatz zu dieser hochgerüsteten Schichtgetränkeindustrie ist Tee ein geradezu analoges Getränk. Wer Tee bestellt, bekommt ein Glas Wasser und einen Beutel. Was diese Kombination so teuer macht, ist bis heute ein gut gehütetes Geheimnis. Ist es der Tee selbst? Der Beutel? Das Fähnchen am Ende des Beutelfadens? Das Wasser? Der besonders schonende Erhitzungsvorgang, bei dem dem Wasser kaum Schmerzen zugefügt werden? Oder ist es die Beigabe einer Beutelentsorgungsschale, die verhindert, dass das Ding in der Dekopflanze oder unter der Speisekarte landet?

Naheliegend ist die Vermutung, dass man vor allem für die Teenamen bezahlt. Und zwar nicht für Gattungsnamen wie schwarzer, grüner und roter Tee, sondern für Eigennamen kreierter Sorten. Namen wie Yogaübungen: “Quelle der Erfrischung“, “Wind der Savanne“, “Russischer Winter“ oder “Kraft und Energie“. Da hat eine Armee von Hornbrillen-Fusselbärten monatelang dran gefeilt und will nun bezahlt werden, und zwar nicht in Teebeuteln.

Einen wirklichen Spitzennamen hat dagegen ein jahreszeitlich kategorisierter Tee: Er heißt “Karl-Heinz“. So heißt nicht mal eine Yogaübung. Da schäumt selbst Kollege Cappuccino in der Tasse. Gegen die Aufregung – vielleicht einen Tee trinken.

Von Uwe Janssen

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