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Wie wird man mit Wein Millionär, Herr Jauch?

Interview Wie wird man mit Wein Millionär, Herr Jauch?

Er war Radiomoderator, Sportreporter und ist mit "Wer wird Millionär?" der Quizmaster der Nation. Günther Jauch (59) hörte mit seinem Polit-Talk auf und arbeitet nun öfter im eigenen Weinberg an der Saar. Olaf Majer fragte nach, warum der Wetterbericht wichtiger sein kann als die Einschaltquote.

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Erfolgreicher Moderator und der Quizmaster der Nation: Günther Jauch ist auf dem familieneigenen Weingut Von Othegraven unter die Winzer gegangen.

Quelle: dpa

Wenn Sie als Arbeiter im Weinberg loslegen: Was machen Sie am liebsten?
Ich habe schon überall mitgemacht. Aber entscheidend ist für mich die Frage, wo ich dem Weingut am meisten helfen kann. Wenn ich also im Weinberg stehe und unsere Saisonarbeitskräfte anfangen zu lachen, weil ich in der Weinlese zu langsam oder zu ungeschickt bin, dann mache ich doch lieber Telefondienst im Sekretariat. Und sicher ist es eher meine Stärke, das Weingut nach außen hin zu repräsentieren. Das kann eine Weinmesse, aber auch mal ein nettes Dinner sein, wo unsere Weine gereicht werden und ich für von Othegraven werbe.

Günther Jauch hört als Talkmaster im Ersten auf. Seine Sendung wird zum Ende des Jahres eingestellt.

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Vor fünf Jahren haben Sie sich als Azubi im Weinbau beschrieben. Sind Sie heute weiter?
Ganz ehrlich: Viel nicht. Meine Frau ist immer noch der größere Weinexperte von uns beiden. Aber wir haben auch eine exzellente Mannschaft hier auf dem Weingut. Auf diese geballte Fachkompetenz kann ich mich verlassen. Da will ich auch gar nicht allzu sehr stören.

2010 haben Sie das familieneigene Weingut von Othegraven an der Saar vor dem Verkauf an Fremde gerettet und selbst übernommen, Ende 2015 ihre Talksendung in der ARD aufgegeben. Was war die bessere Entscheidung von beiden?
Naja, dass ich meinen Vertrag mit der ARD nicht verlängert habe, hat mir schon ganz andere zeitliche Möglichkeiten eröffnet, hier mitzuarbeiten. Als ich noch die Talkshow "Günther Jauch" hatte, war ich ab Mittwochabend ununterbrochen in Berlin redaktionell eingebunden. Nach der Sendung bin ich Montagmorgen mit der Frühmaschine nach Köln geflogen, um dort meine RTL-Sendungen zu machen und mich um meine Produktionsfirma zu kümmern. Das ist jetzt natürlich anders. Ich habe schlicht mehr Zeit, mich auch ums Weingut zu kümmern.  

Gibt es ein Leben nach dem Fernsehen für einen Fernsehmoderator? Sie haben mal gesagt, nach einem dreiviertel Jahr haben einen die Leute vergessen.
Ist ein bisschen zugespitzt. Aber klar: Wer völlig vom Bildschirm verschwindet, der wird nach einem dreiviertel Jahr von den ersten 100 000 Menschen im Land vergessen. Dieser Umstand würde mich jedoch nicht hindern, aufzuhören. Ich gehöre mit Sicherheit nicht zu denjenigen, die man irgendwann mit Gewalt aus dem TV-Studio heraustragen muss. Aber ich bin immer noch sehr gut ausgelastet.

