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Viel Wind um die Ohren

Mützentrend "Helixing" Viel Wind um die Ohren

Mützen hoch: Der neue Kopfbedeckungstrend heißt "Helixing". Doch der ohrfreie Look steht nicht jedem.

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Der erste "Helixer": River Phoenix in "My private Idaho".

Quelle: New Line Cinema

Es liegt in der Natur der Mode, dass sie den Blick von Saison zu Saison auf ein anderes Körperteil lenkt. Wir erinnern uns: Im Sommer hatte die weibliche Fessel viele große Momente – sofern ihre Trägerinnen die fließend-weiten, dreiviertellangen Culottes tragen konnten. Und wenn nicht, dann lieferte die Fessel erst recht reichlich unterhaltsamen Gesprächsstoff.

Im Herbst 2015 richten sich die Blicke nun wieder nach oben, genau genommen ist jetzt ein Körperteil in den Fokus gerückt, der im Wechsel kommender und gehender Trends bisher zumeist unbeachtet blieb: Die Helix, das ist die biologische Bezeichnung für den nach innen gewölbten oberen Rand der Ohrmuschel. Diese Stelle markiert nun genau den Punkt, an dem Mützen und auch so manche Hüte in dieser Saison enden sollen. Oder anders gesagt: Die Mützen rutschen weit nach oben, fast so, als wollten sie eine jüdische Kippa sein.

Fürstlicher Fauxpas

Erst vor wenigen Tagen probierte es Charlène von Monaco mit einem solchen Modell: Anlässlich des monegassischen Nationalfeiertages trug die Ehefrau von Fürst Albert ein schlichtes auberginefarbenes Kostüm. Auf ihrem Kopf saß nicht der für den jüngeren europäischen Adel typische Fascinator, sondern eine dunkelrote Kappe, deren Krempe gerade einmal bis an die Ohren reichte und die neue Kurzhaarfrisur Charlènes komplett verbarg. Manche Modeblogger lobten das Ensemble wegen des gekonnten Bezuges zur Eleganz der Zwanzigerjahre des vorigen Jahrhunderts. Andere bezeichneten den Hut schlichtweg als Topf und bedauerten die Fürstin für ihren Fauxpas.

Männer, die dem vom britischen "Guardian" als "Helixing" benannten Trend folgen, haben es da leichter. Schließlich gibt es unter den Strickmützenträgern zahlreiche abenteuerlich verwegene Vorbilder, die dafür sprechen, es beim Mützentragen auch mal mit der Variante "Ohren raus" zu probieren – da wäre etwa River Phoenix als Mike Waters in "My private Idaho". Dass das stilbildende Vorbild des Mützentrends ausgerechnet aus einem Film aus den Neunzigern stammt, ist kein Zufall. Die Kaputtheit des Grunge steht zurzeit Pate für zahlreiche Kollektionen – und nicht nur Dr.-Martens-Schuhe sind passend zur Kurt-Cobain-Dokumentation "Montage of Heck" zurück.  

Nichts für hässliche Ohren

Für die Parole "Mützen hoch" spricht aber auch, dass das dafür notwendige Aufkrempeln des Mützenrandes mit den Topflappen nicht unähnlichen Myboshi-Häkelmützen nicht zu machen ist. Uneins ist man sich allein über die Zahl der Umschläge, mit der die Mütze gen Stirn verkürzt wird. Einige "Helixer" schwören auf drei, anderen ist das zu wulstig. Sie rollen maximal zweimal.

Einig sind sich Modeblogger und Stylisten dagegen darüber, dass sich der Träger das "Helixing" optisch auch leisten können muss. Menschen mit hässlichen Ohren oder eher ovaler Kopfform sollten, so hart das auch klingen mag, die biedere Variante des Mützentragens vorziehen. Natürlich gibt es auch dazu einen Trend: Fußballer David Beckham etwa versteckt Frisur samt Ohren unter Mütze und nennt es "Pillowing" – "Einbetten". Der Vorteil: Sogar die Ohren bleiben warm.

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