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Mode & Stil Vorsicht, Ansteckungsgefahr
Sonntag Mode & Stil
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20:04 01.10.2015
Von Dany Schrader
Das italienische Modehaus Prada präsentiert auffällige Broschen in seiner aktuellen Herbst/Winter-Kollektion. Quelle: Matteo Bazzi/dpa
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Die Mode geht manchmal seltsame Wege. Geht es etwa um Broschen, kommt man nicht umhin, auch auf die frühere US-amerikanische Außenministerin Madeleine Albright zu sprechen zu kommen. Die Kleidung der Demokratin war von einem "sincere Chic", also einem ernsthaften Kleidungsstil geprägt – inklusive Brosche.

Die Anstecknadeln aber waren nicht immer nur Schmuck, Beobachter sind sich sicher, dass sie auch dazu dienten, subtile Botschaften zu übermitteln. Unter anderem wegen eines legendären Auftritts gilt die Außenministerin als Meisterin der "Broschen-Diplomatie": Damals hatte die irakische Presse Amerikas Secretary of State mit einer Schlange verglichen. Schon bei der nächsten Begegnung mit Minister Tarik Aziz schlängelte sich ein Reptil auf ihrer Brosche. Auch zu anderen Gelegenheiten heftete sich die Politikerin an, was zum Anlass passte: Spinnen, Bienen und Friedenstauben wurden gesichtet. Und das "Time"-Magazine prägte den Ausdruck "Brooching it diplomatically" – diplomatisch gesteckt.

Königlicher Schmuck wird Modeaccessoire

Diese Art, Anstecknadeln zu tragen, ist nicht einmal besonders ungewöhnlich, geschweige denn, neu gewesen. Broschen wurden von jeher eingesetzt, um zu zeigen, was man hat. Ursprünglich, und das war zur Zeit des Alten Roms, wurden die sogenannten Fibeln noch genutzt, um Kleidungsstücke mangels Knöpfen oder Reißverschluss zusammenzuhalten. Schon damals verzierten diejenigen, die es sich leisten konnten, die Nadeln aber mit kostbaren Steinen. Später dann wurde die Brosche zum Bestandteil von Kronjuwelen. Anstecknadeln trug man nicht nur am Körper, sondern auch auf dem Kopf.

Eben dort hat sie für diesen Herbst auch das italienische Modehaus Prada platziert – allerdings in Kombination mit ganz unköniglichen Pferdeschwänzen und fast biederen Blazern sowie A-Linienröcken, die in der Kombination fast an die Uniform britischer Schulmädchen erinnern könnten – wären da nicht die leichten Pastelltöne und die Brokatmuster. Auch Louis Vuitton und Belstaff zeigen in dieser Saison wieder Mut zur Brosche, allerdings weniger staatstragend, sondern eher rau und sportlich an Jacken und Capes für Männer.

Eleganter Schmuckersatz

Trotzdem gilt die Brosche noch immer als ein bisschen damenhaft. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Brosche in Verbindung mit der biederen Kostümmode der Dreißiger- bis Sechzigerjahre als besonders modern galt. Der Eindruck ist geblieben. Selbst wenn der Markt längst von billigen Nachbildungen exzellenten Schmucks überschwemmt und jede ironische Abwandlung des einst so königlichen Schmuckstückes heute denkbar ist. Manche Trägerinnen macht eine Brosche alt. Manche aber lässt sie erstrahlen – etwa wenn die moderne Stilikone Alexa Chung ganz beiläufig eine kleine silberne Schleife an einen niedlichen Priesterkragen steckt und das Ganze mit einer einfachen Jeans kombiniert.

Das Beste an einer Brosche nämlich ist: Wer sie trägt, muss an den passenden Schmuck keinen Gedanken mehr verschwenden. Eine Brosche steht immer für sich allein und den Menschen, der sie ausgewählt hat. Coco Chanel sagte einmal: "Schmuck ist nicht dazu da, Neid zu erwecken – bestenfalls Staunen." Gemeint war die Brosche.

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