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Welchen Preis bezahlt ein Teeniestar?

Interview mit Robert Pattinson Welchen Preis bezahlt ein Teeniestar?

Als "Twilight"-Vampir löste Robert Pattinson Kreischalarm auf den roten Teppichen aus, nun ist er kaum wiederzuerkennen. Er rührt Honig in den Kaffee, kichert und versteckt sein Gesicht hinter einem Vollbart. Der 29-Jährige ringt darum, die Zeit als Teenieschwarm hinter sich zu lassen.

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"Die meiste Zeit war ich damit beschäftigt, mich zu verstecken", sagt Robert Pattinson über die "Twilight"-Zeit. Heute geht er wieder in den Supermarkt.

Quelle: Tim Brakemeier/dpa

Herr Pattinson, normalerweise werden Sie von Promi-Fotografen gejagt. Wie fühlt es sich an, in Ihrem neuen Film "Life" einen Fotografen zu spielen, der umgekehrt hinter Stars her ist?
Ich spiele den ganz jungen Magnum-Fotografen Dennis Stock, der auf den ebenso jungen James Dean aufmerksam wird, bevor dieser zur Ikone wird – nicht zuletzt durch die Aufnahmen von Stock, auf denen ein missmutiger James Dean mit Zigarette im Mundwinkel auf dem verregneten Times Square zu sehen ist. Stock hätte Sie sicher gehasst, wenn Sie ihn einen Paparazzo genannt hätten. Er verstand sich als Künstler, setzte alles daran, als solcher wahrgenommen zu werden. Und so sehe ich ihn auch.

Okay, in den Fünfzigern waren die Zeiten auch noch gemütlicher. Wie würden Sie reagieren, wenn sich Ihnen heute jemand nähert und sagt: "Hey, Robert, ich will ein paar Fotos von dir machen" – so wie es Stock mit Dean tat?
Das wäre unmöglich. Da würde ich glatt auf die Idee kommen, dass ein Psychopath hinter mir her ist. Aber damals war das anders: Es gab keine Handys und keine Amateurknipser, nur professionelle Fotografen – und die mussten dann noch ein Magazin finden, das ihre Bilder publiziert. Heute wird das Internet mit Smartphone-Bildchen überschwemmt.

Wie kommen Sie mit den allgegenwärtigen Handy-Fotos klar?
Viel hängt von meiner Laune ab. Wenn ich gut drauf bin, ist alles okay. Wenn nicht, fühle ich mich belästigt. Man muss auch aufpassen, dass man nicht komisch wird und sich verfolgt fühlt: Irgendwann glaubst du, dass auch Leute von dir Bilder schießen wollen, die viel Besseres mit ihrem Tag vorhaben.

Haben Sie den "Twilight"-Medienhype mit Anfang 20 gut verkraftet?
Die meiste Zeit war ich ja damit beschäftigt, mich zu verstecken. Du befindest dich in einem Schockzustand. Du kriegst gar nicht recht mit, was alles um dich herum vorgeht. In gewisser Weise wurde meine persönliche Entwicklung gestoppt. Das war seltsam: Eben war ich noch 22, plötzlich war ich zwei, drei Jahre älter. Ich habe ja auch die ganze Zeit gearbeitet, viel gedreht in dieser Zeit. Das war Wahnsinn. Meine erste richtige Pause hatte ich nach dem letzten "Twilight"-Film.

Aber jetzt ist es ruhiger? Mit dem Vollbart, den Sie momentan tragen, erkennt Sie sowieso niemand.
Stimmt, ich gehe inzwischen auch wieder in einen Supermarkt, ohne mich umzuschauen. Ich habe glücklicherweise Selbstvertrauen gewonnen. Aber vorsichtig bin ich immer noch: Man will ja kein Foto in der Öffentlichkeit, auf dem man betrunken ist oder so.

Glauben Sie, dass Sie das Image als Teenie-Schwarm inzwischen abgeschüttelt haben?
Das eigentliche Problem war: Du wirst nach seltsamen Kriterien bemessen, wenn du an gigantisch teuren Filmen beteiligt bist, auf denen so viel Druck lastet. Die entscheidende Frage dabei ist immer: Wie viele Millionen spielen diese Filme ein? Das ist doch lächerlich! Man muss aufpassen, nicht in dieser Welt stecken zu bleiben.

Sie haben bestimmt so viel Geld verdient, dass Sie sich aus dieser Welt zurückziehen könnten. Warum tun Sie das nicht?
So viel Geld ist es sicher nicht, aber wissen Sie: Darüber denkt man auch nicht wirklich nach. Geld ist nicht das oberste Ziel eines jungen Schauspielers. Und genug Geld zu haben ist kein Grund aufzuhören.

Was ist Ihr Ziel?
Schwer zu sagen. Erst langsam kristallisiert sich ein Weg heraus, auch bei meiner Filmauswahl. In der „Twilight“-Ära habe ich gewissermaßen immer wieder auf den Reset-Knopf gedrückt, und dann kam der nächste Film.

Wie ging es weiter?
Ich habe vorsichtige Schritte in die Realität unternommen. Ich habe immer versucht, strikt zu unterscheiden: Da war die Figur, die ich in den Filmen spielte, und hier war mein wirkliches Leben, gänzlich unabhängig davon.

