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Wie wichtig ist Ihnen Schönheit?

Interview mit Penélope Cruz Wie wichtig ist Ihnen Schönheit?

Sie hätte ein schillerndes Leben in Hollywood führen können. Stattdessen zog Penélope Cruz mit ihrer Familie zurück in ihre Heimatstadt Madrid. Mariam Schaghaghi hat mit der 41-Jährigen gesprochen – über gescheiterte Diäten, den Wert der Familie und Einkäufe auf dem Wochenmarkt.

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Die "Sexiest Woman Alive" ist erstaunlich geerdet: Penélope Cruz zieht das Leben mit ihrer Familie in Madrid dem Hollywood-Glamour vor.

Quelle: afp

Frau Cruz, was passiert eigentlich, wenn Sie in Madrid im Supermarkt auftauchen oder mit einem Paket Windeln über die Plaza Mayor schlendern?
Nichts. Genauso wenig, wie wenn ich das in London oder Los Angeles mache. Das machen Mütter nun mal: Ich gehe zur Apotheke, in den Supermarkt, auf den Markt.

Sind die Madrileños stolz, dass Sie wieder in der Heimat leben statt in Los Angeles?
Ich hatte nie das Gefühl, fortgewesen zu sein. Auch wenn ich einige Jahre in Los Angeles, London oder New York gelebt habe, kam ich immer regelmäßig nach Madrid. Ich hatte immer ein Ticket in der Tasche. Ursprünglich sollte ich in den USA ja nur einen einzigen Film drehen.

Trotz Ihrer internationalen Karriere und der Ihres Mannes Javier Bardem konnte Hollywood also gegen Madrid nicht punkten?
Der größte Teil meiner Familie lebt hier. Und viele meiner Freunde, die ich schon seit meiner Kindheit kenne. Das sind Bindungen, die mir sehr wichtig sind.

Rom kennen Sie wie Ihr zweites Zuhause. Wie war es für Sie, den Kino-Klamauk "Zoolander 2" dort zu drehen?
Ich liebe diese Stadt! Ich kenne Rom so gut, weil ich dort schon vier Filme gedreht habe. Ich spreche ja auch Italienisch. Wir haben eine Dreherlaubnis für Orte bekommen, an die sonst keine Touristen kommen. Wir durften zum Beispiel um vier Uhr früh in die Caracalla-Thermen, wo es zwar schön ist, aber auch sehr beengt. Ich hatte Angst, dass das Licht ausfällt. Es ist toll, in einer Stadt, die man so mag, neue, geheime Orte kennenzulernen. Seltsam war es übrigens auch, morgens um drei Uhr bei "Valentino" an der Spanischen Treppe zu drehen, wenn noch niemand auf der Straße ist.

"Zoolander 2" ist eine Farce auf die Modeszene. Der Berufsalltag von Models ist in Wirklichkeit aber manchmal gar nicht komisch. Sie müssen selbst dann noch strenge Diäten einhalten, wenn ihr Körper unter normalen Maßstäben schon als viel zu mager gilt. Wie gehen Sie damit um?
Ich mag Kurven an Frauen. Und ich finde es schlimm, wenn Mädels für ihre Figur kritisiert werden. Es ist doch egal, ob man ein oder zwei Größen über dem Maß liegt. Es gibt keinen Maßstab für Schönheit. Ich sage: Finger weg von allem, was versucht, Frauen niederzumachen oder ihnen ein Minderwertigkeitsgefühl zu geben.

Nerven Sie Schönheitsideale also?
Sehr. Mich nervt auch die Frage, was ich über das Älterwerden denke – das werde ich schon gefragt, seit ich 22 Jahre alt bin. Na gut, ich habe meine Karriere auch schon mit 15 Jahren begonnen. Aber schon aus Prinzip beantworte ich Fragen nach dem Altern nie.

Dann frage ich nach Ihrer Gesundheit. Achten Sie streng auf Ihren Körper?
Ja, ich versuche meinem Körper Kraft zu geben. Ich ernähre mich gesund, trinke so gut wie keinen Alkohol, ich hasse Drogen – die lehne ich kategorisch ab. Diäten funktionieren meiner Meinung nach alle nicht. Da ist es besser, sich gesund zu ernähren und lieber fünf- statt dreimal am Tag zu essen.

Sie sind heute also ein echter Foodjunkie?
Total. Je mehr ich über Ernährung lerne, desto mehr fasziniert es mich. Darum gehe ich so gern selbst einkaufen: Ich will Obst und Gemüse in die Hand nehmen können und sicher sein, dass es biologisch-organisch ist. Was anderes kaufe ich gar nicht.

Steht sexuelle Attraktivität für Sie im Bezug zum Alter oder zu Körpermaßen?
Gar nicht. Ich bin ein sehr visueller Mensch und fotografiere immer noch sehr gern. Lauren Hutton und Jacqueline Bisset habe ich mal für die französische "Vogue" fotografiert, als ich für die Zeitschrift eine ganze Ausgabe frei gestalten durfte. Ich war sprachlos, als ich die beiden Frauen traf. Sie sind über 60, wunderschön und offen für alles. Wir haben denselben Blick auf das Leben: Es ist lächerlich, die Vielfalt der Welt reduzieren und in Schubladen oder einzelne Begriffe packen zu wollen. Warum muss man alles nach Farben, Formen, Größen und Gruppen einordnen?