Der "Spiegel" nannte Sie mal eine antizyklische Figur, ein Überbleibsel des alten Familienfernsehens. Ist das Fernsehen als wärmendes Lagerfeuer für alle erloschen?
Sicher, die Fernsehlandschaft ändert sich. Und dass ich nicht mehr 30 oder 40 bin, ist mir auch klar. Aber ich habe in meinem Fernsehleben viele Dinge gemacht und sie lange durchgehalten, weil sie mir Spaß gemacht haben. Zum Beispiel "Stern TV" über 20 Jahre lang. Dazu viele Jahre die Champions League oder Skispringen, das ZDF-Sportstudio auch über zehn Jahre. "Wer wird Millionär?" läuft jetzt schon 17 Jahre. Aber ich habe für mich immer den Zeitpunkt des Aufhörens selbst bestimmt. Ich schaue da immer mit Freude, aber ganz sicher nicht mit Wehmut zurück.

Dabei hat es der Telefonjoker aus "Wer wird Millionär?" sogar in den Duden geschafft ...
... nun ja, eine gewisse Erinnerung wird ja vielleicht auch bleiben. Trotzdem sind TV-Sendungen ja im allgemeinen nicht im Thomas-Mann-Bereich anzusiedeln. Fernsehen ist ein flüchtiges Medium. Da darf man sich keine Illusionen machen.

Ist das der große Unterschied zu Ihrer Arbeit als Winzer?
Das ist vielleicht etwas zu hoch gegriffen, aber der "Gault-Millau" hat letztens die Haltbarkeit unserer Beeren- und Trockenbeerenauslesen bewertet. Da stand das Jahr 2100 plus. Man kann also noch im nächsten Jahrtausend unseren Wein genießen. Heißt also: An mich wird sich keiner mehr erinnern. Aber der Wein ist dann immer noch da. Hoffentlich.

Also ist auch der Erfolg ganz anders messbar?
Das ist der größte Unterschied. Im Fernsehen können Sie praktisch jeden Tag eine Sendung machen und bekommen am nächsten Tag über Einschaltquote und TV-Kritik das Ergebnis präsentiert. Beim Wein bekommen Sie nur einmal im Jahr die Quote. Wenn ich das für mein Leben hochrechne, dann habe ich bei von Othegraven vielleicht noch 20 oder 25 "Sendungen", die ich machen kann. Und da wird auch mal ein Hagelschaden im Frühjahr oder eine extreme Trockenheit im Sommer dabei sein. Das heißt: Im Weinberg ist der Erfolg viel langfristiger angelegt und viel mehr durch die Natur bestimmt.

Plötzlich wird der Wetterbericht wichtiger als die Einschaltquote?
Genau so ist es. Wenn mein Geschäftsführer Andreas Barth mich anruft und sagt: Es müsste in den nächsten Tagen ordentlich regnen, sonst können wir diesen Jahrgang  vergessen, hänge ich alle fünf bis zehn Minuten mit dem Smartphone am regionalen Regenradar.

Auf dem Weingut seiner Großmutter war Jauch schon als Kind zu Gast.

Auf dem Weingut Von Othegraven seiner Großmutter war Jauch schon als Kind zu Gast.

Quelle: dpa

Finden Sie trotzdem mehr innere Ruhe und Gelassenheit auf dem Weingut?
Jein. Als uns früher das Gut noch nicht gehörte, wir aber oft auf Besuch hier waren,  konnte ich entspannt auf der Terrasse sitzen und bei einem schönen Kabinettwein den Sonnenuntergang samt Rascheln der Blätter im Park genießen. Das war nah dran am Paradies. Wenn man aber selbst für das Weingut verantwortlich ist, kümmert man sich um den Aufsitzmäher, der gerade nicht anspringt. Das Kontemplative, diese Beschaulichkeit und geistige Entspannung, die viele Menschen mit einem Winzer-Dasein verbinden, hat mit der Lebenswirklichkeit nicht immer viel zu tun. Wir wollen aber wieder mehr zu dieser inneren Ruhe zurückfinden. Denn es ist schon wirklich sehr, sehr schön hier.

Ihr Freund, der Sportmoderator Marcel Reif, hat gemeint, Sie seien der uneitelste Mensch, den er je im Fernsehgeschäft erlebt habe. Steht deshalb Ihr Name auch nur hinten auf dem Etikett der Weinflaschen?
Wir wollten den angestammten Namen von Othegraven erhalten. So hieß schon meine Großmutter, und warum sollte ich das ändern?

