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Mode & Stil Pink als Pate
Sonntag Mode & Stil
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00:30 04.02.2017
Ganz schön rosa: Lily-Rose Depp und Karl Lagerfeld bei der Schau von ­Chanel. Quelle: imago
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Berlin

Die Farbe Pink ist ein Stiefkind der Mode. Bisher war sie den viel zu engen Schlauchkleidchen bald vergessener TV-Sternchen vorbehalten. Oder aber Barbie – der Puppe, deren Proportionen trotz mäßig bemühter Anpassungen noch immer wenig mit der tatsächlichen weiblichen Anatomie übereinstimmt.

Im Jahr 2017, in dem Fakten leider viel zu oft alternativ betrachtet werden, schwingt sich auch die Farbe Pink auf zu neuer, erhabener Bedeutung. Seitdem sich Ende Januar beim Women’s March on Washington sowie bei Schwestermärschen überall auf der Welt Millionen Frauen solidarisch für demokratische Werte, Frauenrechte und gegen Rassismus auf die Straße gingen, steht die Nuance auch für die Kraft dieser Bewegung. Die sogenannten Pussy Hats, die auf den Bildern des Protestes in Pink und Rosa leuchteten, sind zum Symbol der Bewegung geworden. Erfunden haben die Mützen angeblich die beiden US-Amerikanerinnen Krista Suh und Jayna Zweiman – auch weil es für das Tragen von T-Shirts im Washingtoner Winter trotz Klimawandels zu kalt ist. Mittlerweile wimmelt es im Internet vor Strickanleitungen, auch fertige Pussy Hats (Bild) gibt es an jeder zweiten Ecke zu kaufen.

Quelle: DPA

In Hollywood diente die Farbe Pink lange, um liebliche Hauptdarstellerinnen in seichten Romanzen passend einzukleiden. Doch selbst dort stand Pink schon einmal Pate für die Unterdrückten und Benachteiligten der Gesellschaft: In den frühen Achtzigerjahren emanzipierte sich Molly Ringwald in dem Teenagerkultfilm „Pretty in Pink“ als Tochter einer Arbeiterfamilie vom Klassendenken ihrer Privatschule – und brachte damit auch den Millionärssohn Blake auf den richtigen Weg. Eine wichtige Rolle spielte dabei ein pinkfarbenes Kleid.

Kostümdesignerin Marilyn ­Vance hatte sich damals bei der Gestaltung des titelgebenden Kleidungsstückes von der gültigen Mode abheben und ein zeitloses Kleidungsstück schaffen wollen. Ganz gelungen ist es ihr nicht, der Entwurf galt schon in den Augen von Hauptdarstellerin Ringwald als untragbar. Immerhin: Ganz ähnliche Schulterausschnitte wie an Molly Ringwalds Kleid allerdings waren jüngst auch bei der Fashion Week in Berlin zu beobachten. Dort feierte die Farbe Pink passend zum Women’s March ein überraschend kräftiges Comeback.

Unter anderem die österreichische Designerin Lena Hoschek setzt für Winter 2017 auf diesen Farbton – und zwar, ohne dass ihre Entwürfe mädchenhaft erscheinen. „Es soll knallen“, sagte sie. Beim Label Riani gab es pinkfarbene Shorts aus Samt, Marina Hoermanseder zeigte Lackminiröcke in Pink und geradezu streng waren die Bleistiftröcke von Malaika Raiss. Und ob nun zufällig oder nicht: Selbst Modezar Karl Lagerfeld zog mit – in Paris präsentierte seine Muse Lily-Rose Depp, Tochter von Vanessa Paradis und Johnny Depp, zum Abschluss des Chanel-Defilées ein Brautkleid, das zum ersten Mal seit Jahrzehnten nicht weiß oder beige war – sondern rosa. Die mögliche Botschaft: In bewegten Zeiten sollten wir zumindest modisch bei Laune bleiben. Und vor allem nicht übersehen werden.

Von Dany Schrader

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