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Wie wird man Millionär?

Interview mit Carsten Maschmeyer Wie wird man Millionär?

Er besitzt Hunderte Millionen – nun will er Deutschland mit einem Buch zum Land der Millionäre machen: Der AWD-Gründer Carsten Maschmeyer hat schon den ewigen Urlaub versucht und die 100-Stunden-Woche. Dirk Schmaler sprach mit dem Selfmademan über die wichtigen Dinge des Lebens.

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Carsten Maschmeyer liebt das Gärtnern, interessiert sich nicht für Statussymbole – und will Deutschland zum Land der Millionäre machen.

Quelle: Photothek

Herr Maschmeyer, was bedeutet Ihnen Geld?
Vor allem Unabhängigkeit und Freiheit, nicht Luxus und Statussymbole. Finanzielle Unabhängigkeit heißt für mich, nicht mehr arbeiten zu müssen, um die Lebenshaltungskosten zu bestreiten. Außerdem kann man mit Geld anderen helfen. Es ist einfacher, großzügig zu sein, wenn man die finanziellen Möglichkeiten dazu hat.

Sie gehören zu den reichsten Bundesbürgern. Verlieren Statussymbole ihren Reiz, wenn man sie sich alle kaufen kann?
Ich mach mir nichts daraus. Zum Beispiel Autos: Freunde sagen mir, Mensch, kauf dir doch mal einen tollen Oldtimer oder ein cooles Rennauto. Aber das interessiert mich nicht. Autos sind für mich nur ein Mittel, um von A nach B zu kommen. Andere haben eine Uhrensammlung. Ich habe eine Uhr und eine zweite, die ist wasserfest, für den Urlaub.

Das klingt ja fast bescheiden. Heißt das, Sie haben keine kostspieligen Hobbys?
Ich liebe Gärten und das Gärtnern und habe große Freude an besonderen Bäumen. Um meine Ideen ausleben zu können, kaufe ich auch schon mal ein Grundstück. Dafür gebe ich gerne Geld aus. Und ich sammle zeitgenössische Kunst. Aber das sind sogar oft rentable Wertanlagen.

Sie buddeln gern im Garten?
Seltene und schöne Pflanzen sind meine echte Leidenschaft. Wir haben vor zehn Jahren ein verwildertes Grundstück in Frankreich gekauft. Es wirkte wie ein großer Dschungel. Meine Frau sagt: Wenn wir da sind, verwandele ich mich in ein Kind. Ich geh’ schon morgens vor dem Frühstück los, bin bis zum Mittag nicht zu sehen und komme dann völlig verschwitzt und verdreckt wieder aus dem Wald. Das Arbeiten in der Natur macht mich glücklich.

Wissen Sie, wie viel Geld Sie besitzen?
Ich habe eine ungefähre Schätzung. Ich gucke aber nicht jeden Tag auf die Börsenstände oder kalkuliere den Wert von Beteiligungen, woraus sich mein Vermögen ergeben würde. Ich messe schließlich auch nicht jeden Tag Blutdruck.

Sie haben ein neues Buch geschrieben. Es heißt "Die Millionärsformel". Klären Sie uns auf: Wie wird man Millionär?
Im Grunde kann jeder seine Finanzsituation verbessern. Ist jemand 65 und hat keine Ersparnisse, ist es jedoch schwieriger als für jemanden, der am Beginn seines Berufslebens steht. Am leichtesten ist es für die 20- bis 30-Jährigen. Für diese Altersgruppe lautet die Millionärsformel: Tun Sie alles, um Ihr Einkommen zu verbessern. Reduzieren Sie durch geschicktes Einkaufen Ihre Kosten. Und legen Sie das übriggebliebene Geld rentabel an. Das Ziel ist es, eine möglichst große Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben zu schaffen. Die ist das Reichwerdpotenzial. Dieser Betrag muss rentabel angelegt werden, möglichst unter Nutzung von Steuervorteilen und Zuschüssen. Als Beispiel: Wenn man 10 Euro am Tag spart, weitere 10 Euro durch Steuervorteile und Zuschüsse dazubekommt und das Geld bei sieben Prozent  anlegt,  hat man nach 35 Jahren die Million zusammen.

