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Alles auf Rot

Trendfarbe der Wintersaison Alles auf Rot

Während in der Vergangenheit schon rote Sneaker oft zu viel des Guten waren, trägt man Rot in dieser Saison am besten gleich von Kopf bis Fuß.

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Augenfällig bis kompromisslos: Der Rot in Rot-Look ist nichts für Schüchterne.

Quelle: Marc Cain

Hannover. Schaufensterbummel im Einkaufszentrum: Der Blick bleibt an einer Auslage mit Strickpullis in feurigem Rotton hängen. Genauer: in “Grenadine“ und “Flame Scarlet“, die nach dem “Pantone Color Report“ zu den wichtigsten Herbstfarben 2017 zählen. Laut Farbinstitut Pantone, das in der Modebranche als wichtiger Trendindikator gilt, dominierten die Rottöne alle wichtigen internationalen Schauen von New York bis London.

Bei Designern wie Marc Jacobs, Victoria Beckham, Calvin Klein oder Max Mara zogen sich die angesagten Nuancen als sprichwörtlicher roter Faden durch die aktuellen Herbst- und Winterkollektionen. Auch Modeblogger wie die Hamburgerin Caro Daur, eine der größten deutschen Instagram-Stars, favorisieren in dieser Saison Rot. Damit überzieht die Signalfarbe nicht nur Luxusboutiquen und Bekleidungsketten, sondern auch die sozialen Netzwerke.

Zumal “Grenadine“, “Flame Scarlet“, Bordeaux oder auch Pink nicht nur modische Akzente setzen. Zurückhaltung war gestern. Jetzt ist der Komplettlook in. So kombinierte Victoria Beckham kürzlich einen knallroten Chiffonrock mit einem Pullover und Stiefeletten in Bordeaux – ein herber Kontrast für die Augen, zumal doch vor allem in der kalten Jahreszeit oftmals gedeckte Farben vorherrschen. Das menschliche Auge reagiert jedoch auch grundsätzlich empfindlich auf rote Farbtöne.

Die Farbe von Päpsten und Königen

Rot als Trendfarbe gab es in der Modegeschichte immer wieder. Wie kaum eine andere Farbe wirkt Rot jedoch stets frisch und neu. Die Farbe der Liebe und der Leidenschaft, der Energie und Wärme hat immer auch etwas Revolutionäres an sich. Nicht zuletzt deshalb wird mit Rot auch Macht und Autorität assoziiert. Rot ist gleichbedeutend mit einer unübersehbaren Aufforderung zur Kommunikation und zur sozialen Auseinandersetzung. Rot schreit nach Aufmerksamkeit. Nichts für Menschen also, die den großen Auftritt scheuen.

Rot kann jedoch auch aufdringlich, egozentrisch und aggressiv wirken. Die Farbe von Päpsten und Königen steht für Radikalität und Kompromisslosigkeit. Männliche Politiker und Diplomaten wählen in der Regel für schwierige Verhandlungen bewusst keine rote Krawatte, sondern eine in neutralem Blau – außer US-Präsident Donald Trump, der auffallend oft und gern auf Rot setzt.

Das vielfach mit Sehnsucht und Entspannung in Verbindung gebrachte Blau dagegen belegt auch bei Umfragen zur Lieblingsfarbe meist den ersten Platz. Dabei ist Rot die eigentliche Gewinnerfarbe, wie nicht zuletzt wissenschaftliche Untersuchungen belegen: Die britischen Anthropologen Russell Hill und Robert Barton stellten fest, dass bei den Olympischen Spielen in Athen rot gekleidete Boxer und Ringer häufiger gewannen als ihre Konkurrenten im blauen Dress. Rot erzeugte auch bei ebenbürtigen Gegnern mehr Respekt und wohl auch mehr Unsicherheit. Die Farbaussichten fürs Frühjahr bleiben leuchtend: Neben Gelb und Violett ist “Cherry Tomato“-Rot angesagt.

Von Christin Jahns

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