Und heute?
Jetzt versuche ich, persönlichere Filme zu machen, die mehr mit mir zu tun haben und über die ich eine größere Kontrolle habe. Ich drehe mit Autorenfilmern wie David Cronenberg oder wie jetzt mit Anton Corbijn.

Was ist bei denen anders?
Sie beschützen einen. Sie lassen sich nicht von außen dirigieren – anders als ein Regisseur, der im Auftrag eines großen Studios arbeitet. Wenn es wirklich darauf ankommt, dann kommt ein Anruf von höherer Stelle, und dann ist es nicht mehr der Film des Regisseurs, sondern der des Studios.

Und jetzt öffnen Sie Ihrerseits die Türen für Filmemacher: Cronenberg sagt, dass Ihr Name auf dem Plakat seinen Film "Cosmopolis" erst finanzierbar gemacht hat.
Na, ich hoffe mal, dass die Regisseure mich nicht nur buchen, damit sich ihre Filme finanzieren lassen. Und ich übernehme ja auch ganz kleine Rollen, zum Beispiel in Werner Herzogs „Königin der Wüste“ als Lawrence von Arabien. Ich glaube aber sowieso nicht, dass heute noch irgendein Schauspieler garantieren kann, dass sein Name das Publikum in Scharen ins Kino zieht. Diese Zeiten sind vorbei. Mit ganz wenigen Ausnahmen. Eine davon heißt Brad Pitt.

Vieles, was Sie erzählen, klingt bitter: Würden Sie jungen Leuten überhaupt wünschen, so einen Erfolg zu haben wie Sie mit "Twilight"?
Moment, es war auch eine tolle Zeit! "Twilight" war eine ganz besondere Sache, schon wegen der begeisterten Fans. Jungen Schauspielern aber würde ich raten, sich nicht überwältigen zu lassen. Sie sollten aufpassen, sich ein gesundes Verhältnis zur Wirklichkeit zu bewahren. Sonst kann man leicht abdriften – und das kriegt man dann womöglich erst viel später mit. Also: Passt gut auf euch auf!

Vom Segen und Fluch, ein berühmter Kino-Vampir zu sein

Das muss bitter sein für einen aufstrebenden Schauspieler: Da arbeitet er hart, um mit einer großen Rollenvielfalt sein Talent zu beweisen – und worauf stürzen sich die Medien in einem geradezu pawlowschen Reflex? Immer noch auf eine alte Geschichte: Zusammen mit Kristen Stewart stieg Robert Pattinson in der „Twilight“-Saga zwischen 2008 und 2012 zum Hollywoodstar auf. Sie spielte in den vier Filmen die toughe Bella, er den geheimnisvoll-bleichen Vampirsprössling Edward Cullen. Die „Romeo und Julia“-Romanze unter Blutsaugern beruhte auf den Büchern von US-Autorin Stephenie Meyer und löste unter jüngeren Fans einen Hype aus wie zuvor nur „Harry Potter“. Und selbst da war Pattinson mit von der Partie. Der 1986 geborene Londoner spielte 2005 im vierten Abenteuer um den Zauberlehrling den Quidditch-Spieler Cedric Diggory.

Kristen Stewart und Robert Pattinson alias Bella und Edward in "Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen?".

Solche Blockbuster bedeuten einen Segen für einen jungen Schauspieler, doch kann sich eine Verbindung zu nur ein oder zwei erfolgreichen Kinofiguren auch zum Fluch entwickeln. Man kommt nicht mehr los davon. Pattinson selbst hat schon früh dagegen gekämpft, als Teenieschwarm vereinnahmt zu werden.

Der Sohn eines Gebrauchtwagenhändlers und eines Models setzt alles daran, aus dem erdrückenden Rollengefängnis auszubrechen. In der Zirkusgeschichte „Wasser für die Elefanten“ trat Pattinson 2011 an die Seite von Reese Witherspoon und Christoph Waltz. Später entdeckte er David Cronenberg als wichtigen Verbündeten. Für den kanadischen Regisseur setzte sich Pattinson in „Cosmopolis“ (2012) in eine Stretchlimousine und ließ sich als lebensmüder Milliardär durch Manhattan kutschieren. Mehr Lob als für diese Leistung verdiente er sich in Cronenbergs Hollywoodsatire „Maps to the Stars“ (2014).

Der kanadische Regisseur David Cronenberg (l.) zusammen mit Robert Pattinson.

Quelle: Jens Kalaene/dpa

In „Life“, der am 24. September ins Kino kommt, spielt Pattinson nun den blutjungen Magnum-Fotografen Dennis Stock, der Mitte der Fünfzigerjahre das Starpotenzial eines aufstrebenden Hollywoodschauspielers entdeckt. Sein Name: James Dean. Inszeniert hat den Film der niederländische Regisseur Anton Corbijn, der selbst als Fotograf vornehmlich von Musikern (von Depeche Mode bis U2) bekannt geworden ist und deshalb weiß, welche Vertrautheit zwischen Fotograf und Fotografiertem entstehen kann.

Nebenbei hat sich Pattinson als Sänger versucht, ist inzwischen aber mit einer richtigen Sängerin liiert: FKA Twigs wird jetzt durch die bunten Blätter gereicht, wenn es um sein Privatleben geht. Aber solche Gerüchte lassen den Star kalt: Er will ja nur spielen.

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