Wo können die Deutschen sparen?
Es geht darum, bedacht mit seinem Geld umzugehen. Muss man zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit für fünf Euro einen Becher Kaffee kaufen, oder kann es nicht auch der Kaffee zu Hause oder im Büro sein? Da ein Softdrink, dort ein Snack – das sind echte Geldfresser. Wer diese fünf Euro am Tag lohnend investiert, der hat nach 35 Jahren eine Viertelmillion auf dem Konto. Das kann zum Eigenheim führen oder als Startkapital für die Selbstständigkeit dienen. Das muss man sich bewusst machen. Den Moment des Überlegens, ob man für eine bestimmte Sache Geld ausgibt, nenne ich die reichste Minute.

Sie sind bald Teil der Fernsehshow "Die Höhle der Löwen". Dort vergeben Sie Kapital an Jungunternehmer. Warum machen Sie das?
Als ich gefragt wurde, ob ich bei der "Höhle der Löwen" mitmachen möchte, habe ich zugesagt, weil das echte Investorenrealität ist. Es gibt kein Drehbuch, sondern ich mache einfach das, was ich tagtäglich tue: Gründerteams stellen ihre Idee vor und wir entscheiden, ob wir einsteigen oder nicht. Die bisherigen Drehtage waren spannend. Was mich besonders freut, ist, dass die jungen Gründer nicht nur an Kapital interessiert sind, sondern vor allem auch an meiner Erfahrung als Unternehmer.

Haben Sie Tipps von Ihrer Frau Veronica Ferres bekommen für die Show?
Ja, obwohl wir unsere Karrieren in der Regel strikt trennen. Generell riet sie mir, dass ich nicht so streng sein soll, auch wenn mal eine Idee eines Jungunternehmers noch nicht ausgereift ist.

Sie könnten Ihre Zeit auch am Pool liegend verbringen, die Sonne scheinen lassen. Was treibt Sie an?
Ich habe es schon einmal probiert: den Urlaub ohne Ende. Das war vor acht Jahren. Das hat ein paar Wochen irre Spaß gemacht. Aber dann kam die Phase, in der ich morgens plötzlich nicht mehr wusste, was ich Sinnvolles machen könnte. All die Dinge, auf die ich mich so gefreut hatte, interessierten mich plötzlich nicht mehr: in Ruhe einen Film schauen, ein Buch lesen, durch die Stadt spazieren, ins Museum gehen. Da war plötzlich so eine Leere. Da habe ich gemerkt, ich bin und bleibe Unternehmer.

Ihr Buch steht in den Hitlisten oben. Haben die Menschen so viel Angst vor dem finanziellen Abstieg?
Es trifft den Zeitgeist und beantwortet die Fragen vieler Menschen. Es geht in meinem Buch auch um die richtige Motivation, sein Leben bewusst zu planen. Sparen und Finanzplanung sind ein Teil von Selbstoptimierung, das ist ein Trend. Die Sorgen um den Euro, Inflation, Börsencrashs und Nullzinsen werden durch die vielen aktuellen Krisen verstärkt: Die Menschen haben Ängste – und wollen sich finanziell absichern.

Nahmen zwei Flüchtlingsfamilien bei sich auf: Veronica Ferres und Carsten Maschmeyer

Nahmen zwei Flüchtlingsfamilien bei sich auf: Veronica Ferres und Carsten Maschmeyer.

Quelle: dpa

Sie stehen immer wieder in der Kritik. Haben Sie daran gedacht, auszuwandern?
Nein. Mir ist bewusst, dass ich für manche, insbesondere Kapitalismusgegner eine Projektionsfläche bin und für Quote sorge. Mein Vermögen, meine Ehefrau, einflussreiche Freunde – das ist für einige zu viel. In der Vergangenheit wurden bestimmte Fehlentwicklungen an den Finanzmärkten fälschlicherweise mit mir verknüpft. Entscheidend ist: Ich kann in den Spiegel gucken. Zwei Millionen Menschen haben sich durch meine Erfindung der unabhängigen Finanzberatung finanziell sehr verbessert.  