Aber im Verkauf hilft der Name Günther Jauch schon?
Jein. Die Neugierde, die es noch vor vier oder fünf Jahren gab, ist weg. Entscheidend ist am Ende allein die Qualität und nicht der Name. Wenn dem Kunden der Wein nicht schmeckt, wird er kein zweites Glas trinken – egal welchen Namen das Weingut trägt oder wem es gehört.

Wie wird man mit Wein Millionär?
Kaum. Und mittelgroße Weingüter, wie wir es sind, haben es eher schwerer. Unser Ziel ist, dass sich der Betrieb von alleine trägt. Unser 2014er Jahrgang ist fast komplett ausverkauft, und 2015 war ein großartiger Jahrgang, auf den wir uns jetzt freuen können. Wir sind ja auch ein Gewinner des Klimawandels, der speziell dem Riesling von der Saar sehr gut getan hat. So gibt es immer mehr hervorragende Jahrgänge. Aber der Preis für den Wein ist nicht in dem Maß  gestiegen. Nur wenige sind bereit, für Spitzenqualität und Handarbeit eben  auch mehr zu bezahlen.

Wie haben eigentlich Kollegen aus dem Showbusiness reagiert, als sie hörten: Jauch wird Winzer?
Es wurde schon geraunt: Muss der jetzt auch noch auf den Spuren von Angelina Jolie, Brad Pitt oder Gerard Depardieu wandeln? Da schwingt der Verdacht mit, man legt sich nur ein Weingut zu, um sich wichtig zu machen. Erst wenn ich die Gründe erkläre, dass ich das Weingut aus Familienbesitz heraus übernommen  habe, heißt es plötzlich: Ach so, das ist natürlich was anderes. Ohne den familiären Bezug hätte ich mich auch nie in das Abenteuer gestürzt.

Was reizt Sie noch: Kommt nach dem Polit-Talk-Moderator vielleicht doch noch ein später Einstieg in die Politik? Immerhin gab es Umfragen, wonach sich jeder zweite Deutsche Günther Jauch als Kanzler wünscht.
Nein, vergessen Sie's. Für die Politik fehlen mir fast alle Voraussetzungen wie zum Beispiel der Stallgeruch einer Partei oder die ständige Suche nach dem Kompromiss. Außerdem genieße ich meine berufliche Freiheit. Fast alle Seiteneinsteiger sind in der Politik gescheitert, was ich übrigens ausgesprochen schade finde.

Privates halten Sie gern geheim. Marcel Reif hat aber zuletzt bei einer Laudatio auf Sie verraten, dass Ihre Abitur-Note mit 3,1 eher mäßig war ...
Ja, der Erfolg in dieser Hinsicht war absolut überschaubar.

Dürfen also alle Kandidaten, die an der 1000-Euro-Frage bei "Wer wird Millionär?" scheitern, auch mal schadenfroh sein?
Dürfen sie. Aber der Unterschied ist, dass ich trotz der 3,1 im Abi zumeist nicht an der 1000-Euro-Frage scheitern würde. Außerdem habe ich seit dem Abitur nur noch Sachen gemacht, die mir Freude bereitet haben. Das ist bei mir immer so: Gefällt mir eine Aufgabe, werde ich dann auch richtig fleißig. Langweilt mich dagegen etwas, werde ich eher etwas träge.

Noch eine Frage aus Ihrer Sendung "Wer wird Millionär?" – zum Thema Wein. Die Frage zu Goethes "Faust" lautet: Welches Getränk fließt in Auerbachs Keller zu Leipzig nicht aus dem Tisch? a) Rhein-Wein, b) Champagner-Wein, c) Tokajer oder d) Mosel-Wein?
...Mmh. Rhein-Wein ist sicher dabei, Champagner-Wein? Tokajer? Ich vermute: Es ist der Mosel-Wein. Richtig?