Wie definieren Sie Schönheit?
Ein junges, barfüßiges Mädchen in löchrigen Jeans ist für mich genauso schön, als trüge sie ein atemberaubendes Designerkleid. Ich habe mit meiner Schwester Monica mehrere Kollektionen für unterschiedliche Marken entworfen, von Mango bis Loewe. Wir gaben uns dabei Mühe, unterschiedliche Stile und Körperformen zu bedienen. Unsere Entwürfe waren nicht nur für 20-Jährige mit Superkörpern gedacht. Ich suche die Schönheit in der Vielfalt.

Was halten Sie von den Entwürfen der Haute Couture?
Ich habe großen Respekt vor der Arbeit, die dahintersteckt. Durch meinen Beruf habe ich engen Kontakt zu vielen Designern, wie zum Beispiel zu Oscar de la Renta, der ein großer Gentleman war und immer etwas Besonderes für mich bleiben wird. Durch sie habe ich einen Eindruck von der harten Arbeit und vom Talent bekommen, die diese Branche ausmachen. Bei der Arbeit und auf dem roten Teppich habe ich das große Glück, die Traumkreationen tragen zu dürfen. Das genieße ich – welche Frau würde das nicht? Aber privat nimmt Mode bei mir keinen großen Stellenwert ein.

Es ist Ihnen egal, wie Sie aussehen?
Mir ist eher wichtig, dass ich laufen kann. Ich trage keine hohen Hacken mehr wie früher, sondern Schuhe, mit denen ich meinen beiden Kindern auf dem Spielplatz hinterherlaufen kann. Dann ist nebensächlich, wie ich aussehe.

Penélope Cruz mit ihrem späteren Ehemann Javier Bardem in Woody Allens "Vicky Christina Barcelona".

Penélope Cruz mit ihrem späteren Ehemann Javier Bardem in Woody Allens "Vicky Christina Barcelona".

Quelle:

Wie hat sich Ihr Leben verändert, seit Sie im Jahr 2010 Ihren Schauspielerkollegen Javier Bardem geheiratet haben und seitdem Sie Mutter wurden?
Ich habe schon einige Jahre vor der Geburt der Kinder mein unruhiges Leben heruntergefahren. Denn ich wusste langsam nicht mehr, wo ich zwischen all den Figuren, die ich spiele, eigentlich noch stehe. Ich bin das ganze Jahr von einem Dreh zum nächsten gereist und hatte kaum noch Zeit, mich gründlich auf die Rollen vorzubereiten. Das war für mich das Warnsignal, dass ich mein Leben dringend ändern muss. Denn ich genieße es, meine Figuren genau auszuloten. Dann fühle ich mich wieder in die Zeit meiner Schauspielausbildung zurückversetzt. Jede neue Figur ist für mich eine neue Herausforderung, die ich frisch angehen möchte.

Demnächst sieht man Sie im spanischen Drama "Ma Ma" als Krebskranke.
Das Thema kam zu mir. Mir war es besonders wichtig, mir Zeit für die Frauen zu nehmen, die mich an ihren persönlichen Geschichten teilnehmen ließen. Diese Gespräche nahmen einen großen Teil meiner Vorbereitung ein. Früher habe ich meist vier, fünf Filme pro Jahr gedreht, daher fiel die Vorbereitungsphase immer so kurz aus. Jetzt liegen meine Prioritäten anders, meine Kinder stehen an erster Stelle. Ich habe das Glück, einen Beruf auszuüben, den ich liebe. Doch mir ist es wichtig, das Gleichgewicht zwischen Familie und Beruf zu halten.

Sie wollen bald auch Regie führen. Warum haben Sie sich eine Dokumentation über Leukämie für Ihr Debüt ausgesucht?
Als Produzentin von "Ma Ma" habe ich viel über Krebs gelernt. Daraufhin habe ich eine Schmuckfirma kontaktiert, mit der ich arbeite, und wir haben eine Stiftung für leukämiekranke Kinder gegründet. Mit dem Erlös von Charity-Armbändern wollen wir unter anderem die Forschung vorantreiben. Einer der Mitgründer hatte selbst ein leukämiekrankes Kind, das inzwischen geheilt ist. Ich werde die Arbeit der Stiftung dokumentieren. Das wird Monate dauern, weil ich die Kinder zu Hause besuche und Zeit mit ihnen verbringe.

Wie war es für Sie als Mutter, kranke Kinder so intensiv zu erleben?
Diese Kinder sind für mich eine Revolution. Ich habe mich in alle von ihnen verliebt, auch weil mich ihr Schicksal berührt. Aber wichtiger als mein Gefühl ist die Gelegenheit, meinen Beitrag für diese wichtige Sache zu leisten. Die Kids sollen die Möglichkeit haben, mit eigenen Worten zu schildern, wie es ist, mit Leukämie zu leben.

