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Sofas kaufen im Klub

Einrichtung aus dem Internet Sofas kaufen im Klub

Delia Fischer hat mit Westwing im Internet ein Einrichtungsimperium aufgebaut. Um von den Aktionen zu profitieren, müssen Kunden Mitglied werden. Ein Konzept, das Schule macht.

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Möbel, Deko, Accessoires: Das Internetunternehmen Westwing verkauft seinen Shoppingklub-Mitgliedern den Traum vom schönen Wohnen.

Quelle: Westwing

Mit Angela Merkel hat Delia Fischer Mitleid. "Sie wohnt bestimmt in einer ziemlich tristen Kanzleramtsbude", sagt die 31-jährige Unternehmerin. "Ich würde ihr dort gern einen hübschen, entspannten Look hineinzaubern, in dem sie gut runterkommen kann." Fischer denkt beispielsweise an eine elegante, aber bequeme Couch. Auch Duftkerzen würde sie der Bundeskanzlerin empfehlen.

Delia Fischer hat in Sachen Einrichtung nicht nur Selbstbewusstsein, sie hat auch Gewicht. 1984 im bayerischen Nördlingen geboren, ist sie mittlerweile Chefin der Firma Westwing, einer der erfolgreichsten Online-Möbelboutiquen, die in jüngster Zeit im europäischen Raum gegründet wurden.

Delia Fischer

Erfolgreiche Start-up-Chefin: Delia Fischer hat mit 26 Jahren Westwing gegründet.

Quelle: Westwing

In nur fünf Jahren hat die Münchenerin ein kleines Interieurimperium aufgebaut, mit 1600 Mitarbeitern auf drei Kontinenten und einem Jahresumsatz von 183 Millionen Euro. Zugetraut hätte man das der Blondine mit der bayerisch eingefärbten Sopranstimme kaum.

Sie sei selbst erstaunt, sagt Fischer, dass ihr Einfall keine Schnapsidee war: Den Job zu kündigen, dem Herzen zu folgen und mit vier Männern in die Startup-Welt durchzubrennen. Damals, im April 2011. Bis dahin hatte Fischer als Redakteurin bei den Burda-Magazinen "Elle" und "Elle Decoration" gearbeitet. Zuvor hatte sie Modejournalismus und Medienkommunikation studiert. Mit 26 Jahren fühlte sie sich reif für die Selbstständigkeit.

Der Münchenerin war aufgefallen, dass es zwar unzählige Onlineshops mit Bekleidung gab, aber nur wenige Adressen für moderne Möbel und Wohnaccessoires. "Durch meinen Job kannte ich viele tolle Designer und erstklassige Möbelmarken – aber an ihre Produkte kam man schwer heran, geschweige denn zu erschwinglichen Preisen."

Schnäppchen im Tausch für persönliche Daten

Westwing sollte das ändern. Fischer gründete ihr Unternehmen als Shoppingklub: Einkaufen darf nur, wer kostenlos Mitglied wird – und in Kauf nimmt, die persönlichen Daten gegen tägliche Werbemails zu tauschen. Im Gegenzug erhalten die Kunden Rabatte. Das Konzept stammt aus dem Modehandel, es funktioniert aber auch im Reich von Kristallgläsern und Boxspringbetten.

Inzwischen zählt Westwing weltweit mehr als 26 Millionen Mitglieder, davon drei Millionen im deutschsprachigen Raum. Kassettendecken von Böhmerwald, Weingläser von La Rochère oder Kühlschränke von Smeg – jedes der wöchentlich 5000 Produkte ist stets nur wenige Tage und in begrenzten Mengen erhältlich, nach Unternehmensangaben aber bis zu 70 Prozent günstiger als im allgemeinen Handel.

Allein ist die Firma mit ihrer Idee des kuratierten Handels allerdings längst nicht mehr. Auf dem deutschen Markt rüsten sich Onlinemöbelhäuser und Shoppingklubs wie Monoqi, Maisons du Monde und Fashion For Home zurzeit für den Wettbewerb.