Treffer.
Es lebe das Ausschlussverfahren. In der Sendung wäre die Frage aber mehr als 1000 Euro wert gewesen.

Zur Person
Seit Jahren hohe Einschaltquoten: Günther Jauch bei "Wer wird Millionär?"

Seit Jahren hohe Einschaltquoten: Günther Jauch bei "Wer wird Millionär?"

Quelle: Jörg Carstensen / dpa

Nach Kanzem im Südwesten der Republik verirren sich eigentlich nur Radtouristen, die die steilen Straßenkehren lieben. Doch seit sechs Jahren sind Kanzem an der Saar und das Weingut von Othegraven nicht nur Radfahrern und Weinfreunden ein Begriff – schließlich wird das Gut in siebter Generation von Günther Jauch betrieben, einem der beliebtesten Moderatoren des deutschen Fernsehens.

Am 13. Juli 1956 in Münster geboren, war Günther Jauch das älteste von drei Kindern des Journalisten Ernst-Alfred Jauch. Er wuchs in Berlin auf und begann nach dem Abitur ein Jurastudium, das er 1975 abbrach, um an die Deutsche Journalistenschule in München zu wechseln. Nach dem Abschluss machte er sich im Radio einen Namen: Als Moderator der B3-Radioshow, die er sich im Bayerischen Rundfunk mit seinem Freund und Kollegen Thomas Gottschalk teilte.

Mit 29 Jahren wechselte Jauch ins Fernsehgeschäft – und legte eine steile Karriere hin. Vom Polittalk ("Live aus dem Alabama") über den Sport ("Sportstudio", Champions League, Skispringen), bis zu Formaten wie "Stern TV", das er 20 Jahre lang moderierte und produzierte, wurde er zu einem der prominentesten TV-Gesichter.

Kult mit dem "Torfall von Madrid"

Kultstatus hat bis heute seine Moderation des Champions-League-Spiels von Real Madrid gegen Borrussia Dortmund im April 1998, dem "Torfall von Madrid": Der Spielbeginn verzögerte sich um 76 Minuten, weil ein Tor zum Einsturz gebracht wurde. Marcel Reif und Günther Jauch überbrückten diese Zeit so unterhaltsam, dass die Einschaltquoten höher waren als beim eigentlichen Spiel.

Auch später blieb der Moderator stets an der Spitze der Publikumsgunst. Bei der Wahl zum beliebtesten Deutschen lag er im Jahr 2005 auf Platz eins. Seine Quizsendung "Wer wird Millionär?" läuft seit 17 Jahren mit stabil hohen Quoten. Die ARD-Talksendung "Günther Jauch" moderierte und produzierte er ab 2011 für vier Jahre, stieg aber im November 2015 nach Differenzen mit der ARD aus.

Der Familientradition verpflichtet

Der Fernsehmoderator führt trotz seines geschätzten Millionenvermögens ein zurückgezogenes Leben. Nach eigenen Angaben spendet Jauch regelmäßig große Teile seines Einkommens für wohltätige Zwecke, unter anderem beteiligte er sich am Wiederaufbau des Fortunaportals am Potsdamer Stadtschloss. Damit setzt er die Familientradition fort: Jauchs Ahnfrau war Anna Weißebach, Begründerin der Caritas-Konferenzen Deutschlands.

Auch als Winzer bleibt er der Familie verpflichtet, schon als Kind war er oft im Weinberg: als Enkel der Elsa von Othegraven, deren Bruder Max dem Weingut seinen heutigen Namen gab. Zuletzt hatten in Kanzem zwei Frauen das Sagen: Maria von Othegraven und nach ihrem Tod 1995 deren Nichte Heidi Kegel. Als diese im Jahr 2010 verkaufen wollte, griff das Ehepaar Jauch zu. "Wenn Günther Jauch hier zum Weinfest kommt, dann rennen die Kinder zu ihm, als wäre Gottvater persönlich erschienen", sagt der benachbarte Winzer Helmut Plunien mit feiner Ironie.

Von Olaf Majer

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