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Fußball am Hals

Fan-Schals als Trendaccessoire Fußball am Hals

Was einst nur im Stadion oder an den Wänden von Hobbykellern und Jugendzimmern vertretbar war, erobert jetzt Laufstege und Innenstädte: Der Fußballschal wird zum Stilvorbild.

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Vom Stadion auf die Flaniermeile: Das britische Unternehmen Savile Rogue bietet Schals in den Farben etlicher europäischer Fußballclubs, in edler Kaschmirwolle.

Quelle: Savile Rogue

Hannover. Fußball und Mode waren lange Zeit getrennte Welten. Viererkette hier, Perlenkette da. Fußballer rannten dem Ball hinterher, aber keinen Modetrends. Hätten die Weltmeister Lothar Matthäus oder Andreas Brehme 1990 erklärt, sie lieben Gucci oder Versace, wäre ihnen der Spott ihrer Sportfreunde sicher gewesen.

Dann kam David Beckham, der modelnde Mittelfeldmotor aus England, und öffnete das Tor zwischen Mode- und Fußballwelt. Plötzlich wurden Stürmer stylish und Innenverteidiger waren in. Heute lassen sich Fußballer nicht nur ihren Körper volltätowieren, als seien sie kickende Kunstausstellungen, sondern designen auch Mode. Lukas Podolski entwirft Streetwear, Cristiano Ronaldo Unterwäsche, und Jérôme Boateng sammelt nicht nur Sneaker und wurde von der “GQ“ 2016 zum “Most Stylish Man Germany“ gekürt, sondern kreierte auch für einen Online-Optiker eine eigene Brillenkollektion.

Bei den Fans war eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. Die Fans kauften mit der wachsenden Kommerzialisierung des Fußballs immer mehr Accessoires ihres Clubs und gingen irgendwann wie Ganzkörperlitfaßsäulen in die Stadien. Plötzlich war das Trikot auch jenseits des Spieltags ein gern getragenes Oberteil, die Clubs entwickelten Casual-Kollektionen. Fußballmode wurde zur Alltagsmode.

Zweifarbig und vielfransig

Da wundert es nicht, dass Modedesigner wie Gosha Rubchinskiy mittlerweile den Fußballschal entdeckt und ihn zu einem der Modetrends des Jahres entwickelt haben. Rubchinskiys Schals, die er in Kooperation mit Adidas entworfen hat, orientieren sich am Sowjet-Style russischer Jugendlicher und zugleich an der traditionellen Dreistreifenästhetik aus Herzogenaurach. Sowie natürlich an der klassischen Fußballschalästhetik: Mit seiner schlichten Zweifarbigkeit, den großen Buchstaben und der obligatorisch dichten Vielfransigkeit an beiden Enden könnten die Modelle des 33-jährigen Russen auch problemlos den Fußballfan beim Stadionbesuch schmücken. Und doch tragen es Frauen und Männer in Mailand und Paris, zu Partys und auf den Laufstegen des Alltags.

Ein anderer Wandler zwischen Streetwear und High-End-Fashion ist Virgil Abloh. Der 37-Jährige ist Designer, DJ und grammynominierter Creative Director von Kanye West. Sein Label Off-White gründete er 2014. Auch sein Schal erinnert mit den dichten Fransen an den typischen Fanschal. Aufgedruckt sind allerdings keine Buchstaben und keine Wörter, sondern ein Symbol. Diagonale Pfeile kreuzen einander, ein oft von Off-White genutztes Zeichen.

 Stadionstil als Alltagsmode

Stadionstil als Alltagsmode: Auch die britische Designerin Stella McCartney arbeitet mit vom Fußball inspirierten Schals.

Quelle: Instagram

Das Markenlogo ersetzt das Vereinswappen. Bist du im Team Virgil oder eher im Team Gosha? Oder doch eher im Team Stella McCartney? Auch die englische Designerin spielt das Spiel mit: “Members And Non-Members Only“ steht in Blockbuchstaben auf den rot-schwarzen und gelb-schwarzen Kleidungsstücken. Allerdings verzichtet sie bei ihrem Schal auf die typische Fransigkeit. Die Enden schließen glatt ab.

Der Modefan trägt sein Bekenntnis für ein Label, einen Designer genauso zur Schau wie der Fußballanhänger. Aber der Weg führt auch in eine andere Richtung: Der Fan möchte einen Fußballschal, aber in hoher Qualität. Das britische Unternehmen Savile Rogue bietet Schals in den Farben etlicher europäischer Fußballclubs, in edler Kaschmirwolle. Ausdrücklich “nicht nur beim Match, sondern bei jeder Gelegenheit“ zu tragen. Denn Stil dauert bekanntlich länger als 90 Minuten.

Von Kristian Teetz

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