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Mode & Stil Locker bleiben
Sonntag Mode & Stil
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20:00 13.11.2015
Von Sophie Hilgenstock
Entspannter essen: Casual Dining liegt nicht nur in den USA, wie hier im angesagten kalifornischen Restaurant Gjelina, im Trend. Quelle: flickr / Larry / CC BY-NC-ND 2.0
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Die alten Römer waren nicht gerade berühmt für ihre Lässigkeit. Obrigkeitshörig, ordnungsliebend, stumpfsinnig, bürokratisch, so werden sie beschrieben. Auch im neuesten "Asterix und Obelix". Nur beim Essen, beim opulenten Festmahl "um die neunte Stunde", ließen Typen wie Gaius Bonus, Appelmus oder Pampelmus alle Fünfe gerade sein. Sie lümmelten auf ihren Liegen, fläzten sich in ihre Sessel, sie legten die Füße hoch und fingerten im Essen. Die Römer, wenn man so will, waren ihrer Zeit voraus. Mit Casual Dining kannten sie sich schon vor 2000 Jahren aus.

Heute steht Casual Dining für mehr als "fläzend futtern". Die Sache ist komplexer. Casual Dining ist gleichzeitig Möbel-, Fashion- und Food-Trend. Es bringt Zwanglosigkeit an den Esstisch, Lockerheit in die Abendmode, Anspruch in die Schnellgastronomie. Es verbindet vermeintlich Widersprüchliches wie Bequemlichkeit mit Niveau, Entspanntheit mit Ästhetik, Nachhaltigkeit mit Genuss.

Bauerntisch trifft Designerstühle

Casual Dining, das heißt übersetzt "zwangloses Dinieren", und Zwanglosigkeit ist es denn auch, um die sich der Triple-Trend im Wesentlichen dreht. Das äußert sich zunächst im Bereich der Einrichtung. Casual Dining räumt mit traditionellen Rollenmustern auf: Ess- und Wohnzimmer verschmelzen zur sogenannten Dining Lounge. Der klassische Vier-Personen-Esstisch hat ausgedient, harte Holzstühle landen auf dem Dachboden.

Lange, ausladende Tafeln, an denen jederzeit – wenn es sie denn gibt – eine laute Großfamilie Platz findet, sind angesagt. Außerdem Polstermöbel, Bänke, Sitzkissen und Drehstühle – Sitzgelegenheiten, wie man sie eher von Restaurantterrassen kennt. Passend dazu werden die Tische niedriger; statt standardmäßig 76 Zentimeter sind sie mitunter nur noch 60 Zentimeter hoch. Auch die Monotonie schwindet: Das homogene Biedermeier-Ensemble ist Vergangenheit, jetzt setzt man auf die eklektische Komposition aus Einzelstücken. Hier trifft der Bauerntisch auf Designerstühle, Gartenbänke vom Flohmarkt und Poufs aus dem Marokko-Urlaub.

Schick statt Biedermeier: Frischer Wind im Esszimmer Quelle: bhg.com

"Die Entspanntheit ist das verbindende ästhetische Element", erklärt Gerd Müller-Thomkins, Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts in Köln. Die Gestaltung des Essbereichs richte sich ganz nach der Lockerheit und Fantasie des Wohnungsbesitzers, gesellschaftliche Normen und Tischsitten würden unwichtig. Wer mag, löffelt die Suppe auf dem Sofa, den Pudding vor dem Kamin, das Müsli im Schneidersitz. Lümmeln statt gerade sitzen, Füße ausstrecken statt Hände auf den Tisch – Benimmregeln à la Knigge sind verbannt aus dem lässigen Konzept des Casual Dining. Möbel und Manieren sollen kulturelle Vielfalt widerspiegeln, sagt Müller-Thomkins. "Es geht um Authentizität und Identität, fern jeder Steifheit."

Ins Stillose rutscht das Ganze trotzdem nicht. Immerhin folgt auf "Casual" das Wörtchen "Dining", das Synonym für eine gehobene, kultivierte Art und Weise, miteinander am Tisch zu sitzen. Und da kommt die Mode ins Spiel. Die soll einerseits bequem sein, andererseits schick, also dem Dinner und dem Ort angemessen. Casual Dining steht schließlich für ein stilvolles Feierabenderlebnis, nicht nur im Privatbereich, meist auch in Restaurants. Damit das Ganze entspannt bleibt, dient die Zeit nach Dienstschluss nicht dem langen Aufbrezeln, sondern der schnellen Entschleunigung.

Wohlfühlen für Weltbürger

Zum Casual Dining schlüpft man aus dem  Anzug in die Jeans, aus den Pumps in die Ballerinas. Jogginghose und Kapuzenpulli allerdings sind tabu. "Eigentlich ist das Casual längst zu einem Upper Casual geworden", sagt Modexeperte Müller-Thomkins. Männer tragen in ihrer Freizeit Krawatte zum Jeanshemd, sie schälen sich in eine schicke Weste, sie kombinieren Sneaker zur Stoffhose. Frauen nehmen ein komfortables, knielanges Kleid, tragen modische Stiefeletten und Hemdblusen, schlüpfen in Jumpsuits und bequeme Moccasins. "Bei der Kleidung ist alles erlaubt, Hauptsache sie verbindet den Wohlfühlgedanken mit einem gewissen kosmopolitischen Gefühl", erklärt der Kölner.

Weltbürgerliches Wohlfühlen – damit locken auch die Casual-Dining-Restaurants, die sich wachsender Beliebtheit erfreuen. Die Deutschen wollen sich gesünder und bewusster ernähren, ohne großen Aufwand. Die Lösung bietet Fast Casual Dining. Der Food-Trend kombiniert die Schnelligkeit vom Fast Food mit dem Bedürfnis nach frischer, gesunder Kost. Es ist das Mittelding aus Speiselokal und Schnellrestaurant, ohne Pappgeschirr, aber mit Selbstbedienung.

Teller statt Pappgeschirr: Auch gehobene Fastfood-Ketten wie Vapiano profitieren von der neuen Bequemlichkeit. Quelle: flickr / Kmeron / CC_BY_NC_2.0

Erfunden wurde das Konzept 1993 in den USA, genauer gesagt in Denver, Colorado, von Steve Ells. Der damalige College-Student wollte beweisen: Schnelles Essen muss nicht schlecht sein, eine gesunde Speise nicht teuer. Sein Unternehmen Chipotle Mexican Grill verkauft seither vor den Augen des Kunden zubereitete Tacos und Burritos, inzwischen in knapp 1600 Filialen weltweit.

In Deutschland sind es Ketten wie Vapiano oder Dean & David, die den Fast-Casual-Dining-Trend befeuern. Neben der nachhaltigen Ernährung sei es die gemütliche Atmosphäre, die die Gäste in den Lokalen suchen, sagt Müller-Thomkins. "Die hyperformellen Luxusrestaurants haben heute eher ein Problem." Messingleuchter, Teppichboden, Kellner in Livree – so steif und spießig, wie es da drinnen aussehe, wolle niemand mehr rein, erklärt der Experte. Zwanglosigkeit heißt die neue Währung.

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