Alles kaufbar: Einrichtungsideen von Westwing

Kaufen Sie den ganzen Look: Das Westwing-Konzept gibt es im Online-Modehandel schon lange, doch es funktioniert auch bei Einrichtung.

Quelle: Westwing

Die Geschäftsidee ist stets dieselbe, selbst wenn die Anbieter unterschiedliche Schwerpunkte setzen: Sie alle lenken das Interesse ihrer Mitglieder mit Newslettern, Designer-Interviews und Einrichtungstipps, die sich lesen wie aus einem Lifestylemagazin, auf vorausgewählte Ware zu Sonderpreisen. Ob der Kunde die Produkte benötigt, ist nachrangig. Es geht ums Ganze: Verkauft wird ein Lebensgefühl, transportiert über einzelne Designartikel.

Es ist kein Zufall, dass Start-up-Unternehmer ausgerechnet in dieser Nische ihr Glück versuchen. Der Markt des Onlinemöbelhandels ist verglichen mit dem teilweise angestaubten Image des Fachhandels noch jung – und offen für Newcomer. Zwar kaufen die meisten Deutschen Einrichtungsgegenstände noch immer am liebsten in einem Ladengeschäft beim Fachhändler – also dort, wo sie auch testen können, ob das Sofa bequem und die Sitzfläche des Stuhles zur Höhe des Esstisches passt.

Das Institut für Handelsforschung in Köln aber beobachtet einen zügigen Wandel: Immer mehr Kunden zieht es auch beim Möbelkauf ins Netz, der Markt boomt. Einer der größten Konkurrenten von Westwing ist Home24. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin verzeichnete seit Gründung teilweise Wachstumsraten von bis zu 70 Prozent.

Weiblich, 41, besserverdienend

Die Zielgruppe der Onlinehändler ist in etwa dieselbe. "Unsere Mitglieder sind zu 90 Prozent weiblich, im Schnitt 41 Jahre alt und stammen aus besser verdienenden Haushalten", sagt Fischer. Frauen also, die Zeit haben, bei Rabattaktionen zuzuschlagen und sich auf weitere zu freuen.

Die Kampagnen-Verkäufe haben aber auch Nachteile: Die Auswahl ist dem Zufall geschuldet, die Lieferzeiten sind teilweise sogar für Möbel ungewöhnlich lang. Der Kunde bezahlt, erhält die Ware aber erst, wenn die Rabattaktion abgeschlossen ist. Das stößt auf Kritik. Deshalb haben einige Anbieter von kuratierter Designware bereits reagiert: Fischer gründete WestwingNow, ein Online-Einrichtungshaus mit festem Sortiment.

Einrichtung aus dem Netz – eine Auswahl

Monoqi: Der Shoppingclub mit Sitz in Berlin bietet Produkte nur in limitierter Auflage und zeitlich begrenzt an. Zu entdecken gibt es außergewöhnliche Möbel und Wohnaccessoires, vielfach von internationalen Jungdesignern.

monoqi.com

Made: Bei Made müssen Kunden nicht Mitglied sein, um Designermöbel zu akzeptablen Preisen zu kaufen. Das Londoner Internetunternehmen kauft direkt bei den Manufakturen, das drückt angeblich die Kosten.

www.made.com

Bolia: Das "Edel-Ikea" richtet sich an Fans von skandinavischer Einrichtung. Die dänische Firma verkauft online und in Filialen zeitlose und halbwegs erschwingliche Möbel.

www.bolia.com

Maisons du Monde: Von Landhaus bis Retro, von Industrial bis exotisch: Das französische Onlineeinrichtungshaus Maisons du Monde vereint viele Stile unter einem Dach – und zu vergleichsweise günstigen Preisen.

www.maisonsdumonde.com

Zara Home: Mode für zu Hause – beim Ableger der Modekette gibt es vor allem Accessoires und Wäsche.

www.zarahome.com

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Von Redakteur Sophie Hilgenstock