Tausende Anleger haben Geld verloren und werfen Ihnen vor, sie falsch beraten zu haben.
Einige hatten Pech mit Immobilienfonds, die sich nicht gut entwickelt haben. Aber es sind doch die Initiatoren der Fonds, denen die Menschen das Geld anvertraut haben. Sie haben eine Verantwortung, sie müssen den Kunden die Verluste ersetzen.

Tun Ihnen diese Anleger nicht leid?
Ich kann den Ärger der Sparer verstehen, die Geld verloren haben, weil deren Fonds sich vorübergehend nicht gut entwickelt haben. Aber die Verantwortung liegt bei den Anbietern. Wer bei VW ein Auto gekauft hat mit zu viel CO₂-Ausstoß, macht dafür doch auch nicht den Verkäufer verantwortlich, der ihm die Probefahrt vermittelt hat. Das ist ein Werksfehler und eben nicht die Verantwortung des Verkäufers. Glücklicherweise haben sich viele dieser Fonds durch den Aufwärtstrend der Immobilienmärkte wieder gut entwickelt.

Sie haben kürzlich zwei Flüchtlingsfamilien bei sich zu Hause aufgenommen. Wie muss man sich das vorstellen: Haben die bei Ihnen am Tisch gesessen?
Die Familien haben in unseren leerstehenden Kinderzimmern gewohnt. Wir haben ein Wohnzimmer und eine Küche benutzt, mal haben sie gekocht, mal wir. Wir haben uns an arabische Speisen gewöhnt, die übrigens sehr lecker sind. Auch wir wollten einen kleinen Beitrag zur Integration leisten.

Was haben Sie gelernt?
Mich hat am meisten bewegt, als sie mir bei Google Earth die Fluchtroute gezeigt haben. Einer der Flüchtlinge ist drei Monate zu Fuß immer wieder in Lagern unterwegs gewesen. Der andere war elf Tage mit 160 Menschen auf einem Schiff unterwegs, das für 50 Leute zugelassen war. Nur mit einer Flasche Mineralwasser. Man kann das Privileg, in einem sicheren Land zu leben, gar nicht genug schätzen.

Wie lange haben die Flüchtlingsfamilien bei Ihnen gelebt?
Vier und fünf Monate. Bis auf einen einjährigen Jungen sprechen alle Kinder schon ganz gut Deutsch, der Vater geht zur Umschulung. Das ist eine sehr positive Entwicklung in diesen wenigen Monaten. Wir haben mittlerweile für beide Familien Wohnungen gefunden. Ich habe gerade vergangene Woche beide Familien besucht. Ich werde auch in den nächsten Jahren für sie da sein. Aber sie müssen fleißig sein und arbeiten, um irgendwann – auch wirtschaftlich – auf eigenen Beinen stehen zu können. Das muss von ihnen selbst kommen.  

Und, sind Sie nun froh, wieder für sich zu sein?
Natürlich haben wir auch ein Stück Privatsphäre zurückbekommen. Aber es ist auch stiller geworden in unserem Haus. Hier war so viel Leben.

Zur Person
Carsten Maschmeyer und Veronica Ferres

"Meine Frau ist der Star": Veronica Ferres und Carsten Maschmeyer sind seit 2014 verheiratet.

Quelle: Britta Pedersen / dpa

Hotel Adlon am Pariser Platz in Berlin, oberster Stock, eine Suite, mehrere Berater – so viel Luxus muss dann eben bei einem Interviewtermin doch sein für einen Mann, dessen Vermögen manche auf mehr als eine Milliarde Euro taxieren. Das Umfeld ist gut gelaunt, ein Mitarbeiter blickt auf sein Handy, um die Verkaufscharts bei dem Online-Buchhandel Amazon abzufragen: Platz 1. Es ist das meistgekaufte Buch des Tages.

