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Haute Couture fürs Wohnzimmer

Möbel von Modedesignern Haute Couture fürs Wohnzimmer

Bettwäsche von Boss, Porzellan von Versace, der Sekretär von Armani: Immer mehr Modeunternehmen bieten auch Accessoires und Möbel für die Wohnung an. So können Markenliebhaber ihrem Stil von Kopf bis Teppich treu bleiben.

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Das Modelabel Armani macht auch in Möbeln – und bleibt seiner puristisch-eleganten Linie auch in der Kollektion Armani Casa treu.

Quelle: Armani Casa

Berlin. Die Namen klingen nach dem ganz großen Auftritt: Escada, Etro, Fendi und Donna Karan. Ein Hauch von glanzvollen Roben, edlen Stoffen und handwerklich perfekter Verarbeitung schwingt allein schon bei Nennung solche edler Modelabels mit. Glamour, den man sich dank der Heimkollektionen internationaler Modemarken inzwischen auch in sein Zuhause holen kann. Immerhin gilt der Wohnraum als unser Gehäuse, unsere zweite Haut.

Mode und Handwerkskunst vereint etwa der Pariser Handtaschen-Produzent Hermès, der die Herstellung selbst zu einer Kunstform erhoben hat und alte Techniken bewahrt. Weil man aber nicht nur im Gestern und von der Produktion der berühmten Kelly-Bag leben kann, präsentierte das Unternehmen 2010 erstmals eine Möbelkollektion.

Handwerkstradition ist wieder cool

Dafür konnten gleich renommierte Designer wie Antonio Citterio und Enzo Mari gewonnen werden. Auch Re-Editionen des gefeierten Art-Déco-Designers Jean-Michel Frank zählten dazu, er hatte bereits in den Dreißigerjahren mit Hermès kooperiert. Pierre-Alexis Dumas, der zur sechsten Generation der Gründerfamilie gehört, wurde 2005 Kreativdirektor. Er gilt als Initiator der wiederbelebten Home Collection: “Unsere Grundwerte kommen wieder gerade sehr in Mode“, sagt er. “Wir sind heute wieder cool, gerade wegen unserer traditionellen Herangehensweise.“

Die Kollektion “Èquilibre d’Hermès“, die während der Mailänder Möbelmesse 2016 vorgestellt wurde, umfasst etwa Accessoires für und rund um den Schreibtisch aus Büffelkalb-Leder und Ahornholz. Die Buchstützen, Papierkörbe, Schalen und Magazinständer passen perfekt zu den Möbeln – dem Stuhl “Oria d’Hermès“, dem Sofa “Sellier“ sowie den faltbaren Objekten der Serie Pippa. Auch Leuchten, Textilien und Wandverkleidungen sowie Dekorationsgegenstände und Geschirr produziert das Modehaus.

Ahornholz und Büffelkalb-Leder für den Schreibtisch

Ahornholz und Büffelkalb-Leder für den Schreibtisch: Edel-Einrichtung von Hermès.

Quelle: Hermès

Auf demselben Niveau sind die Produkte der italienischen Firma Bottega Veneta angesiedelt, der es unter der Leitung von Kreativchef Tomas Maier gelingt, Qualität, traditionelle Fertigung und zeitgenössisches Design auf einen Nenner zu bringen. Der gebürtige Pforzheimer war früher als Modeschöpfer bei Sonia Rykiel und Hermès tätig, bevor er begann, die Bottega Veneta-Welt mit Mode für Frauen und Männer sowie mit Möbeln, Porzellan und Accessoires zu bestücken.

Kooperiert wird dafür nicht nur mit den Kunsthandwerkern aus dem Haus selbst, sondern mit Glasbläsern aus Murano für die Glasobjekte, mit der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) für Porzellan und mit Poltrona Frau für die Polstermöbel. Dazu zählt zum Beispiel die Sitzmöbel-Familie namens Rudi, die es mit Bezügen aus Samt, Leinen, Veloursleder oder Leder gibt.

Maier verwendet feinste Materialien – er lässt eine Kommode mit Leder verkleiden, Bronzegriffe auf die Schubladen setzen und das Objekt mit einer Deckplatte aus Marmor oder Holz veredeln. Und die italienische Schmuckdesignerin Osanna Visconti di Modrone entwarf exklusive Bronzetische für Bottega Veneta, deren Oberflächen das typische Leder-Flechtmuster des Labels aufnimmt, Intrecciato genannt.

Kollektionen für Mode und Möbel

Unübersehbar ist, dass der Glanz der Couture auf die Heimkollektionen abstrahlt. Dazu kommt, dass die Einrichtungsbranche im Allgemeinen modischer geworden ist. “Internet, Online-Shopping, Facebook oder Instagram haben auch für das Möbel- und Interiordesign zu einer gewaltigen Macht der Bilder geführt – und damit zu einer Schnelllebigkeit und einem Denken in Kollektionen, die wir lange nur aus der Mode kannten“, sagt Markus Frenzl, Designkritiker und Professor für Designtheorie an der Hochschule für angewandte Wissenschaft in München. “Viele Möbelhersteller imitieren bewusst die Prinzipien der Mode, orientieren sich an aktuellen Modetrends und nutzen auch das Image von Modelabels, um ihre eigene Marke aufzuwerten.“

So setzen auch die Profis in Sachen Bekleidung immer öfter darauf, den Stil ihrer Marke bis in die Wohn-, Schlaf- und Arbeitszimmer zu bringen. Missoni Home tut dies mit knallbunten Streifen, dem typischen Zackenmuster oder Blumen auf seinen Sofas, Poufs, Kissen und Teppichen. Versace Home steht für fast schon barocke Opulenz auf Porzellan und Textilien.

Gute Laune fürs Wohnzimmer

Gute Laune fürs Wohnzimmer: Das Modulsofa „Mah Jong“ von Missoni.

Quelle: Missoni Home

Auf den Plaids und Möbelstoffen von Etro Home taucht vor allem das für die Marke typische Paisley-Muster immer wieder auf. Auch Armani verknüpft die Mode- und Einrichtungswelt in der Kollektion Armani/Casa. Viele Entwürfe des Maestros wirken wie Architektur im Kleinen, egal ob es sich um den Sekretär Camus, das Regal Freud oder um die Leuchte Dory handelt. Armani treibt den Home-Collection-Gedanken sogar noch ein bisschen weiter als alle anderen – mit der Einrichtung der Armani Hotels in Mailand und Dubai.

Während sich Labels wie Hugo Boss oder Joop! Living überwiegend auf Textilien wie edle Bettwäsche oder flauschige Handtücher konzentrieren, setzt Diesel auf ein breites Sortiment und Kooperationen. Möbel entstehen in Zusammenarbeit mit Moroso, Textilien mit Zucchi und Leuchten mit Foscarini. Ohne die Zusammenarbeit mit der italienischen Jeans-Marke hätte es so manche Entwürfe nie gegeben – etwa die Hängeleuchte White Noise. Sie erinnert an eine Galaxie – so kann man sich heute sogar das All in die Wohnung holen.

Von Uta Abendroth

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