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Man trägt wieder Grunge

Schmuddellook im Trend Man trägt wieder Grunge

Damit hat nun wirklich niemand rechnen können: Im Zuge der allgemeinen Verklärung der Vergangenheit sind jetzt auch die Neunziger zurück, und mit ihnen Grunge-Skandalqueen Courtney Love. Allerdings nicht mit neuer Musik. Stattdessen ist sie unter die Designer gegangen.

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Knappe Lingerie-Kleidchen, wüste Frisuren und zerrockte Netzstrumpfhosen sind wieder in – meint zumindest die US-Modekette Nasty Gal, die Courtney Love als Designerin ins Boot holte.

Quelle: Nasty Gal

Es gab Konzerte, in denen Courtney Love kurz vor der Zugabe nicht viel mehr trug als einen Büstenhalter. Skandale und Provokationen gehörten zu ihren Auftritten wie der Erfolgssong "Live through this" und der immer verschmierte Lippenstift in knalligem Rot.

Die Witwe von Nirvana-Frontmann Kurt Cobain gilt auch deshalb als Ikone des Grunge – der Mischung aus Heavy Metal und Punkrock, die in den Neunzigerjahren so stilprägend war, dass der schmuddelige Schlabberlook bis heute in der Mode zitiert wird. Erst vor Kurzem nannte Hedi Slimane, Chefdesigner des französischen Modehauses Saint Laurent, Love als eine der größten Inspirationsquellen für die von ihm entworfenen Tiaras und Grunge-Stücke.

Kleider für böse Mädchen

Nun ist Love selbst unter die Modemacher gegangen. Gemeinsam mit der aufstrebenden US-Modekette Nasty Gal entwickelte sie eine Kollektion, deren 18 Teile von Kleidungsstücken inspiriert sind, die die Sängerin während der Blütezeit ihrer Band Hole getragen hatte.

Eines der am meisten auf der Internetfotoplattform Instagram bewunderten Kleidungsstücke ist ein rosafarbenes Babydoll. Bereits vom Hersteller zerschlissene Netzstrumpfhosen, Overknees und Spitzenblusen mit gewagten Ausschnitten gehören ebenfalls zum Programm, deren Stücke nur bis 145 Euro kosten sollen. Die Idee zu der mit Spannung erwarteten Zusammenarbeit soll Loves Tochter Frances Bean gehabt haben.

Winona Ryder für Marc Jacobs

Zurück aus dem Karrieretief: Winona Ryder stand für eine Kollektion von Stardesigner Marc Jacobs vor der Kamera.

Quelle: Marc Jacobs

Der Einfall kam offenbar zur rechten Zeit: Modemacher suchen ihre Inspiration immer auch im Zurückliegenden, neben den Siebziger- und Achtzigerjahren stehen die Neunzigerjahre aktuell hoch im Kurs. Karohemden aus Flanell sind ebenso wieder da wie bauchfreie Bustiertops und Karottenjeans. Sogar die klobigen Buffalo-Turnschuhe mit Plateausohle von damals – sozusagen die SUVs unter den Sneakers – gibt es wieder zu kaufen.

Designer Marc Jacobs lichtete für seine Kampagne Winter 2015/2016 Schauspielerfreundin Winona Ryder und  deren Kollegin Cher ab. Beide hatten in den Neunzigerjahren gemeinsam in dem Erfolgsfilm "Meerjungfrauen küssen besser" gespielt. Ryder selbst wurde später ebenfalls zu einer Ikone des Grunge: Im Film "Reality Bites" spielte sie an der Seite von Ethan Hawke die von der Zukunft desillusionierte Lelaina, die sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält.

Auch im echten Leben ging es für Ryder bergab – nach einem Ladendiebstahl geriet ihre Karriere ins Stocken. Love übernahm zwar Nebenrollen in TV-Serien wie "Sons of Anarchy" und "Empire", Gerüchte über Geldprobleme und Streitereien mit den Ex-Bandkollegen ihres Mannes sprechen aber nicht für große Erfolge. Jetzt sagte sie: "Ich mache Klamotten für Spinner." Nun ja. Bleibt zu wünschen, dass sie mal wieder ein richtig gutes Album aufnimmt. Ganz egal, was sie dabei trägt.

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