Maschmeyer ist zufrieden. Weniger, weil er auf die Erlöse aus ist. Schon eher, weil es ihm gut tut zu sehen, dass die Menschen da draußen Wert legen auf seinen Rat. Auf den Rat eines Mannes, mit dessen Image es nicht immer zum Besten stand.

Aus ärmlichen Verhältnissen zum Millionär

Carsten Maschmeyer kam alles andere als reich auf die Welt. In Bremen und Hildesheim ist er aufgewachsen, ohne Vater, mit sehr wenig Geld, mit einem Stiefvater, der ihn, wie er es einmal erzählte, geschlagen hat. Aus den Demütigungen der frühen Jahre wurde der unbedingte Wille zum Erfolg.

Maschmeyer arbeitete seit Mitte der Siebzigerjahre als Finanzberater, zehn Jahre später kaufte er den Allgemeinen Wirtschaftsdienst AWD, mit dem Ziel, unabhängig von einzelnen Banken und Versicherungen Kunden in Finanzdingen zu beraten. Das Unternehmen wuchs sehr schnell, im In- und Ausland. Ab dem Jahr 2000 war der Konzern im M-Dax gelistet.

Maschmeyer polarisierte: Die einen sahen in ihm ein Finanzgenie, ein wachsender Stamm von Kunden fand, dass ihre eigenen Finanzen durch AWD-Dienstleistungen tatsächlich optimiert wurden. Kritiker sprachen von unsauberen Geschäftspraktiken, und einige Kunden fühlten sich gar durch falsche Beratung geschädigt und gingen vor Gericht – Maschmeyers Anwälte konnten in vielen Fällen kontern, die Kunden hätten bewusst Risiken in Kauf genommen.

Gute Kontakte zur "Maschsee-Mafia"

Im Jahr 2008 übernahm der Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life den AWD, Maschmeyer verkaufte seine Anteile – und zog sich aus dem Geschäft zurück. Der Zeitpunkt war gut gewählt: Kurze nach dem Deal erschütterte die Pleite bei Lehman Brothers in den USA die gesamte Banken- und Versicherungswelt. Heute reist er um die Welt, um Startups mit Kapital zu versorgen, junge Unternehmer zu beraten – und Bücher zu schreiben. Er besitzt Firmenanteile von Dutzenden Unternehmen in Deutschland, aber auch im kalifornischen Silicon Valley.

Maschmeyer pflegt gute Kontakte zu den Mächtigen in Hannover, er gilt als Freund von Ex-Kanzler Gerhard Schröder und Ex-Bundespräsident Christian Wulff. Medien haben für die bemerkenswerte Verbindung einflussreicher Menschen rund um Maschmeyer den Begriff "Maschsee-Mafia" erfunden. Dabei hat der 56-Jährige seinen Hauptwohnsitz nach München verlegt – auch weil seine Stieftochter dort zur Schule geht.

Maschmeyer, der seit September 2014 in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Veronica Ferres verheiratet ist, pendelt regelmäßig zwischen der München und Hannover, wo er eine Villa bewohnt. Auf dem Roten Teppich als Begleitung seiner Frau ist Maschmeyer nur selten zu sehen. Er nehme lieber den Eingang für die normalen Gäste, sagt er. "Der Star ist schließlich meine Frau."

Von Dirk Schmaler

Maschmeyer-Buch ist sehr gefragt

Das neue Buch des hannoverschen AWD-Gründers und Investors Carsten Maschmeyer (56) trifft offenbar einen Nerv beim Publikum. Wie aus Verlagskreisen verlautete, gab es bei einer Startauflage von 30.000 Exemplaren eine Woche nach Veröffentlichung bei dem Online-Versandhändler Amazon kein Buch mehr auf Lager. Es sei vergriffen. In der "Spiegel"-Bestseller-Liste soll das Buch, in dem der Multimillionär und Ehemann von Schauspielerin Veronica Ferres beschreibt, wie man es zu einem eigenen Vermögen bringen kann, am Wochenende auf Platz vier einsteigen, hieß es aus Verlagskreisen.

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