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Schöne neue Spießigkeit

Die Modetrends 2016 Schöne neue Spießigkeit

Bundfaltenhosen, Rollkragenkleider, Rüschenblusen? Für ihre Frühjahrskollektionen haben sich die großen Designer offenbar an der unsicheren Welt- und Wetterlage orientiert. Das erste Modehalbjahr 2016 wird eher brav und bieder. Kerstin Hergt hat dennoch ein paar Lichtblicke ausgemacht.

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Designer, wechsle dich

Brave Schnitte, dezente Farben und eine modische Verklärung der Vergangenheit: Die Designer halten sich 2016 mit Gewagtem und Innovationen zurück.

Quelle: Bernd von Jutrczenka / dpa

Topshop Unique

Topshop Unique

Kate Phelan, Kreativchefin des britischen Einzelhandelsunternehmens Topshop, das auch Filialen in Deutschland unterhält, gilt als eine der einflussreichsten Designerinnen im Vereinigten Königreich. Auf der Londoner Fashion Week wurde sie von „Vogue“ und Co. nach der Präsentation ihrer Frühjahrs- und Sommerkollektion 2016 für ihren zwar tantenbesuchkompatiblen, aber dennoch originellen "Granny Style" gefeiert.

Aus rosafarbenem Leder gefertigt, wirkt die Bundfaltenhose bei Phelan alles andere als spießig. Übergroße Blazer mit breiten Schultern, wie sie Oma auf dem Höhepunkt von "Denver-Clan" getragen hat, lässt sie als Minikleider durchgehen und geschlitzte Tea Dresses peppt sie mit Mustern auf, die im Zweifel zum Kaffeeservice passen: Das traditionelle Wedgwood-Geschirr, was fast in jedem englischen Geschirrschrank steht, stand tatsächlich Pate.  

Burberry

Burberry

Der Trenchcoat machte das britische Label Burberry zur Modeinstitution – und ist seit bald 150 Jahren ein Inbegriff für zeitlose Erhabenheit über kurzlebige Trends. Damit’s allerdings nicht zu brav wird, beraubt Chefdesigner Christopher Bailey die klassischen Wind-und-Wetter-Mäntel ihrer üblichen Funktion und lässt sie – selbst für Gentlemen – aus feinster Spitze fertigen.

Ladys wiederum können sich über Baileys alltagstaugliche Neubelebung des Capes freuen, dem er die divenhafte Dramatik nimmt und es mit verspielten Plisseefalten versieht. Überhaupt geizt Bailey nicht mit Stoff und sorgt dafür, dass man in seinen filigranen Spitzenkleidchen auch bei Aprilwetter nicht friert: zum Beispiel mit gar nicht schwer wirkenden Jacken im Military-Look, die mit goldenen Verzierungen oder Ketten versetzt sind.

Gucci

Gucci

Alessandro Michele, Kreativdirektor  beim italienischen Modeimperium Gucci, wurde im November als bester internationaler Designer mit dem British Fashion Award ausgezeichnet – und das, obwohl er keinen großen Unterschied zwischen seiner Herbstkollektion für 2015 und seinen Entwürfen für Frühjahr und Sommer 2016 zeigte. Fellbesetzte Schuhe und steife Midi-Faltenröcke sind nun auch für die wärmere Jahreszeit vorgesehen.

Dennoch ist Gucci eines der wenigen Labels, die im Farbrausch schwelgen. Dabei wird Romantik großgeschrieben. Transparente Stufenkleider in zarten Pastelltönen oder mit raffinierten Vintage-Prints lassen ihre Trägerinnen wie Schmetterlinge erscheinen. Auch der Sekretärinnenlook erlebt eine neue Blütezeit: Schluppenblusen werden mit blumigen Anstecknadeln kombiniert und die Hornbrille glitzert vor lauter Schmucksteinen.

Lena Hoschek

Lena Hoschek

Ein Revival der Bauernbluse klingt ungefähr so spannend wie die Aussicht auf Ferien im Heuhaufen. Doch die österreichische Designerin Lena Hoschek hat schon mehrfach bewiesen, dass sie aus Folklore Feminines zaubern kann. Nach Zeitreisen in die USA, nach Mexiko und Afrika wird es 2016 bei ihr französisch. Dabei spielt weniger das mondäne Paris als vielmehr das rustikale Landleben zwischen Weinbergen und Lavendelfeldern eine große Rolle.

Schwingende Midiröcke und geknotete Blusen mit Puffärmelchen sowie Petticoat-Kleider mit Blumenprints huldigen, wie immer bei Hoschek, den Fünfzigerjahren. Bevorzugte Farben sind Weiß, Kornblumenblau und Klatschmohnrot. Bei den Schnitten liegt das Hauptaugenmerk immer auf der Taille. Die Dekolletés sind eher züchtig, die Rocklänge ist knieumspielend. Aufregend sind die Modelle dennoch.

Tommy Hilfiger

Tommy Hilfiger

Ab in die Karibik: Tommy Hilfiger hat sein persönliches Paradies, die Insel Mustique, für 2016 zum Modethema gemacht. Für Frühjahr und Sommer setzt er farblich weniger auf die gewohnten Sternenbanner-Farben als vielmehr auf alle Facetten von Himmelblau und den für echtes Reggae-Feeling charakteristischen Mix aus Rot, Gelb, Grün und Schwarz. Der für das US-Label typische "Preppy"-Style mit College-Blazern und Oxford-Bluse wird mit bunten Querstreifen, Palmenmustern, Netz-T-Shirts und bestickten Bomberjäckchen aufgelockert.

Bunte Maxikleider und lässige, auf der Hüfte sitzende Baggyhosen versprechen extrem entspannte Ferien im Bob-Marley-Gedächtnis-Look. Hochgeschlossene Hemdblusenkleider stehen zwar weniger für neue Offenheit, dafür sorgt der Häkel-Bikini, der die Bademode dominiert, für Durchblick. Als tropisches Basic obendrauf gibt es die gestreifte Rasta-Mütze.

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