Ist diese Dokumentation auch ein Tribut für das Leben, das Sie führen?
Es ist eine Art, Danke zu sagen. Ich bin gesund, meiner Familie geht es gut – wenn sich mir eine Möglichkeit wie diese bietet, lenke ich gern die Aufmerksamkeit auf Menschen, die es schwerer haben. Es ist schön, einen Film zu machen, der mal nicht der reinen Unterhaltung dient. Deswegen ist die Dokumentation mein Herzensprojekt.

Von einem Männermagazin erhielten Sie den Titel "Sexiest Woman Alive". Welches Kompliment würde Sie außer diesem erfreuen?
Meine Mutter hat mir mal gesagt, dass ich ein sehr fairer Mensch sei. Wenn die eigene Mutter so etwas sagt, kann man doch darauf stolz sein, oder?

Zur Person
Filmisches Traumpaar: Regisseur Pedro Almodóvar mit seiner Muse Penélope Cruz.

Filmisches Traumpaar: Regisseur Pedro Almodóvar mit seiner Muse Penélope Cruz.

Quelle: Peter Foley / epa

Entdeckt war Penélope Cruz eigentlich schon, als ihr Lieblingsregisseur ins Spiel kam: In Spanien trat die 1974 geborene Tochter eines Automechanikers und einer Friseurin in Musik- und Fernsehshows auf, auch mit Auftritten auf der großen Leinwand hatte sie bereits auf sich aufmerksam gemacht ("Belle Epoque"). Und tanzen konnte sie auch noch! Dennoch gebührt das eigentliche Verdienst, aus Cruz einen internationalen Kinostar gemacht zu haben, ihrem Landsmann Pedro Almodóvar.

Ihr erstes gemeinsames Werk hieß "Live Flesh" (1997), Cruz hatte nicht einmal eine Hauptrolle in der Tragikomödie. Aber egal, ein Filmemacher und seine Muse hatten sich gefunden. Immer wieder fand das cineastische Traumpaar zusammen, Filme wie "Alles über meine Mutter" (1999), "Volver – Zurückkehren" (2005), "Zerrissene Umarmungen" (2009) oder zuletzt "Fliegende Liebende" (2013) entstanden.

Gefesselt vom Kino

Genau genommen hatte Cruz ihren Mentor aber schon viel früher kennengelernt, wie sie gestand: Als Teenager hatte sie sich demnach in eine Vorstellung seines erotischen Films "Fessle mich!" geschmuggelt und war fortan selbst gefesselt vom Kino. Kokett behauptete Almodóvar über die gemeinsamen Anfänge, dass Cruz so aufregend gewesen sei, dass er kurzfristig darüber nachgedacht habe, seine sexuelle Orientierung noch einmal in Frage zu stellen. Er blieb schwul, hätte es aber auch mit einer eindrucksvollen Konkurrentenriege zu tun bekommen.

Cruz, als 40-Jährige vom Männermagazin "Esquire" zur "Sexiest Woman Alive" gekürt, machte nicht nur mit ihren Rollen Furore, sondern auch mit Männern, die sie vorzugsweise vor der Kamera kennenlernte. Der berühmteste in dieser Reihe heißt zweifellos Tom Cruise. Mit dem Superstar hatte sie "Vanilla Sky" (2001) gedreht. Folgt man den in Liebesdingen gut orientierten bunten Blättern, schlossen sich Beziehungen mit Matthew McConaughey, Orlando Bloom und auch Josh Hartnett an.

Am Set zu Woody Allens Komödie "Vicky Cristina Barcelona" funkte es dann wieder ganz heftig. Cruz verliebte sich in ihren Kollegen Javier Bardem. Den hätte sie genau genommen auch schon früher haben können: Der spanische Schauspieler war bereits bei Almodóvars "Live Flesh" dabei. Vor sechs Jahren haben die beiden auf den Bahamas geheiratet. Dann kam Sohn Leo zur Welt, drei Jahre später folgte Tochter Luna.

Privates Glück und Oscar-Ehren

Das private Glück hat dazu geführt, dass sich Cruz ein wenig rar auf der Leinwand macht. Den Oscar als beste Nebendarstellerin nennt sie sowieso schon seit 2009 ihr Eigen: Bei der Komödie "Vicky Cristina Barcelona" eroberte sie nicht nur das Herz von Bardem, sondern auch die begehrte Trophäe.

Noch einige ruhmreiche Auszeichnungen mehr hat Cruz im Schrank, 2002 handelte sie sich aber auch gleich drei Nominierungen als schlechteste Darstellerin ein. Am Ende blieb ihr die Goldene Himbeere für "Vanilla Sky", "Blow" oder "Corellis Mandoline" erspart. Aktuell ist Penélope Cruz in "Zoolander 2" zu sehen. Ob sie auch bei dieser Brachialkomödie auf den ein oder anderen Preis hoffen darf?

Von Stefan Stosch

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